Der Fachbereich FBBE unterwegs auf der Bildungsmesse Didacta
Die jährlich stattfindende Bildungsmesse Didacta versammelte in diesem Jahr zahlreiche Besuchende in Stuttgart. Unter dem Motto “Demokratie braucht Bildung – Bildung braucht Demokratie!“ fanden sich u.a. pädagogische Fachkräfte, Kita-Leitungen, Studierende, Lehrer*innen und Schulleitungen in insgesamt fünf Hallen zusammen, um sich über aktuelle Themen und Materialien zu informieren und auszutauschen.
Nur wenige Ausstellende boten ein umfassendes Programm zum Motto der Messe an ihren Ständen an. Selbst die politischen Parteien, die erstmalig auf der Didacta vertreten waren, hatten nur wenige Botschaften zur Bedeutung der Demokratiebildung in Kindertageseinrichtungen und Schulen vorbereitet.
Zu den tatsächlichen Schwerpunkten zählten hingegen neue Entwicklungen in der Digitalisierung und KI sowie Konzepten in der sprachlichen Bildung. In diesem Zusammenhang begrüßten wir besonders die Botschaften einzelner Referent*innen, die sich zusammenfassend dafür aussprachen, „sich auf die eigenen Hände zu setzen“ und den Kindern durch qualitative Gespräche und Fragen zu ihren Bildungsprozessen bedeutende Selbstwirksamkeitserfahrungen zu ermöglichen. Britta Vorbach, Autorin und Akteurin in der Sprach- und Literacyvermittlung, sprach sich dafür aus, Kindertageseinrichtungen als Orte der Frühen Bildung mehr Anerkennung zu schenken: „Keiner fragt, ‘wie viele Minuten Bildung hast du heute gemacht?’“ In Kitas, Tagespflege und Ganztag sei jeder Moment ein Bildungsmoment.
In verschiedenen Podiumsgesprächen zum Thema Sprachbildung und Sprachförderung waren sich die Expert*innen einig darüber, dass neben einer gut implementierten alltagsintegrierten sprachlichen Bildung eine systematische und effektive Sprachförderung wichtig ist. Renate Zimmer hob hervor, dass beides nicht im Widerspruch zueinanderstehen sollte. Ein weiteres Thema der Diskussion war eine frühzeitige digitale Sprachstandserhebung für eine erfolgreiche Sprachförderung.
Hierfür braucht es laut Jenifer Ramberger von der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung ein Qualifizierungskonzept aus und Begleitung durch Fachberatungen. Stefan Spieker, Geschäftsführer von Fröbel e.V., unterstrich die Rolle der Kita, wenn es um die Vermittlung von Basiskompetenzen geht.
Die Zusammenarbeit mit den Familien und Eltern wurde mehrfach von den Expert*innen hervorgehoben, wenn es darum geht, Kinder in ihrer Sprachentwicklung zu unterstützen.
Hinsichtlich der Umsetzung der diskutierten Maßnahmen bestand allgemeiner Konsens darüber, dass die frühe Bildung denselben Stellenwert wie die Schulbildung haben müsse, um Kinder bestmöglich auf ihren nächsten Bildungswegabschnitt vorzubereiten.
Im Fachgespräch zum Stand der Kinderarmut in Deutschland wurden zunächst ernüchternde Zahlen präsentiert. Laut Anette Stein von der Bertelsmann Stiftung haben die Maßnahmen der letzten 20 Jahre zu keiner Veränderung zur Situation der betroffenen Kinder geführt. Weiterhin sei jedes fünfte Kind von Armut bedroht oder betroffen. Dr. Andy Schieler stellte Ergebnisse zur Studie Kitas 2. Klasse? Mehrfachbelastungen von Kitas mit Kindern aus sozioökonomisch benachteiligten Familien vor. Im Zusammenhang mit Kitas erklärte er, dass Kitas mit Kindern mit Fluchterfahrungen und sozioökonomischen Herausforderungen mehr personelle, materielle und fortbildende Ressourcen benötigen. Als hilfreiche Informations- und Entwicklungsquellen verwies er auf die Expertisen Maßnahmen der Länder zum Abbau von Benachteiligungen in der Kindertagesbetreuung(2023) und Gerechtigkeit von Anfang an - Ein Sozialindex für Kindertageseinrichtungen (2024) des PARITÄTISCHEN Gesamtverband.
Der Fachbereich FBBE ist nun um viele wichtige Informationen sowie Impulse reicher und freut sich darauf, diese mit den Mitgliedern in Zukunft zu teilen.
Lena Spiekermann und Geesje Franzen
