Am 15. April 2026 fand die Abschlussveranstaltung des Projekts „Digitale Teilhabe stärken: Modellprojekt für barrierefreie Apps in der Selbsthilfe" statt. Das Projekt ist ein zukunftsweisendes Vorhaben des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes in Zusammenarbeit mit dem Technologiepartner vmapit GmbH und finanziert durch die Aktion Mensch Stiftung. Es verfolgt das zentrale Ziel, die digitale Teilhabe von Menschen mit Behinderungen und chronischen Erkrankungen zu stärken und die Selbsthilfe zukunftsfest zu machen.
Die digitale Abschlussveranstaltung versammelte über 100 Teilnehmende aus Selbsthilfeorganisationen, Politik, Wissenschaft und Wirtschaft. In Podiumsdiskussionen und einem wissenschaftlichen Vortrag wurden zentrale Erkenntnisse aus der Projektarbeit diskutiert. Dabei standen vier Aspekte im Mittelpunkt und prägten die Veranstaltung.
Erkenntnisse aus der Veranstaltung
1. Digitale Teilhabe ist gesellschaftliche Teilhabe
In einer zunehmend digitalen Welt entscheidet digitale Barrierefreiheit darüber, wer teilhaben kann und wer ausgeschlossen wird. Digitale Barrieren schränken auch das analoge Leben ein. Digitale Barrieren sind nicht nur ein technisches Problem – sie sind Zugangssperren zum realen Leben: zu Gesundheit, Arbeit, Partizipation, Gemeinschaft und Selbstbestimmung.
2. Mitbestimmung
Gesetze und Standards reichen nicht aus, um digitale Barrieren abzubauen. Menschen mit Behinderungen müssen ihre Expertise einbringen können und echte Mitspracherechte haben. Das Projekt zeigt: Partizipation von Nutzenden, die digitale Anwendungen und Angebote testen, führt zu besseren Lösungen und höherer Nutzerzufriedenheit. Dies wird durch die App „bvkm aktiv" eindrucksvoll bewiesen, die beim Bundesteilhabepreis 2025 den 2. Platz belegte. Bundesministerin Bärbel Bas lobte bei der Verleihung besonders den partizipativen Entwicklungsansatz. Eine 13-köpfige Prüfgruppe aus Menschen mit verschiedenen Formen der Beeinträchtigung half dabei, verschiedene Barrieren abzubauen und sicherte damit die Qualität und den Zugang zu den App-Funktionen.
3. Partizipation und Barrierefreiheit bei der Entwicklung von digitalen Angeboten strukturell verankern
Partizipation ist keine projektgebundene Aufgabe, sondern muss in Unternehmen, Organisationen und Vereinen strukturell verankert sein. Hierfür bedarf es dauerhafter Ressourcen. Das gleiche Prinzip gilt für Barrierefreiheit: Sie muss von Anfang an Teil der Planung und Umsetzung sein – nicht als optionales Add-on, das nachträglich hinzugefügt wird.
4. Zusammenarbeit führt zum Erfolg
Digitale Barrierefreiheit ist keine isolierte Aufgabe, sie braucht den Austausch zwischen verschiedenen Perspektiven. Technologie, Wissenschaft, Zivilgesellschaft und Menschen mit Behinderungen müssen zusammenarbeiten. Das erfordert gegenseitiges Verständnis für unterschiedliche Sichtweisen, Möglichkeiten und Bedarfe von Organisationen. Das Projekt zeigt: Wenn diese unterschiedlichen Expertisen zusammenkommen, werden Barrieren erfolgreich und nachhaltig abgebaut.
In der beigefügten Chat-Gewitter-Grafik lassen sich die Erkenntnisse konkret nachverfolgen – entstanden aus den Rückmeldungen der Teilnehmenden.
Bedeutung für die Zukunft
Barrierefreiheit passiert nicht von selbst, sie braucht bewusste Entscheidungen, Zeit, Ressourcen und kontinuierlichen Austausch zwischen allen Beteiligten. Auch das hat das Projekt deutlich gezeigt: Zivilgesellschaft braucht Unterstützung. Organisationen der Selbsthilfe müssen beim digitalen Wandel aktiv unterstützt werden – durch eine auskömmliche Förderung, Beratung und strukturell verankerte, unterstützende Rahmenbedingungen.
Schnell entscheiden und jetzt noch mitmachen!
Das Projekt läuft noch bis zum 15. Mai 2026. Interessierte Selbsthilfeorganisationen sind herzlich eingeladen, sich noch zu beteiligen und ihre eigene barrierefreie App zu realisieren. Ob für Vernetzung, Informationsvermittlung oder Community-Austausch – mit dem Projekt erhalten Organisationen professionelle Unterstützung bei der Entwicklung einer App. Weitere Informationen und Kontaktdaten finden Sie auf der dazugehörigen Projektwebsite.
Eine neue Plattform – die „Selbsthilfe Parität" App
Die neue „Selbsthilfe Parität" App richtet sich an die bundesweit aktiven Selbsthilfeakteur*innen, die im Paritätischen organisiert sind. Sie hilft, in dem bestehenden Netzwerk Wissen zu bündeln, ermöglicht Austausch und Information. Nutzer*innen bleiben immer auf dem aktuellsten Stand der Neuigkeiten rund um die Selbsthilfe im Paritätischen. Weiter Informationen zur App finden Sie hier: „Selbsthilfe Parität" App .
Alle weiteren im Projekt entwickelten Apps finden Sie auf der folgenden Übersichtsseite.
