Dokumentation: Leitungswasser in sozialen Einrichtungen

Welche Qualität hat Leitungswasser in Deutschland? Wie kann ich in der Einrichtung rund um Leitungswasser kommunizieren? Und welche Vorteile hat Leitungswasser überhaupt? Mit diesen Fragen beschäftigten sich interessierte Teilnehmende in der vergangenen Woche in der Online-Veranstaltung "Leitungswasser in sozialen Einrichtungen – Qualitätsfragen, Kommunikation und Auszeichnung", die im Rahmen des Projekts "Nachhaltig satt" stattfand.

Gerade in den heißen Sommermonaten ist ausreichendes Trinken besonders wichtig. Welche Vorteile das Trinken von Leitungswasser bietet und wie es um dessen Qualität steht, erläuterte uns Dominik Lanzl von a tip: tap e.V. in einer Online-Veranstaltung am 24. Juni 2026. A tip: tap e.V. setzt sich seit 2010 für die Nutzung von Leitungswasser ein: Mit Beratung, interaktiven Bildungsangeboten und Aktionen für Leitungswasser engagiert sich der Verein für einen besseren Zugang zu Leitungswasser und mehr Wissen zu diesem Thema. 

5 Gründe für Leitungswasser

Leitungswasser spart CO2: Mineralwasser, das in Flaschen verkauft wird, verbraucht viele zusätzliche Ressourcen. Die Flaschen werden gereinigt, abgefüllt, verpackt, zu den Verkaufsstellen transportiert und nach dem Verkauf weiterbefördert – bis das Wasser schließlich im Glas auf unserem Tisch steht. Leitungswasser hingegen wird durch das Rohrsystem direkt in unseren Haushalt oder unsere Einrichtung geliefert. So entfallen durchschnittlich nur rund 0,35g CO2eq pro Liter Leitungswasser – bei Flaschenwasser sind es durchschnittlich 202,74g CO2eq pro Liter. 

Leitungswasser vermeidet Verpackungsmüll: In Deutschlang fallen pro Jahr rund 8 Milliarden Einweg-Plastikflaschen an, die durch die Nutzung von Leitungswasser vermeidbar wären.

Leitungswasser spart Geld: Leitungswasser ist deutlich günstiger als der Kauf von Flaschenwasser. Wie viel CO₂eq und Geld durch den Umstieg auf Leitungswasser eingespart werden können, lässt sich anschaulich im Trinkwasserrechner von a tip: tap berechnen. 

Leitungswasser ist bequem und platzsparend: Logistikaufwand sowie Lagerräume voller Wasserkästen und Pfandflaschen werden vermieden.

Leitungswasser hat Top-Qualität: Und zuletzt: Leitungswasser hat in Deutschland eine hohe Qualität. Genau dieses Thema wurde im zweiten Teil der Veranstaltung näher betrachtet.

Qualität von Leitungswasser

Die deutsche Trinkwasserverordnung wurde 2023 novelliert und verschärft. Leitungswasser in Deutschland wird regelmäßig auf 60 chemische, physikalische und mikrobiologische Parameter geprüft. Diese Kontrollen müssen von den Wasserversorgern verpflichtend sichergestellt werden. 

Durch moderne Analytik lassen sich heute selbst kleinste Mengen vieler Stoffe nachweisen – auch in Konzentrationen, die weit unter gesundheitlich relevanten Werten liegen. Ein Nachweis bedeutet daher nicht automatisch ein Gesundheitsrisiko. Bei Meldungen über gemessene Medikamentenrückstände im Wasser ist auch die Unterscheidung zwischen verschiedenen Wasserarten und Regionen wichtig. Rückstände im Abwasser sagen beispielsweise wenig über die Qualität des Trinkwassers aus.

Ein weiterer Stoff, über den im Zusammenhang mit Leitungswasser häufig gesprochen wird, ist Mikroplastik. Nach aktuellem Wissensstand stellt Leitungswasser jedoch keine Hauptaufnahmequelle für Mikroplastik dar. Plastikfreie Trinkgefäße sollten dennoch bevorzugt werden.

Gefahren durch Keime oder Hausleitungen entstehen - wenn überhaupt – vor allem durch lange Stagnationszeiten in Leitungen. Diese sollten vermieden werden. Bleileitungen müssen seit Anfang 2026 stillgelegt sein. Für Einrichtungen, die auf Leitungswasser umsteigen möchten, bietet sich ein Test auf Schwermetalle an.

Kalk ist als Bestandteil in unserem Leitungswasser gesundheitlich unbedenklich. Er besteht aus den gelösten Mineralstoffen Calcium und Magnesium.

Im Fazit erläutert Dominik Lanzl, dass Leitungswasser in Deutschland vor dem Genuss nicht gefiltert werden muss. Ausnahmen gelten für vulnerable Gruppen, zum Beispiel in Krankenhäusern oder Altenpflegeeinrichtungen, für die häufig besondere Hygienevorgaben durch Gesundheitsämter bestehen. 

Wichtig ist es jedoch, die Hygiene an der Wasserentnahmestelle einzuhalten: Stagnationszeiten sollten vermeiden werden und nach längeren Standzeiten, etwa nach den Ferien, sollten die Leitungen gründlich erst heiß, dann kalt gespült werden. Außerdem sollte der Perlator regelmäßig gereinigt und Wasser nicht über längere Zeit in Karaffen stehen gelassen werden.

Kommunikation rund um Leitungswasser

Die Vorteile von Leitungswasser lassen sich vielseitig und zielgruppengerecht kommunizieren. Das bewusste Inszenieren von Wasserspendern oder die Visualisierung des Wasserdurchsatzes mit einer „tap watch“ fördern zum Beispiel die Wertschätzung und regen zur Nutzung von Leitungswasser an.

Um Wasserbildung in die pädagogische Arbeit einzubinden und Wasserwissen bereitzustellen, bietet a tip: tap zahlreiche kostenfreie Materialien auf ihrer Website an. Orientiert an den Prinzipien der Bildung für nachhaltige Entwicklung wurden verschiedene Module zum Lernen und Ausprobieren entwickelt, die direkt in Einrichtungen eingesetzt werden können. So kann in einem Versuch ein Sedimentfilter aus verschiedenen Schichten hergestellt werden, um schmutziges Wasser zu filtern und den Wasserkreislauf kennenzulernen.

Auch die Trinkmotivation kann durch gemeinsame Aktionen gesteigert werden: Infused water – also Wasser versetzt mit saisonalem Obst oder Gemüse wie Gurke, Äpfel, Minze oder Rosmarin– regt zum Ausprobieren und Trinken an.

Einrichtungen, die die Nutzung von Leitungswasser als selbstverständlich ansehen und kein Budget für Flaschenwasser einplanen, können sich außerdem als leitungswasserfreundlich auszeichnen lassen. Diese Auszeichnung kann sowohl für die interne als auch für die externe Kommunikation genutzt werden.

Alle weiteren Informationen der spannenden Veranstaltung finden Sie in der Veranstaltungspräsentation.