Abpflastern gegen Hitze: Klimaanpassung muss allen zugutekommen

BUND Hamburg und Bündnis Starker Sozialstaat Hamburg machen bei Entsiegelungsaktion auf die soziale Dimension von Hitzeschutz aufmerksam

Pflaster raus, Grün rein: Bei einer gemeinsamen Entsiegelungsaktion am Samstag, 26. September, wird der BUND Hamburg mit zahlreichen Aktiven eine Fläche von etwa 30 Quadratmetern entsiegeln und damit Platz für Versickerung und Grün schaffen. Gemeinsam mit dem Bündnis Starker Sozialstaat Hamburg macht der Umweltverband darauf aufmerksam, dass bei der Anpassung der Stadt an zunehmende Hitze folgender Aspekt stärker berücksichtigt werden muss: Wie gut Menschen vor Hitze geschützt sind, hängt auch von ihrem Wohnort, ihren Lebensbedingungen und ihren Möglichkeiten ab, der Hitze auszuweichen.

Gerade in dicht bebauten Quartieren heizen sich Straßen, Plätze und Gebäude an heißen Tagen stark auf. Versiegelte Flächen speichern Hitze und lassen kaum Wasser versickern. Offene und begrünte Böden können dagegen Regenwasser aufnehmen und speichern. Pflanzen und Bäume sorgen durch Schatten und Verdunstung zusätzlich für Abkühlung.

Sabine Sommer, Vorsitzende des BUND Hamburg: „Klimaanpassung entscheidet sich ganz konkret vor unserer Haustür. Wo wir Pflaster und Asphalt entfernen und stattdessen Platz für Wasser und mehr Grün schaffen, wird die Stadt lebenswerter und widerstandsfähiger gegen Hitze und Starkregen. Hamburg muss solche Maßnahmen gezielt dort voranbringen, wo viele Menschen unter Hitze leiden und gleichzeitig wenig Grün vorhanden ist.“

Nicht alle Menschen können hohen Temperaturen gleichermaßen ausweichen. Besonders ältere Menschen, Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen, kleine Kinder und Menschen in schlecht isolierten Wohnungen sind auf ein Wohnumfeld angewiesen, das auch an heißen Tagen Schutz und Aufenthaltsqualität bietet.

Das Bündnis Starker Sozialstaat Hamburg sieht deshalb die soziale Verantwortung der Stadt beim Thema Hitzeschutz. Klimaanpassung muss so gestaltet und finanziert werden, dass sie unabhängig von Einkommen und Wohnort allen Menschen zugutekommt: Hitzeschutz muss als Teil der öffentlichen Daseinsvorsorge anerkannt werden. 

Das Bündnis Starker Sozialstaat Hamburg dazu: „Hitzeschutz darf keine Frage des Geldbeutels sein. Wer keinen Garten, keine kühle Wohnung und keine Möglichkeit hat, der Hitze auszuweichen, ist besonders auf kühle öffentliche Räume angewiesen. Eine sozial gerechte Klimaanpassung muss deshalb dort ansetzen, wo die Belastungen besonders groß sind. Investitionen in Grün, Schatten und lebenswerte öffentliche Räume sind Investitionen in die soziale Infrastruktur unserer Stadt.“

Gemeinsam fordern BUND und das Bündnis den Hamburger Senat deshalb auf, bei der Klimaanpassung ökologische und soziale Kriterien konsequent miteinander zu verbinden. Entsiegelung, Begrünung und Hitzeschutz sollten insbesondere dort Priorität erhalten, wo eine hohe Hitzebelastung, dichte Bebauung, wenig Stadtgrün und eine besondere soziale Belastung zusammentreffen.

Rund ein Drittel Hamburgs ist versiegelt. Eine belastbare Bilanz darüber, wie viel Fläche jedes Jahr neu versiegelt und wie viel gleichzeitig entsiegelt wird, fehlt bislang. Auch Entsiegelungspotenziale werden noch nicht flächendeckend erfasst.

Der BUND fordert deshalb eine verbindliche Entsiegelungsstrategie für Hamburg. Geeignete Flächen müssen systematisch identifiziert und die Bezirke mit ausreichend Personal und finanziellen Mitteln für die Umsetzung ausgestattet werden. Gleichzeitig muss Hamburg neue Versiegelung so weit wie möglich vermeiden. Unter dem Strich darf die versiegelte Fläche der Stadt nicht weiterwachsen. Netto-Null-Flächenverbrauch muss gelebt werden.

„Mit unseren Abpflasteraktionen zeigen wir, was auf einzelnen Flächen möglich ist“, sagt Sommer. „Aber Ehrenamt allein kann Hamburg nicht klimaresilient machen. Entsiegelung und Begrünung müssen zur selbstverständlichen Aufgabe der Stadtentwicklung werden.“