1. Deutsches Kita-Symposium diskutiert gerechtere Zugänge in die KiTa
Ein Rückblick auf das 1. Deutsche Kita-Symposium
Zugänge zur institutionellen Tagesbetreuung sind in vielen Regionen Deutschlands weiterhin nicht für alle Familien gerecht gestaltet. Ist das Angebot knapp, sind insbesondere Kinder und Familien in benachteiligten Lebenslagen von Exklusion betroffen: trotz eines vorhandenen Bedarfs erhalten sie aus unterschiedlichen Gründen keinen Kita-Platz. Wie können daher Zugänge ins System der Kindertagesbetreuung gerechter gestaltet und bestehende Benachteiligungen wirksam abgebaut werden? Diese Frage stand im Fokus des mit 300 Teilnehmer*innen ausgebuchten 1. Deutschen Kita-Symposiums, das in einem Kooperationsverbund aus dem Paritätischen Gesamtverband, der DKJS, Auridis Stiftung, ver.di und der BAG BEK in Berlin ausgerichtet wurde.
Eröffnet wurde das 1. Deutsche Kita-Symposium durch Staatsekretärin Mareike Wulff aus dem BMBFSFJ. Sie unterstrich die zentrale Rolle einer guten frühkindlichen Bildung für Chancengerechtigkeit und einen guten Start ins Leben. Doch trotz Rechtsanspruchs und verfügbarer Plätze sei aktuell kein Zugang für alle Kinder garantiert und daher sei die entscheidende Frage, wie dies zu ändern sei – hier sei sie gespannt auf die Ergebnisse des Symposiums. Denn: „Wir müssen genau die Kinder erreichen, die am meisten von frühkindlicher Bildung profitieren“. Mareike Wulff führte aus, dass der Bund mit den Mitteln für den Kita-Ausbau und das Qualitätsentwicklungsgesetz sich das Ziel gesetzt habe für gleichwertigere Lebensverhältnisse zu sorgen sowie die „Bildungs- und Entwicklungschancen aller Kinder zu verbessern. Die „demographische Rendite“ durch den Geburtenrückgang solle dabei jetzt für „die Konsolidierung und eine größere Krisenfestigkeit“ des aktuell unter großem Druck stehenden Kita-Systems genutzt werden. Grundlage für gute Qualität sei ein hohes Qualifikationsniveau von Fachkräften und auch Fachberater*innen.
Mit einer im Vorfeld bei den Teilnehmer*innen durchgeführten Vorabfrage führte das Moderator*innen-Duo Prof. Dr. Roswitha Sommer-Himmel (BAG-BEK) und Jens Hoffsommer (DKJS) näher in das Symposiums-Thema ein. Als Praxis-Ansätze für bessere Zugänge waren hier insbesondere die sozialräumliche Vernetzung und Kooperation oder auch aufsuchende Ansätze und eine direkte mehrsprachige Ansprache benannt worden. Weitere Aspekte waren aber auch die bessere mehrsprachige Information über die Bedeutung der frühkindlichen Bildung und die Anmeldung zur Kita sowie natürlich die grundsätzliche Verfügbarkeit und Erschwinglichkeit eines Kita-Platzes.
Zahlen belegen deutlichen KiTa-Gap
Aus wissenschaftlicher Perspektive beleuchtete im Anschluss Prof. Dr. Katharina Spieß, Direktorin beim Institut für Bevölkerungsforschung, die Problemlage und gab konkrete Handlungsempfehlungen. Sie stellte voran, dass Kitas kurz- bis langfristige positive Effekte für die kindliche Entwicklung und Bildung haben und dies insbesondere bei Kindern aus sozio-ökonomisch benachteiligten Familien oder solchen, die zuhause kein Deutsch sprechen. Kitas hätten zugleich eine positive Wirkung auf Eltern, beispielsweise durch die Vereinbarkeit von Familie und Beruf.
Klipp und klar konstatierte die Volkswirtschaftlerin aber einen „Kita-Gap“. So sei der ungedeckte Platzbedarf bei armutsgefährdeten Familien oder solchen mit Migrationshintergrund überproportional. Durchschnittlich würde jede fünfte Familie mit Kindern zwischen einem und drei Jahren keinen Kita-Platz bekommen, bei armutsgefährdeten Familien seien es hingegen rund ein Drittel und bei kumulierten Problemlagen sogar fast die Hälfte. Besonders hoch seien diese Ausschuss-Quoten in westdeutschen Flächenländern wie Rheinland Pfalz oder NRW.
Als Gründe dafür führte Katharina Spieß u.a. folgende aus:
- Mangelnde Verfügbarkeit
- (zu hohe) Kita-Gebühr
- (zu geringe) Kita-Qualität
- Nicht passende Öffnungszeiten
Wie sie anhand einer exemplarischen Studie aufzeigte, spiele aber auch Diskriminierung eine Rolle bei der Kita-Platz-Vergabe: So hätten bei gleichlautenden Anschreiben Eltern mit türkischem Namen weniger Antworten und Plätze auf ihre Bewerbung bekommen als solche mit deutschen Namen. Im Hinblick auf das Wissen über das deutsche Kita-System und die Anmeldung sei entscheidend, wie viele Kinder im migrantischen Netzwerk bereits in der Kita seien.
Um den Kita-Gap zu verringern, gab die Wissenschaftlerin folgende Handlungsempfehlungen:
- Wohnortnahe Angebote und gezielter Kita-Ausbau in Bedarfslagen
- Ganztagsangebote mit bedarfsgerechten Öffnungszeiten (beispielsweise auch für Schichtarbeiter*innen)
- (Mehrsprachige) Infos zur Kita und aktive Unterstützung bei der Anmeldung
- Zentrale Anmelde- und Vergabeverfahren
- Opt-out-Verfahren (d.h. jeder Familie wird automatisch ein Kita-Platz zugewiesen, den sie dann ggf ablehnen kann)
- Verbesserung der Kita-Qualität (auch im Hinblick auf den Umgang mit kultureller Vielfalt)
Für das sich in Vorbereitung befindende Qualitätsentwicklungsgesetz des Bundes empfahl Katharina Spieß einen zweistufigen Sozialindex, der einerseits auf den Sozialraum, aber auch ganz konkret auf die einzelne Kita bezogen sein sollte. So könne es gelingen, benachteiligte Kitas zu identifizieren und mit mehr Ressourcen auszustatten.
Demographischer Wandel als „Fluch und Segen“
In einer von Dr. Elke Alsago (ver.di) und Andreas Knoke-Wentorf (DKJS) moderierten Podiumsdiskussion mit Expert*innen der frühkindlichen Bildung wurde der Blick bei all den schlechten Nachrichten und Defiziten zunächst einmal auf aktuelle positive Entwicklungen gelenkt. Einig war sich das Podium, dass trotz der angespannten Situation die Fachkräfte in den Kitas höchst engagiert seien und dass ein (durchaus kontroverser) breiter öffentlicher Diskurs über die frühkindliche Bildung und so auch über gerechtere Zugänge geführt werde. Als „Fluch und Segen zugleich“ markierte Katja Kipping, Geschäftsführerin des Paritätischen Gesamtverband, den demographischen Wandel – einerseits biete er die Chance das System zu konsolidieren und Qualität und Chancengerechtigkeit weiterzuentwickeln, andererseits bedrohe er akut die Trägervielfalt.
Im Hinblick auf die derzeitige Ungerechtigkeit bei der Kita-Platzvergabe wurde insbesondere das Sensibilisieren von Trägern und Kita-Leitungen benannt. Wie Anne Revolvering, Vorsitzende der Geschäftsführung in der DKJS, ergänzte, „müssen wir Räume schaffen, wo die Vergabe gerecht funktioniert und es dann vergemeinschaften“. Best Practise böten dabei beispielsweise die mit dem Deutschen Kita-Preis ausgezeichneten Einrichtungen und Verbünde. Klar wurde aber auch: Das Thema muss durch den Druck von Eltern und durch ein „konzertiertes Hinweisen auf Missstände“ durch die Fach-Community in den Fokus der Politik gerückt werden. Hier müsse sich das von Katharina Spieß ausgegebene Motto „Da investieren wir rein, die Rendite kommt ganz sicher“ durchsetzen.
„Bildung muss am Kind und seiner Familie ansetzen“
Einig war sich das Podium auch im Hinblick auf die notwendige Qualität von Kitas, gerade auch im Umgang mit der zunehmenden Heterogenität. „Bildung“, so Prof. Dr. Nicole Klinkhammer aus dem BAG-BEK-Vorstand, „muss am Kind und seiner Familie ansetzen und ihre jeweiligen Kontexte und Bedarfe im Blick haben“. Wichtig sei dabei insbesondere auch eine Wertschätzung der Mehrsprachigkeit. Wertvolle Unterstützung könne in der Kita die Kita-Sozialarbeit leisten. „Als ideales Instrument“ für niedrigschwellige Zugänge und das „Mitnehmen von Kindern und Eltern“ hob Katharina Spieß zusätzlich die Familienzentren heraus.
Christine Behle, stellvertretende ver.di-Vorsitzende, wies auf die für gute Qualität notwendigen guten Rahmenbedingungen hin. „Aktuell können viele Fachkräfte den Bedarfen der Kinder nicht mehr gerecht werden“ sagte sie und daher brauche es mehr Personal, mehr Weiterbildung und mehr Zeit für das einzelne Kind: „Zeit ist der limitierende Faktor für jede Qualitätsentwicklung“ schloss sich Katja Kipping an.
Andiskutiert wurde in der Podiumsrunde, ob eine Kita-Pflicht ab vier oder fünf Jahren ein Ansatzpunkt für das Erreichen aller Kindern sein könnte. Skeptisch zeigte sich hier u.a. Katharina Spieß, da die Umsetzung einer Kita-Pflicht „verfassungsmäßig schwierig ist“ und das Problem der fehlenden Zugänge auch mehr in den ersten drei Jahren bestehe.
Nach der Podiumsdiskussion wurden auf dem Symposium in acht verschiedenen Workshops die Frage der (un)gerechten Zugänge zur Kita auf einem breiten Spektrum weiter diskutiert – von der Kita-Platz-Vergabe über qualifizierte Fachkräfte und diverse Teams bis zur Vernetzung und Kooperation im Sozialraum.
Strukturelle und individuelle Diskriminierung
In den Blick genommen wurde aber auch, wie sich diskriminierende und rassistische Zugangshürden erkennen und beseitigen lassen. Im Gespräch mit Workshop-Moderatorin Judith Strohm machte Dr. Seyran Bostanci, Geschäftsführerin der Schwarzkopf-Stiftung Junges Europa, klar, dass es in Deutschland strukturelle Zugangshürden für Familien mit Migrationshintergrund gebe – und gleichzeitig hätten diese oftmals „hohe Bildungsaspirationen“. Auch Diskriminierung komme in den Kitas nicht selten vor, „wenn auch häufig ohne bösen Willen“. Dafür machte die promovierte Soziologin insbesondere eine „fehlende Vielfalts-Kompetenz in Kita-Teams“ verantwortlich. Eine zentrale Stellschraube sei hier die Sensibilisierung und Förderung der Reflexivität von Kita-Leitungen. Es gehe dabei nicht um richtig oder falsch, sondern um die Frage „Wie wollen wir als Gemeinschaft gut miteinander auskommen?“ Der Umgang mit Vielfalt in der Kita sollte dabei auch als Querschnittsthema bei der Organisationsentwicklung berücksichtigt werden.
Wie Eltern mit Migrationshintergrund das System erleben, beleuchtete im Workshop anschließend Dr. Zeynep Sezgin Radandt vom Bundeselternnetzwerk der Migrantenorganisationen für Bildung & Teilhabe (bbt). Sie wies auf eine häufig fehlende Verständlichkeit der Informationen rund um Kita und Anmeldung hin und konstatierte eine Unsicherheit von migrantischen Eltern im Umgang mit Kitas: Was wird von mir erwartet? Wie offen darf ich sprechen? Eine große Hürde bilde des Weiteren die Sprache, da deutsche Kitas häufig monolingual und defizitorientiert ausgerichtet seien. Die Folge seien „Entmutigung und Rückzug“ sowie das „Gefühl von Nicht-Zugehörigkeit“.
Kinder brauchen „Minderheitenschutz“ und „radikale Partizipation“
Der zweite Symposiums-Tag begann mit einem Vortrag von Prof. Dr. Sebastian Kurtenbach, der als Mitautor des Buches „Kinder – Minderheit ohne Schutz“ bekannt geworden ist und an der FH Münster Politikwissenschaften und Sozialpolitik lehrt. Auf geradezu erschütternde Weise skizzierte er eine demographische, demokratische und sozialstaatliche Schieflage in unserer Gesellschaft – mit der Folge einer „strukturell schwachen Position von Kindern“. Und daher, so der Wissenschaftler, „kommen Kinder nicht vor, wenn es darum geht, Entscheidungen zu treffen“. Entscheidungen würden vielmehr aktuell von Menschen getroffen, die sie nicht mehr umsetzen müssen bzw. ihre Folgen nicht mehr erleben. Heute gebe es nur noch 13 Millionen Eltern mit einem oder mehreren Kindern unter 18 Jahren, dagegen aber beispielsweise 22 Millionen ADAC-Mitglieder – und entsprechend würden Eltern und ihre Kinder in gesellschaftlichen Verteilungskämpfen den Kürzeren ziehen. In einer dramatisch alternden Gesellschaft bräuchten sie daher dringend einen „Minderheitenschutz“ und eine „radikale Partizipation“. Zudem sollten die Kinderrechte in das Grundgesetzt aufgenommen werden.
Sebastian Kurtenbach zeigte auf, dass schon Ende dieses Jahrzehnts zwei Drittel der zur Verfügung stehenden Bundesmittel für Rente und Rüstung ausgegeben würden – und zugleich befinde sich das Bildungssystem „im freien Fall“ mit steil abfallenden Kompetenzen von Kindern und Jugendlichen sowie einer hohen Schulabbrecher-Quote. In diesem Sinne sei in der jungen Generation schon ein bedenklicher Zukunftspessimismus zu spüren.
Mit dem Blick auf die institutionelle Kindertagesbetreuung konstatierte er „einen massiven Ausbau unter einer Verwertbarkeitslogik“. Kindheit sei heute institutionalisiert und „extrem fragmentiert“ im Hinblick auf z.B. Ressourcenausstattung, Lebenswelt oder Freiräume. Angesichts einer superdiversen Kindheit gebe es zudem heute „keine Normalität mehr“.
Der Wissenschaftler und Buchautor warnte jedoch davor zu glauben, dass mehr Geld und eine weitere Ausdifferenzierung der Betreuungs- und Präventivsysteme die Lösung seien: „Institutionen helfen nicht, sondern nur Beziehungsarbeit“. Kinder müssten in den Mittelpunkt gestellt und von achtsamen Erwachsenen begleitet werden. Der entscheidende Lackmustest sei das Wohlbefinden von Kindern – denn damit steige auch ihre Lern- und Leistungsbereitschaft.
Vision: Bildungscampus für jedes Quartier
Abschließend präsentierte Sebastian Kurtenbach den Teilnehmer*innen seine Vision von einem „Bildungscampus für jedes Quartier“, auf dem vorhandene Einrichtungen gebündelt und mit einem strikten „Kooperations- und Zukunftsgebot“ das Kind in den Mittelpunkt gestellt werden sollte. Hier könne dann auch das „Boomer-Potenzial“ für das Ehrenamt genutzt werden.
In einer sich anschließenden und von Dr. Elke Alsago (ver.di) und Niels Espenhorst (Paritätischer Gesamtverband) moderierten zweiten Podiumsdiskussion erörterten Vertreter*innen aus Bund, Land und Kommune sowie Politik und Wissenschaft gemeinsam die Frage, wie die Zugänge in das Kita-System gerechter gestaltet werden können.
Wackelige Verantwortungsgemeinschaft aus Bund, Ländern und Kommunen
Johannes Albig, Staatssekretär im Ministerium für Soziales, Jugend, Familie, Senioren, Integration und Gleichstellung in Schleswig-Holstein, konnte für sein Land berichten, dass hier die demographische Rendite im Kita-System verbleiben wird. Sie soll für eine Verbesserung der Rahmenbedingungen, die Implementation der neuen Bildungsleitlinien sowie die gezielte Förderung von Familienzentren genutzt werden.
Mit dem Rücken zur Wand steht hingegen im Hinblick auf die Kita-Finanzierung die Stadt Leipzig, so Bürgermeisterin Vicki Felthaus. Leipzig habe massiv ausgebaut, garantiere jedem Kind einen 9-Stunden-Platz und übernehme für 10.000 Kinder aus sozio-ökonomisch benachteiligten Familien die Gebühren. Zudem habe Leipzig auf die Entwicklung von Familienzentren insbesondere in den benachteiligten Quartieren gesetzt, um niedrigschwellige Zugänge anzubieten. Doch Leipzig müsse mittlerweile 60% der Kita-Kosten selber tragen und das Land spare die demographische Rendite einfach ein. Aufgrund des gewaltigen Geburteneinbruchs, der eigentlich eine Chance zur Qualitätsentwicklung sei, müssten nun schon Kitas geschlossen werden. Fast verzweifelt klagte sie: „Ich kann Kitas und den Kinderschutz nicht je nach Kassenlage entwickeln!“
Gewohnt kämpferisch und erfrischend setzte sich die LINKEN-Vorsitzende Heidi Reichinnek so auch für eine bessere Grundfinanzierung der frühkindlichen Bildung ein. Der Bund trage nur 2-3 Milliarden der jährlich 50 Milliarden-Ausgaben für Kita und „macht sich da einem schmalen Fuß“. Zugleich würden die Länder sich gesund sparen und die teilweise hoffnungslos verschuldeten Kommunen im Regen stehen lassen. Angesichts der Debatte um verpflichtende Sprach- und Entwicklungsstand-Diagnostik warnte sie vor einer „Verwertungslogik in den Kitas“.
Unter dem Aspekt der Chancengerechtigkeit bekräftigte Dr. Stefan Luther, Abteilungsleiter im BMBFSJF, die verbindlich vorgesehene Feststellung von Sprach- und Entwicklungsständen in den Kitas im Rahmen des Qualitätsentwicklungsgesetzes – „um Kinder besser fördern zu können und kein Kind zurückzulassen“.
Kindliches Wohlbefinden als Grundlage
Dr. Seyran Bostanci konterte, dass aktuell in den Kitas schlicht die Zeit fehle, um mit einzelnen Kindern in den Dialog und die sprachförderliche Interaktion zu gehen – und dies treffe besonders Kinder mit einer anderen Muttersprache als Deutsch. Sie rückte das Wohlbefinden der Kinder als Grundlage von Bildungsprozessen in den Fokus. Daher gelte es Diskriminierung und Ausschluss zu vermeiden. Sie erzählte in berührender Weise von ihrem eigenen bilingualen Aufwachsen in Kreuzberg: „Hätte man mich mit vier Jahren getestet, hätte ich wahrscheinlich kein Wort Deutsch gesprochen und mich danach stigmatisiert und ausgeschlossen gefühlt.“ Mehrsprachigkeit müsse daher in der Kita unbedingt wertgeschätzt werden – dafür bekam sie viel Zustimmung auf dem Podium und Applaus aus dem Plenum.
Im Resümee plädierten die Diskutant*innen dafür mit dem „Ping Pong-Spiel zwischen Bund, Ländern und Kommunen“ aufzuhören und zu gemeinsamen Lösungen zu kommen. Dabei müsse auch die Wirtschaft mit ins Boot geholt werden. „Wir müssen in Allianzen denken, „damit es den Kindern in unserer Gesellschaft gut geht!“ sagte Sebastian Kurtenbach.
Ping-Pong-Spiel beenden und gemeinsam voranschreiten
In einer Abschlussrunde konnten die Veranstalter*innen auf ein sehr gelungenes 1. Deutsches Kita-Symposium zurück- und auf die nächsten Schritte vorausblicken: „Wir müssen die Ergebnisse der Tagung jetzt aufbereiten, analysieren und Perspektiven entwickeln. Gemeinsam müssen wir die Deutungshoheit gewinnen und klar machen, dass frühkindliche Bildung eine sich vielfach auszahlende Investition in unsere Zukunft ist“, so Prof. Dr. Petra Strehmel, Vorsitzende der BAG-BEK. In diesem Sinne gilt es den positiven Rückenwind aus der Veranstaltung zu nutzen und als schlagkräftiger Kooperationsverbund am Ball zu bleiben – und vielleicht auch schon ein 2. Deutsches Kita-Symposium zu planen.
Autor: Karsten Herrmann
Dieser Bericht erschien zuerst auf der Seite der BAG BEK.
