82 Prozent der sozialen Einrichtungen stark von Hitze betroffen

Paritätischer fordert Sofortprogramm für den Hitzesommer 2026

Berlin, 16. Juli 2026 – Die Hitzewelle Ende Juni hat soziale Einrichtungen massiv belastet: 82 Prozent der 2.871 Einrichtungen und Dienste, die sich bundesweit an einer Umfrage des Paritätischen Gesamtverbandes beteiligt haben, geben an, stark oder sehr stark betroffen gewesen zu sein. Überhitzte Gebäude, gesundheitliche Risiken und zusätzliche Belastungen für Beschäftigte bringen viele Einrichtungen an ihre Grenzen. Der Paritätische fordert deshalb ein bundesweites Sofortprogramm für den Hitzesommer 2026.

„Hitze ist längst keine abstrakte Zukunftsgefahr mehr, sondern eine konkrete Belastung für Menschen, soziale Einrichtungen und die gesamte öffentliche Daseinsvorsorge. Die Rückmeldungen aus den beteiligten Einrichtungen zeigen, dass besonders gefährdete Menschen bereits heute einem erhöhten Risiko ausgesetzt sind“, erklärt Katja Kipping, Geschäftsführerin des Paritätischen Gesamtverbandes. „Einige Einrichtungen berichten von Innenraumtemperaturen zwischen 30 und 40 Grad, überhitzten Wohn- und Gruppenräumen und Situationen, in denen Räume zeitweise nicht mehr nutzbar waren. Gleichzeitig leisten Beschäftigte unter extremen Bedingungen zusätzliche Arbeit, um die Versorgung und den Schutz der ihnen anvertrauten Menschen sicherzustellen. Die zunehmenden Belastungen durch extreme Hitze können nicht allein vor Ort aufgefangen werden, sondern erfordern verlässliche politische Unterstützung und gemeinsame Lösungen“, so Kipping.

Nach Schätzungen des Robert Koch-Instituts sind bis zur Kalenderwoche 26 bereits rund 5.120 Menschen an den Folgen extremer Hitze gestorben.  Mitte Juli stehen womöglich noch die heißesten Wochen vor uns. Der Paritätische mahnt deshalb an, extreme Hitze als Aufgabe des Bevölkerungsschutzes zu behandeln und kurzfristig einen ressortübergreifenden Hitzekrisenstab auf Bundesebene einzurichten. Dieser müsse während Hitzeperioden die Lage bewerten, Maßnahmen zwischen Bund, Ländern und Kommunen koordinieren und sicherstellen, dass Schutzmaßnahmen schnell und verbindlich umgesetzt werden.

Zudem brauche es einen bundesweiten Hitzenotfallfonds, damit Kommunen, Krankenhäuser, Pflegeeinrichtungen, soziale Träger und Hilfsorganisationen notwendige Schutzmaßnahmen wie Kühltechnik, Verschattung, Trinkwasserversorgung und zusätzliche Personalressourcen finanzieren können. Besonders gefährdete Menschen wie ältere Menschen, Pflegebedürftige, Menschen mit Behinderungen, chronisch Kranke, wohnungslose Menschen, Kinder und Menschen mit psychischen Erkrankungen benötigten während Hitzewellen einen verlässlichen Schutz durch aufsuchende Unterstützung, erreichbare kühle Aufenthaltsorte, gezielte Information und Begleitung sowie eine bedarfsgerechte Versorgung.

Die Ergebnisse der Umfrage verdeutlichen den dringenden Handlungsbedarf: 87,6 Prozent der Einrichtungen berichten von erheblichen Belastungen der Mitarbeitenden, 75,3 Prozent von überhitzten Gebäuden und 74,3 Prozent von Auswirkungen auf betreute, gepflegte oder begleitete Menschen. Die Rückmeldungen zeigen zudem, dass Hitze auch die Erreichbarkeit sozialer Angebote einschränkt: Menschen konnten Termine nicht wahrnehmen, Beratungsangebote nicht aufsuchen oder benötigten zusätzliche Unterstützung durch aufsuchende Hilfen. Gleichzeitig setzen Einrichtungen zahlreiche kurzfristige Maßnahmen um – von zusätzlichen Trinkangeboten und angepassten Tagesabläufen über häufigeres Lüften in Wohn- und Einzelräumen bis hin zu vermehrter Begleitung und Betreuung besonders gefährdeter Menschen. „Viele Einrichtungen und Dienste tun bereits alles, was kurzfristig möglich ist. Doch organisatorische Maßnahmen stoßen an Grenzen, wenn sich Gebäude über mehrere Tage aufheizen und keine geeigneten kühlen Rückzugsräume vorhanden sind“, so Kipping. „Die notwendigen Maßnahmen sind bekannt. Jetzt braucht es politisches Handeln und Tempo, damit soziale Einrichtungen und Dienste und andere wichtige Akteure auch bei zunehmender Hitze eine sichere Versorgung gewährleisten können.“

Die vollständige Auswertung der Umfrage des Paritätischen Gesamtverbandes finden Sie hier.