„Wir machen Hamburg sozialer“: Der Paritätische Wohlfahrtsverband Hamburg wird 100 Jahre alt und feiert mit einem bunten und vielfältigen Programm

Im April 2024 feiert der PARITÄTISCHE Wohlfahrtsverband Hamburg einen runden Geburtstag. Seit 100 Jahren setzt er sich gemeinsam mit seinen gemeinnützigen Mitgliedsorganisationen für das Wohl der Hamburger*innen ein. Unter dem Motto „Wir machen Hamburg sozialer“ finden im Jubiläumsjahr zahlreiche Veranstaltungen statt. Zum Auftakt eröffnete am 19. März in der Rathaus-Diele Medienstaatsrätin Jana Schiedek die Ausstellung „Wir machen Hamburg sozialer – 100 Jahre Paritätischer Wohlfahrtsverband Hamburg“, die bis zum 9. April kostenlos besucht werden kann. Dort sind auch die bei der Ausstellungseröffnung prämierten Siegerbilder des Fotowettbewerbs „Die Zukunft der sozialen Arbeit 2050“ zu sehen, den der Verband ausgeschrieben hatte. Weitere Höhepunkte in diesem Jahr sind ein Senatsempfang im April, eine Feier für die haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitenden seiner Mitglieder im Mai, ein Sommerfest im Juni und ein Konzert mit dem Publikumsorchester in der Elbphilharmonie im Juli sowie etliche Fachveranstaltungen. Weitere Infos unter www.wir-machen-hamburg-sozialer.de.

Der PARITÄTISCHE Wohlfahrtsverband Hamburg ist konfessionell, weltanschaulich und parteipolitisch ungebunden. Ihm sind über 400 selbständige Mitgliedsorganisationen mit weit über 1.000 sozialen Diensten und Einrichtungen angeschlossen, in denen rund 25.000 hauptamtliche und viele tausend ehrenamtliche Mitarbeitende tätig sind. Die Mitglieder bieten soziale Dienstleistungen für Kinder, Jugendliche, Menschen mit Migrationsgeschichte, Obdach- und Wohnungslose, Senior*innen, Menschen mit Behinderung und andere an, die Unterstützung benötigen.

„Hamburg ist einerseits eine reiche Stadt, andererseits gibt es viele Menschen, die Hilfe brauchen. Das war vor 100 Jahren so und wird sich in Zukunft vermutlich nicht ändern“, sagt Kristin Alheit, Geschäftsführende Vorständin des Verbandes. „Die Stadt steht vor großen Herausforderungen wie dem demografischen Wandel, der Klimakrise, dem Fachkräftemangel, leeren öffentlichen Kassen, wachsender Armut, den Folgen zunehmender Fluchtbewegungen und sozialen Spannungen. Wir müssen als Gesellschaft zusammenstehen und solidarische, gerechte und soziale Lösungen finden, die alle mitnehmen. Gemeinsam mit unseren Mitgliedern haben wir in den vergangenen 100 Jahren schon viel erreicht und Hamburg sozialer gemacht. Dafür stehen wir auch in Zukunft.“

Der PARITÄTISCHE Hamburg orientiert sich in seiner Arbeit an den Werten Offenheit, Vielfalt und Toleranz. Er setzt sich ein für mehr Inklusion, Integration, soziale Gerechtigkeit, fairere Bildungschancen und gegen Rechtsextremismus und Diskriminierung.

„Unter unserem Dach sind große und kleine Träger gleichberechtigt vereint. Hier finden sich im 19. Jahrhundert entstandene Stiftungen genauso wie frisch gegründete Initiativen, der ehrenamtliche, spezialisierte Verein ebenso wie der große Arbeitgeber, der in mehreren Sozialbereichen tätig ist, das klassische Pflegeheim genauso wie Angebote für queere Menschen. Unser Verband bringt das volle Sortiment der sozialen Arbeit in Hamburg ein“, so Alheit.

Alle Mitgliedsorganisationen arbeiten auf gemeinnütziger Basis. Gewinne fließen nicht in die Taschen Einzelner, sondern werden dort eingesetzt, wo sie am dringendsten benötigt werden.

Als Dachverband berät und begleitet der PARITÄTISCHE Hamburg seine Mitglieder fachlich, vertritt ihre Interessen gegenüber Politik und Kostenträgern und setzt sich für eine angemessene Finanzierung sozialer Arbeit sowie gute Rahmenbedingungen ein. Darüber hinaus engagiert er sich immer wieder mit eigenen Projekten und Angeboten. So führte der Verband 1963 parallel zu anderen Paritätischen Landesverbänden erstmalig Essen auf Rädern ein, damit ältere Menschen zuhause versorgt werden konnten. Der Verband ist seit 20 Jahren Träger von KISS Hamburg, den Kontakt- und Informationsstellen für Selbsthilfegruppen. Von 2011 bis 2013 verantwortete er die viel beachtete Erzieher-Kampagne „Vielfalt, MANN! Dein Talent für Hamburger Kitas“ und er war maßgeblich an der Entwicklung des Kita-Gutschein-Systems beteiligt. Er betreibt seit zehn Jahren die Koordinierungsstelle Individuelle Hilfen und unterstützt damit die Jugendämter bei der Entwicklung und Umsetzung geeigneter Hilfen für Kinder und Jugendliche mit komplexen Problemen. In einem weiteren Projekt vernetzt und sensibilisiert er Fachkräfte aus Kitas, Schulen und Gesundheitswesen, damit Kinder von psychisch erkrankten Eltern in unserer Gesellschaft gesehen und mit ihren Bedürfnissen wahrgenommen werden. Das erste Frauenhaus in Hamburg (1977) sowie die bundesweit erste Babyklappe (2000) wurden von Mitgliedsorganisationen des Paritätischen Hamburg ins Leben gerufen.

 

Weitere Hintergrund-Informationen:

1924 wurde in Frankfurt die „Vereinigung der freien privaten gemeinnützigen Wohlfahrtseinrichtungen Deutschlands e.V.“ als fünfter Wohlfahrtsverband im Deutschen Reich von freien Trägern gegründet, die weder dem Deutschen Roten Kreuz noch den konfessionellen Verbänden angehören wollten. Denn auch diese brauchten einen Verband, der sich zunächst vor allem um die Verteilung von Finanzhilfen kümmerte.

In Hamburg waren die ersten Mitglieder Kindergärten, Genesungsheime, Krankenhäuser sowie Schul- und Ferienheime. 1930 war der Hamburger Landesverband mit 98 Mitgliedern reichsweit der viertgrößte innerhalb dieses auch „Fünfter Wohlfahrtsverband“ genannten Zusammenschlusses.

1932 erfolgte die reichsweite Umbenennung in Deutscher PARITÄTISCHER Wohlfahrtsverband.

1934 wurde der Verband, wie auch andere Organisationen, gleichgeschaltet und in die Nationalsozialistische Volkswohlfahrt eingegliedert, was seine faktische Auflösung bedeutete. Auch viele Mitgliedsorganisationen lösten sich auf.

Nach dem Krieg, 1948, wurde der PARITÄTISCHE Wohlfahrtsverband Hamburg von zunächst 10 Mitgliedern wiedergegründet. In enger personeller und büroräumlicher Kooperation mit der Hamburgischen Gesellschaft für Wohltätigkeit (heute Hamburgische Brücke – Gesellschaft für private Sozialarbeit e.V.) wuchs der Verband schnell und hatte 1960 bereits 130 Mitglieder.  

Standen anfangs vor allem Opfer des Krieges im Vordergrund der sozialen Arbeit, entwickelten sich ab den 1960er-Jahren neue Angebote. So schuf der Verband u.a. eine Rentenberatung, einen Hauspflegedienst und Essen auf Rädern. Neben den alten Menschen rückten weitere Gruppen und Themen stärker in den Fokus: neue Formen der Kinderbetreuung durch Elterninitiativen und Kinderläden, gesundheitliche Selbsthilfeorganisationen für mehr Vernetzung und Selbstermächtigung für Patient*innen, Teilhabe und Armut als übergreifende Themen, in diesem Jahrtausend zusätzlich Migration und Geflüchtetenhilfe. Weitere Informationen sowie die Chronik des Verbandes unter www.wir-machen-hamburg-sozialer.de.