Das 1. Deutsche Kita-Symposium am 4. und 5. Mai 2026 hat eindrücklich gezeigt, dass die Frage gerechter Zugänge zu Angeboten der frühen Bildung, Betreuung und Erziehung zu den zentralen sozial- und bildungspolitischen Herausforderungen unserer Zeit gehört. Denn bei der Platzvergabe gehen nach wie vor die Familien häufiger leer aus, die bereits benachteiligt sind und deren Kinder besonders von einer hochwertigen Kindertagesbetreuung profitieren. Sie stoßen an Hürden, die strukturell verankert sind, bundesweit bestehen und entschlossenen abgebaut werden müssen. Die im Nachgang zum Kita-Symposium veröffentlichte Abschluss-Erklärung der Veranstalter fast die wichtigsen Punkte der Veranstaltung zusammen.
Die folgenden Punkte fassen die wesentlichen Erkenntnisse und den daraus resultierenden Handlungsbedarf zusammen.
Transparente und gerechte Kitaplatzvergabe sicherstellen
Auf kommunaler Ebene müssen transparente, diskriminierungsfreie und sozial ausgleichende Anmelde- und Vergabeverfahren etabliert werden, die insbesondere Familien mit erhöhtem Unterstützungsbedarf adressieren und systematisch berücksichtigen.
Fachkräfte stärken und Vielfalt fördern
Gerechte Zugänge setzen zwingend hervorragend qualifizierte, divers zusammengesetzte Fachkräfteteams voraus, weshalb der Ausbau von Fachberatung, Aus-, Fort- und Weiterbildungskapazitäten, bessere Arbeitsbedingungen und gezielte Diversitätsstrategien notwendig sind.
Ethische Leitlinien und pädagogische Standards
Ein grundlegendes ethisches Verständnis, dass alle Kinder und ihre Eltern sowie die Fachkräfte sich willkommen fühlen sollen, ist auf Träger- und Einrichtungsebene zu verankern. Dies ist eine zentrale Voraussetzung, um gerechte Zugänge zu gewähren, die auf allen pädagogischen Ebenen sichtbar werden.
Diskriminierung erkennen und konsequent abbauen
Um strukturelle Benachteiligung abzubauen, müssen diskriminierende Praktiken erkannt, systematisch erfasst und durch verbindliche Antidiskriminierungsstrategien sowie Qualifizierungsmaßnahmen abgebaut werden.
Frühe Hilfen und Kitas besser verzahnen
Die Zusammenarbeit zwischen Frühen Hilfen und Kindertagesbetreuung muss verbindlich gestärkt werden, um alle Familien frühzeitig zu erreichen und die Übergänge ins System niedrigschwellig zu gestalten.
Demographischen Wandel aktiv gestalten
Der demographische Wandel erfordert differenzierte, regional angepasste Strategien, um sowohl in wachsenden als auch in schrumpfenden Regionen bedarfsgerechte und gerechte Zugänge sicherzustellen.
Sozialräume stärken und Eltern erreichen
Eine stärkere sozialräumliche Vernetzung von Kitas mit weiteren Akteuren ist notwendig, um Familien bedarfsgerecht anzusprechen, Vertrauen aufzubauen und Zugänge insbesondere für bislang schwer zu erreichende Gruppen zu verbessern.
Inklusion für Kinder mit Behinderung sichern
Für Kinder mit Behinderung müssen inklusive Strukturen gestärkt und individuelle Unterstützungsbedarfe zuverlässig abgesichert werden, damit ihr Recht auf Teilhabe nicht vom Wohnort oder vorhandenen Ressourcen abhängt.
Kindertagespflege als Zugangsbrücke nutzen
Die Kindertagespflege sollte gezielt weiterentwickelt und gestärkt werden, um als flexibles und niedrigschwelliges Angebot insbesondere für bislang unterversorgte Familien den Zugang zur frühkindlichen Bildung, Betreuung und Erziehung wirksam zu verbessern.
Die Diskussionen beim Kita-Symposium machen deutlich: Gerechte Zugänge entstehen nicht von selbst – sie müssen politisch gewollt, strukturell abgesichert und fachlich kontinuierlich weiterentwickelt werden. Ein KiTa-Angebot für alle Kinder braucht ein Zusammenspiel aus verlässlichen Rechtsansprüchen, qualitativ hochwertigen Strukturen und gezielter Ansprache benachteiligter Gruppen. Nur wenn es gelingt, das bestehende System konsequent inklusiv auszugestalten, kann frühkindliche Bildung, Betreuung und Erziehung ihren Beitrag zu Chancengerechtigkeit und gesellschaftlichem Zusammenhalt leisten.