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Generation Z in der Arbeitswelt: Was der DAK-Gesundheitsreport 2025 und das Fachkräftebarometer Frühe Bildung gemeinsam zeigen

Hanna Häutle, Fachberaterin Ganztag

Die Gen Z startet spät, aber selbstbewusst ins Berufsleben – bringt hohe Ansprüche, aber auch neue Herausforderungen mit. Der aktuelle DAK-Gesundheitsreport zeigt: Mentale Belastung, Generationskonflikte und der Wunsch nach Sinnhaftigkeit prägen ihren Ar-beitsalltag – besonders stark im Gesundheits- und Erziehungsbereich. Parallel steigt die Zahl älterer Fachkräfte in Kitas, während die mittlere Altersgruppe schrumpft. Klar ist: Gute Zusammenarbeit braucht gegenseitiges Verständnis, offene Kommunikation – und Führung, die Generationen verbindet statt trennt.

Der aktuelle DAK-Gesundheitsreport widmet sich der Generation Z. Einige der teils alarmierenden  Ergebnisse schafften es bis in die Schlagzeilen großer Medien – so titelte etwa die Tagesschau: „Burn-out ist die neue Pandemie bei den Jüngeren“. Besonders das Thema Generationenkonflikte erhält durch den Bericht neue Brisanz: Denn entgegen gängiger Vorstellungen betrifft Altersdiskriminierung besonders häufig die Jüngeren. 28 % der 18- bis 29-Jährigen geben an, regelmäßig Generationskonflikte zu erleben – mehr als jede andere Altersgruppe. Die Belastung durch diese Konflikte ist bei ihnen am höchsten – insbesondere im Gesundheits- und Erziehungsbereich.

Das nehmen wir zum Anlass, um den Blick auf die Frühe Bildung, Betreuung und Erziehung (FBBE) zu lenken. Doch zunächst ein Blick auf die Gesundheitslage der Generation Z – und auf die Frage, was wirklich dran ist an den gängigen Mythen rund um Arbeitsunlust und Ablehnung der ‚Hustle Culture‘ (Betriebsamkeitskultur; das Gegenteil von Work-Life-Balance).
 

Einstieg in die Arbeitswelt – spät, individuell, anspruchsvoll

Die Generation Z tritt aufgrund längerer Bildungs- und Ausbildungsphasen später ins Berufsleben ein. Diese verlängerte Jugend geht mit einem starken Streben nach Individualität und ideellen Werten einher. In einer vom Fachkräftemangel geprägte Arbeitswelt, verfügen viele über gute berufliche Wahlmöglichkeiten – was sich auch in selbstbewussten und anspruchsvollen Berufsanfänger*innen äußert. Doch gleichzeitig verunsichert die stetig steigende Komplexität der Berufswelt zunehmend und führt teils schon in Ausbildung oder Studium zu Überforderung und Rückschlägen.
 

Gesundheit der Generation Z – zwischen Kontrolle und Krisenerleben

Im Vergleich zu anderen Altersgruppen weist die Generation Z einen unterdurchschnittlichen Krankenstand auf. Dennoch fällt auf: Unter 30-Jährige sind häufiger, aber kürzer krank – ein Umstand, der in älteren Teams mitunter auf Unverständnis stößt. Insbesondere die Corona-Pandemie hat das Gesundheitsbewusstsein dieser Generation nachhaltig geprägt: Mehr als die Hälfte gibt an, seither im Umgang mit Infekten vorsichtiger zu sein.
In der digitalen Lebenswelt der Generation Z ermöglichen Handy und Smartwatches ein einfaches und allgegenwärtiges Gesundheitstracking – das unterstützt einen gesundheitsbewussten Lebensstil, kann aber auch zusätzlichen Stress durch übermäßige Selbstoptimierung erzeugen. In Zeiten multipler Krisen zeigt sich das vor allem psychisch: Zwar schätzen 55 % der 16- bis 29-Jährigen ihre körperliche Gesundheit als gut ein, aber nur 40 % beurteilen ihre mentale Gesundheit genauso. Jede*r Zehnte hält den eigenen psychischen Zustand sogar für schlecht.
 

Führungsverantwortung und Generationskonflikte im Berufsalltag

DAK-Vorstandschef Andreas Storm betont, dass Arbeitgeber*innen in der Verantwortung ste-hen, ein gesundes Miteinander zwischen den Generationen zu fördern. Gerade in älteren Teams empfinden die Jüngeren Generationskonflikte als stark belastend – im Erziehungsbe-reich sind dies sogar über 30 Prozent.
Ein Blick auf das Fachkräftebarometer Frühe Bildung unterstreicht die Relevanz: Die Zahl des Monats Juni 2025 lautet 58.183 – so viele Kita-Fachkräfte sind 60 Jahre oder älter, mehr als dreimal so viele wie noch 2014. Dieser Anstieg spiegelt zwar eine positive Entwick-lung im Sinne einer längeren Verweildauer im Berufsfeld wider, die jüngeren Altersgruppen wachsen jedoch deutlich langsamer nach. Die Zahl des Monats Juli lautet 72.737 und richtet den Blick wiederum auf die junge Generation: 72.737 Schüler*innen haben im Schuljahr 2023/24 die Ausbildung zur SPA oder Erzieher*in begonnen. Während die Zahl der Auszubildenden zur SPA um 6,7 % stieg, sank die der Erzieher*innen um 5 %.
Insgesamt zeigt sich in Kitas eine deutliche Verschiebung der Altersstruktur: Die mittlere Altersgruppe schrumpft zunehmend, während sowohl die Jüngeren (20–35 Jahre) als auch die Älteren (50–65 Jahre) seit 2006 stark gewachsen sind.
 

Was Generationen trennt – und was sie eint

Angesichts dieses Altersgefüges innerhalb der Teams ist es kaum verwunderlich, dass der Bereich der FBBE – ähnlich wie das Gesundheitswesen – zu den Branchen mit den häufigsten Generationenkonflikten gehört. Sozialwissenschaftler*innen betonen jedoch, dass viele dieser Spannungen weniger auf tatsächlichen Unterschieden beruhen, sondern vielmehr auf Klischees und pauschalen Zuschreibungen.
Denn es gibt vieles, das alle Generationen verbindet:

  • Alle Altersgruppen eint die Sorge um die politischen Entwicklungen und den gesellschaftlichen Zusammenhalt.
  • Rund 60 % aller Altersgruppen sagen: Ein gutes Verhältnis zu Kolleg*innen ist ihnen sehr wichtig.
  • Die Trennung von Beruf und Privatleben ist nicht nur der Generation Z (70 %), sondern auch der Ü50-Generation (67 %) wichtig.
  • An erster Stelle stehen jedoch für die Jüngeren eine unterstützende Führung, Arbeitsplatzsicherheit und Entwicklungsmöglichkeiten – Werte, die auch Ältere teilen.
  • Hinzu kommt bei den Älteren vor allem der Wunsch nach moderner Kommunikationstechnik.

Empirisch lassen sich also keine gravierenden Unterschiede in den Erwartungen der Genera-tionen belegen – vielmehr ist es entscheidend, durch offene Kommunikation und strukturelle Unterstützung eine generationenübergreifende Zusammenarbeit zu fördern. Dabei geht es weniger um das Alter an sich, sondern darum, eine wertschätzende Integration der (altersunabhängigen) Lebensphasen und individuellen Lebensereignisse in den Arbeitsalltag zu ermöglichen.


Age Diversity – Eine Chance für die FBBE

Während die ältere Generation eher vom Prinzip des „Durchhaltens“ geprägt ist, bringt die Generation Z ein neues Gesundheitsbewusstsein in die Arbeitswelt – insbesondere im Umgang mit psychischer Gesundheit. Sie geht offener mit Belastungen um, setzt verstärkt auf Prävention und Selbstfürsorge, um langfristige Probleme zu vermeiden.
Gerade im Bereich der Frühen Bildung, Betreuung und Erziehung ist das eine doppelte Chance: Denn selbstfürsorgende Fachkräfte stärken nicht nur die Teamgesundheit, sondern sind auch wichtige Vorbilder. Wer gut für sich selbst sorgt, kann auch Kindern ein gesundheitsförderndes Aufwachsen ermöglichen.
Das haben wir zum Beispiel im Qualitätsbereich 7 ‚Bei uns wird Gesundheit großgeschrieben‘ des PQ-Sys® aufgegriffen.


Hanna Häutle, Fachberaterin Ganztag