Paritätischer Wohlfahrtsverband kritisiert verdeckte Pflegearmut

Wer wenig Geld hat und zu Hause gepflegt wird, bekommt trotz Anspruch oft keine ausreichende finanzielle Unterstützung, so eine neue vom Paritätischen Gesamtverband in Auftrag gegebene Studie, die sich mit Pflegearmut speziell in der häuslichen Pflege beschäftigt. Bundesweit beanspruchen demnach etwa 300.000 armutsbetroffene Pflegebedürftige keine ‘Hilfe zur Pflege’, obwohl ihr Einkommen und Vermögen zusammen mit den Leistungen der Pflegeversicherung nicht ausreichen, um ihre Bedarfe zu decken. Nur 19,44% dieser Anspruchsberechtigten erhalten diese Sozialhilfeleistung nach §§ 61 ff. SGB XII. Hamburg sticht jedoch positiv hervor, denn hier nehmen 35 % der Menschen, die zu Hause gepflegt werden und Anspruch auf individuelle ‚Hilfe zur Pflege‘ haben, diese auch wahr.

„Leider haben wir in Hamburg viele Menschen, die zugleich pflegebedürftig und arm sind. Es ist erfreulich, wenn viele ihre Ansprüche geltend machen und die entsprechenden Anträge stellen. Aber leider sehen wir, dass 65 % der Anspruchsberechtigten, insgesamt mehr als 11.000 ambulant Pflegebedürftige, die ihnen zustehende ‚Hilfe zur Pflege‘ nicht erhalten“, sagt Kristin Alheit, Geschäftsführerin des Paritätischen Hamburg.

Unwissenheit, Scham und zu wenig Beratung seien laut der Studie der Grund für die Unterversorgung. Hamburgs vergleichsweise gutes Abschneiden liege auch an der leistungserschließenden Beratung von Pflegediensten.

Der Paritätische fordert schon seit längerem eine solidarische Pflegevollversicherung, in die alle einzahlen und die sämtlichen pflegebedingten Kosten sowohl in der stationären als auch in der ambulanten Pflege übernimmt.
„Mit einer solidarischen Pflegevollversicherung ließe sich verhindern, dass pflegebedürftige Menschen schnell in die Armut rutschen und von der Beratung durch sowieso schon überlastete und unterfinanzierte Pflegedienste oder in der Stadt verteilten Behörden abhängig sind. Es darf nicht sein, dass so viele Menschen die ihnen zustehende Unterstützung nicht erhalten.“

Die Studie finden Sie hier: Expertise_Armut_in_der_haeuslichen_Pflege_2026.pdf