In der Kita bekommen sie Therapie und individuelle Förderung. Dann kommen sie in die Schule und stehen plötzlich allein da. Ab dem Schuljahr 2026/27 sollen Hamburger Kinder mit Unterstützungsbedarf Schulbegleitung erst erhalten, wenn alle anderen Maßnahmen gescheitert sind. Das kann ein volles Schuljahr dauern. Das geht aus einem Schreiben an die Schulleitungen aller Hamburger Schulen hervor.
Dazu Kristin Alheit, Geschäftsführerin des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes Hamburg: „Wir fordern die Schulbehörde auf, die geplanten Änderungen bei den Schulbegleitungen auszusetzen – und stattdessen einen echten Beteiligungsprozess mit Trägern, Eltern, Fachkräften und Schulen zu starten. Entscheidungen dieser Tragweite brauchen Dialog, keine Schnellschüsse.
Ein volles Schuljahr ohne Begleitung – das ist ein Jahr, das im Leben eines Kindes nicht wiederkommt. Und es trifft die Schwächsten. Wer gut vernetzt ist und sich Anwälte leisten kann, findet vielleicht einen Weg. Alle anderen nicht. Gleichzeitig ist der Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung für diese Kinder faktisch wertlos, wenn die nötige Begleitung fehlt. Im schlimmsten Fall droht Nichtbeschulung.
Hinzu kommt: Unterstützungsbedarf ist individuell. Er lässt sich nicht pauschal per Behördenkonferenz entscheiden – das können nur die Fachkräfte, die die Kinder kennen und begleiten. Wenn diese Fachlichkeit aus dem Prozess herausgenommen wird, verlieren wir das, was inklusive Bildung ausmacht. Was über Jahrzehnte aufgebaut wurde, darf nicht ohne Beteiligung der Praxis zur Disposition gestellt werden. Wir sind überzeugt: Das lässt sich besser lösen – gemeinsam. Der Paritätische Hamburg bringt sich konstruktiv ein und erwartet, dass die Behörde dieses Gespräch sucht.“