Verbändebündnis kritisiert Deutsche Bahn: Bahncard-Pläne grenzen Millionen Offliner aus

Mit einem offenen Brief fordert der Paritätische Gesamtverband gemeinsam mit 27 weiteren Verbänden die Deutsche Bahn auf, den analogen Zugang zur BahnCard zu gewährleisten. Die Verbände reagieren auf die Ankündigung der Deutschen Bahn, die BahnCard ab dem 9. Juni 2024 ausschließlich in digitaler Form auszugeben.

Bereits seit Oktober letzten Jahres wurde der Zugang zu Sparpreis-Tickets eingeschränkt: Am Schalter können diese nicht mehr ohne Angabe personenbezogener Daten, wie E-Mail-Adresse oder Mobilnummer, gekauft werden. Bei der BahnCard ist die Einschränkung nun noch stärker: Selbst die analoge Alternative, die von der Bahn weiterhin angeboten wird, ist nur mit Kundenkonto erhältlich, für das eine Mailadresse erforderlich ist.

Mit dieser Entscheidung wird ein großer Teil der Bevölkerung, der das Internet nicht nutzt, von Angeboten der Deutschen Bahn ausgegrenzt. Darauf weist der Paritätische Wohlfahrtsverband mit 27 weiteren Verbänden in einem offenen Brief an den Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bahn, Dr. Richard Lutz, hin.

Das Verbändebündnis gibt zu bedenken, dass mehr als drei Millionen Menschen in Deutschland kein Internet nutzen und daher auf analogen Zugang zu den Mobilitätsangeboten der Deutschen Bahn angewiesen sind. Unter den über 80-Jährigen sind es zwei von drei Menschen, die überhaupt kein Internet nutzen.

Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbandes erklärt dazu: “Wir fordern die Deutsche Bahn auf, Bahncard und Spartickets allen Menschen zugänglich zu machen - unabhängig davon, ob sie das Internet nutzen oder nicht.“

Um Mobilität für alle zu gewährleisten, müssen die Dienstleistungen und Angebote der Deutschen Bahn auch an barrierefreien Service-Schaltern angeboten werden und dies nicht nur in den Bahnhöfen der Großstädte. Über Änderungen bei den Dienstleistungen und Angeboten muss es, anders als bei der angekündigten Digitalisierung der BahnCard, zudem frühzeitige, vollständige und verständliche Informationen für Verbraucherinnen und Verbraucher geben. Im Vorfeld der Entscheidungen sollten Betroffenen- und Verkehrsverbände einbezogen und befragt werden.  

Den unterzeichnenden Organisationen geht es nicht darum, digitale Angebote gänzlich abzulehnen, wie sie betonen. Es gehe ihnen um die Ungleichbehandlung von On- und Offlinern so Schneider: “Es kann nicht sein, dass Millionen Menschen, die aus welchen Gründen auch immer das Internet nicht nutzen wollen oder können, systematisch benachteiligt werden von der Deutschen Bahn.” Die Bahn sei ein wichtiges Verkehrsmittel, das allen im gleichen Umfang zur Verfügung stehen sollte, auch älteren Menschen.

Der offene Brief wurde von der BAGSO – Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenorganisationen, dem Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverband (DBSV), dem Verkehrsclub Deutschland e.V. (VCD) und dem Paritätischen Gesamtverband initiiert. Der Brief kann hier heruntergeladen werden: www.der-paritaetische.de/offener-brief-an-die-deutsche-bahn