Vernetzt in Warnemünde: Soziale Einrichtungen stärken Klimaanpassung

Beim Vernetzungsworkshop zur Klimaanpassung am 3. Juli 2025 in Warnemünde kamen Fachkräfte aus sozialen Einrichtungen, Wohlfahrtsverbänden und dem Umwelt- und Gesundheitsbereich zusammen, um gemeinsam Antworten auf eine der drängendsten Fragen unserer Zeit zu finden: Wie können soziale Einrichtungen dem Klimawandel begegnen – und dabei besonders verletzliche Menschen schützen?

Hitzetage, Extremwetter, Gesundheitsrisiken – der Klimawandel ist längst in den Einrichtungen der Sozialen Arbeit angekommen. Beim ganztägigen Workshop zur Klimaanpassung wurde deutlich: Es braucht konkrete Maßnahmen, strategisches Denken und gute Vernetzung, um dieser Herausforderung professionell zu begegnen.

Klimakrise und Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit

Den Auftakt machte Saban Omer Oglou, Leiter des Gesundheitsamtes (Wismar) und Facharzt u.a. für Umweltmedizin, mit einem eindringlichen Impuls über die gesundheitlichen Auswirkungen der Klimakrise. Besonders vulnerable Gruppen wie ältere Menschen, Menschen mit Vorerkrankungen oder wohnungslose Personen sind von steigenden Temperaturen betroffen. Die Botschaft war klar: Klimaanpassung ist aktiver Gesundheitsschutz.

Risiken erkennen – gezielt handeln

Janina Yeung vom Paritätischen Gesamtverband erläuterte, wie Einrichtungen mit einfachen Schritten eine Betroffenheitsanalyse durchführen können – mit Tools wie dem digitalen Hitzeatlas oder Hochwasser-Check für die Standortanalyse, einer Analyse der Gebäude und Außenanlagen auf Schwachstellen sowie einer Vulnerabilitätsprüfung. In der anschließenden Gruppenarbeit entwickelten die Teilnehmenden sogenannte Personas, um sich besser in die Lage gefährdeter Menschen hineinzuversetzen und passgenaue Maßnahmen zu entwickeln.

Soziale Arbeit und Klimaanpassung – das gehört zusammen

Lisa Dörfler vom Paritätischen Gesamtverband machte deutlich: Die Soziale Arbeit steht in der Verantwortung, gesellschaftliche Veränderungen mitzugestalten – das gilt auch für die Klimakrise. Neben organisatorischen Anpassungen wie Hitzeschutzplänen und Fortbildungen braucht es politische und strukturelle Unterstützung – etwa durch einen politischen Auftrag im Bereich der Katastrophenhilfe oder die Verankerung der Themen im Studium Sozialer Arbeit.

Was tut das Land? Überblick zu Gesetz, Strategie und Fachstellenarbeit

André Schumann vom Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie M-V gab einen umfassenden Einblick in die Klimapolitik des Landes. Neben dem aktuellen gesundheitsbezogenen Hitzeschutzplan Mecklenburg-Vorpommern stellte er die Erarbeitung des Landesklimaschutzgesetzes M-V sowie die geplante Klimaanpassungsstrategie samt Zeitplan vor.

Im Mittelpunkt stand außerdem die Arbeit der Fachstelle Klimawandel und Klimaanpassung. Ihre Aufgaben sind vielfältig und zentral für die Umsetzung im Land:

  • Regionalisierung und Aufbereitung von Klimadaten
  • Bewertung klimabedingter Risiken und Folgen für Mensch, Umwelt und Infrastruktur
  • Entwicklung konkreter Maßnahmen zur Klimaanpassung
  • Aufbau eines Monitoringsystems zur Erfassung von Klimafolgen und zur Bewertung der Wirksamkeit von Anpassungsmaßnahmen
  • Begleitung wissenschaftlicher Forschungsprojekte
  • Beratung und Unterstützung von Kommunen, insbesondere bei der Erstellung kommunaler Klimaanpassungskonzepte

Fördermöglichkeiten – konkret und praxisnah

Stefanie Beitz vom Leea M-V präsentierte eine Auswahl an Fördermöglichkeiten – etwa über die Richtlinie „Klimaanpassung in sozialen Einrichtungen“ (AnpaSo). Die kostenfreie Förderberatung unterstützt auch soziale Träger bei der Suche nach dem passenden Förderprogramm.

Praxisideen und Sofortmaßnahmen

Zum Abschluss entwickelten die Teilnehmenden gemeinsam erste Anpassungsmaßnahmen für ihre Einrichtungen – von Warn-Apps auf Diensthandys, über Wasserspender bis hin zur regelmäßigen Messung der Körpertemperatur bei gefährdeten Bewohner*innen. Aber auch langfristige Strategien waren Thema: Die Nebenwirkungen von Medikamenten bei Hitze in Beipackzettel aufnehmen, Personalstellen im Bereich Hitzeschutz und Klimaanpassung oder Weiterbildungen in allen Fachbereichen.

Fazit:

Der Workshop zeigte eindrucksvoll: Klimaanpassung ist kein Luxus, sondern eine Notwendigkeit – gerade in sozialen Einrichtungen. Mit einfachen Maßnahmen, wie dem Bereitstellen von Trinkwasser, dem Aufstellen einer Belastungskarte oder Sensibilisierung durch die Betriebsärztin, kann viel erreicht werden. Was es darüber hinaus braucht: politische Rückendeckung, gute Förderprogramme und lokale Unterstützung.

Weitere Informationen und Materialien, wie unser Leitfaden zur Klimaanpassung:

 www.klimaanpassung-sozial.de

Weitere Vernetzungsworkshops zur Klimaanpassung:

Am 23. September in Potsdam und am 25. September in Nürnberg.

Ein weiterer Termin folgt im November in NRW.