Statement von Kristin Alheit vom Paritätischen Hamburg zum Paritätischen Armutsbericht

Laut aktuellen Zahlen des neuen Paritätischen Armutsberichts ist die Armut 2024 bundesweit um 1,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. Auch in Hamburg ist die Armutsquote gestiegen: Von 15,0 auf 16,0 Prozent. Die neue Hamburger Regierung darf das nicht auf die leichte Schulter nehmen.
Während das sog. Median-Einkommen von Personen unterhalb der Armutsgrenze im Jahr 2020 deutschlandweit noch bei 981 Euro im Monat lag, waren es im Jahr 2024 preisbereinigt nur noch 921 Euro. Arme Menschen werden also ärmer.
Dazu Kristin Alheit, Geschäftsführerin des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes Hamburg:
„Die Inflation trifft besonders arme Menschen. Ihr ohnehin schon geringes Einkommen ist preisbereinigt gesunken. Wer wenig hat, muss sich noch stärker einschränken. Dazu zählen 27 Prozent der Alleinerziehenden, 60 Prozent der Arbeitslosen, 26 Prozent der Menschen mit niedrigem Bildungsstand sowie 30 Prozent der Menschen ohne deutsche Staatsangehörigkeit: Sie alle müssen zu den armen Menschen gezählt werden. Diese Zahlen sind erschreckend, aber leider nicht überraschend – sie bestätigen langjährige Trends.
Auch unsere Vorschläge zur Armutsbekämpfung sind nicht neu: Es braucht bessere Erwerbseinkommen, etwa durch einen höheren Mindestlohn und höhere Grundsicherungsleistungen. Es braucht mehr bezahlbaren Wohnraum, insbesondere deutlich mehr Sozialwohnungen, sowie eine Anhebung des Rentenniveaus.
Zwar liegt vieles davon in der Verantwortung des Bundes, aber auch die Stadt Hamburg kann handeln. Durch eine konsequente Priorisierung des Sozialwohnungsbaus sowie durch die Bevorzugung von Tariftreue – bei öffentlichen Vergaben genauso wie bei Refinanzierung von sozialen Trägern wie Kitas – kann die Stadt dazu beitragen, die Armutsquote nachhaltig zu senken. Im neuen Koalitionsvertrag finden sich entsprechende Ansätze, die nun mit aller Kraft verfolgt und intensiviert werden müssen.“
Hinweis: Der aktuelle Armutsbericht basiert erstmals auf Daten der Mikrozensus-Unterstichprobe zu Einkommen und Lebensbedingungen (MZ-SILC) des Statistischen Bundesamtes. Frühere Berichte nutzten Daten aus dem Mikrozensus-Kernprogramm (MZ-Kern), sodass die aktuellen Zahlen nicht direkt mit früheren Armutsberichten vergleichbar sind. Innerhalb des aktuellen Berichts sind die Vorjahreswerte jedoch einheitlich auf Basis von MZ-SILC erhoben worden und damit miteinander vergleichbar. Detaillierte Armutsrisikoquoten nach Alter, Bildungsstand oder Migrationsgeschichte liegen auf Grundlage von MZ-SILC nur für die Bundesebene vor.
Den aktuellen Armutsbericht 2024 finden Sie hier.