Dokumentation Klimakrise und psychische Resilienz: Gemeinsam handlungsfähig bleiben

Wie wirkt sich die Klimakrise auf unsere psychische Gesundheit aus? Welche individuellen und kollektiven Strategien helfen dabei, auch unter den Bedingungen zunehmender ökologischer Krisen handlungsfähig zu bleiben? Und welche Rolle spielen soziale Organisationen bei der Stärkung von Resilienz? Diesen Fragen widmete sich die Präsenzveranstaltung „Klimakrise und psychische Resilienz“ am 9. Juni 2026 im Global Village Berlin. Eingeladen hatten der Paritätische Gesamtverband mit dem Projekt „WIRksam: Gemeinsam Nachhaltigkeit gestalten“ sowie die Deutsche Allianz Klimawandel und Gesundheit (KLUG). Fachkräfte aus sozialen Organisationen, Verbänden und Initiativen kamen zusammen, um wissenschaftliche Erkenntnisse, praktische Erfahrungen und konkrete Ansätze zur Förderung von Resilienz im Kontext der Klimakrise zu diskutieren.

Klimakrise als gesellschaftliche und psychische Herausforderung

Zum Auftakt der Veranstaltung begrüßten Katja Kipping, Geschäftsführerin des Paritätischen Gesamtverbands und Leiterin der Abteilung Soziales, Europa und Klima, sowie Max Bürck-Gemassmer, Arzt für Allgemeinmedizin und stellvertretender Vorsitzender von KLUG, die Teilnehmenden. Im Mittelpunkt des Eröffnungsgesprächs standen persönliche und professionelle Erfahrungen mit den Auswirkungen der Klimakrise. Gemeinsam wurde darüber diskutiert, wo die Klimakrise bereits heute im Arbeitsalltag sozialer Organisationen sichtbar wird, welche emotionalen Belastungen daraus entstehen und welche Voraussetzungen Fachkräfte benötigen, um psychisch gesund und handlungsfähig zu bleiben.

In der Diskussion wurde deutlich, dass bestehende Infrastrukturen häufig nicht ausreichend auf die Herausforderungen einer sich zuspitzenden Klimakrise vorbereitet sind. Gleichzeitig wurde betont, dass nachhaltige Lösungen nur gemeinsam mit den betroffenen Menschen entwickelt werden können. Neben finanziellen Ressourcen für energetische Sanierungen brauche es vor allem Zeit und Möglichkeiten für Beteiligung und partizipative Prozesse. Resilienz entstehe dort, wo Probleme gemeinsam analysiert und Lösungswege zusammen entwickelt werden.

Psychische Gesundheit in Zeiten ökologischer Krisen

Den ersten Fachimpuls hielt die Psychologin Katharina van Bronswijk von Psychologists/Psychotherapists for Future. Unter dem Titel „Resilienz in der Krisenpermanenz – Klimaangst, Verschwörungserzählungen oder Coping?“ stellte sie aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse zu den psychischen Auswirkungen der Klimakrise vor.

Anhand verschiedener Krisenfolgen verdeutlichte sie, wie eng ökologische Veränderungen und psychische Gesundheit miteinander verbunden sind. Naturkatastrophen wie die Ahrtalflut oder Hurrikan Katrina können nachweislich langfristige psychische Belastungen nach sich ziehen, darunter Posttraumatische Belastungsstörungen, Depressionen, Angststörungen, Suchterkrankungen oder Somatisierungsstörungen. Entscheidend sei dabei nicht allein die Schwere des Ereignisses, sondern auch die Frage, welche Unterstützungs- und Auffangsysteme den Betroffenen zur Verfügung stehen. Daraus leite sich die Notwendigkeit ab, Gesundheits- und Versorgungssysteme krisenfester und flexibler zu gestalten, etwa durch erleichterte Zugänge zu therapeutischen Angeboten oder digitale Behandlungsmöglichkeiten.

Auch die zunehmende Hitzebelastung wirkt sich auf die psychische Gesundheit aus. Höhere Temperaturen können Schlafstörungen, erhöhte Aggressivität sowie eine steigende Suizidalität begünstigen. Zudem verschärfen sie bestehende Erkrankungen wie Demenz, bipolare Störungen oder Schizophrenie und können Wechselwirkungen mit Medikamenten hervorrufen.

Weitere Risiken entstehen durch Luftverschmutzung, die insbesondere die Gehirnentwicklung von Kindern beeinträchtigen kann und mit einem erhöhten Risiko für Erkrankungen wie ADHS oder Autismus in Verbindung gebracht wird. Auch Mangelversorgung und die Ausbreitung von Vektorerkrankungen wirken sich auf Gesundheit und Lebensqualität aus und können als zusätzliche Stressoren wirken.

Im Anschluss an die Darstellung dieser Befunde wurden die Teilnehmenden nach ihren spontanen Reaktionen gefragt. Die häufigsten Antworten lauteten Angst, Traurigkeit, Bedrückung, Hilflosigkeit und Wut. Van Bronswijk betonte, dass diese Gefühle normale und nachvollziehbare Reaktionen auf reale Bedrohungen seien. Emotionen erfüllten wichtige Funktionen, indem sie Bedürfnisse sichtbar machten. So könne Trauer beispielsweise helfen, Verluste zu verarbeiten und Veränderungen anzunehmen.

Im weiteren Verlauf widmete sich der Vortrag den unterschiedlichen Formen des sogenannten Climate Distress. Dazu zählen Klimaangst (Climate Anxiety), Klimatrauer (Climate Grief), Solastalgie – das Gefühl des Verlustes vertrauter Lebensräume – sowie Wut angesichts unzureichender gesellschaftlicher Reaktionen auf die Klimakrise.

Besonders kritisch betrachtete van Bronswijk verschiedene Verzögerungsdiskurse, die gesellschaftliche Transformationsprozesse erschweren. Aussagen wie „Das ist zu teuer“, „Das funktioniert sowieso nicht“ oder „Die anderen müssen zuerst handeln“ dienten häufig dazu, notwendige Veränderungen aufzuschieben oder Verantwortung weiterzureichen. Ähnliche Mechanismen fänden sich auch in politischen Debatten und könnten zu Resignation und Handlungsunfähigkeit beitragen.

Ein weiterer Schwerpunkt lag auf Verschwörungserzählungen als Bewältigungsstrategie in Krisenzeiten. Sie versprechen einfache Erklärungen für komplexe Probleme, stärken vermeintliche Kontrolle und bieten Orientierung in Situationen großer Unsicherheit. Gleichzeitig erschweren sie konstruktive gesellschaftliche Auseinandersetzungen.

Vor diesem Hintergrund stellte van Bronswijk verschiedene Formen des Copings vor. Problemorientiertes Coping umfasst Informationssuche, Klimaschutzverhalten und gesellschaftliches Engagement. Obwohl diese Strategien Handlungsmöglichkeiten eröffnen, bergen sie zugleich das Risiko von Überforderung und Aktivismus-Burnout. Emotionsorientiertes Coping zielt dagegen darauf ab, unangenehme Gefühle zu reduzieren, etwa durch Verdrängung oder Rückzug. Langfristig erweist sich dieser Ansatz jedoch häufig als wenig wirksam.

Als besonders hilfreich wurde das sinnorientierte Coping beschrieben. Dazu gehören konstruktive Hoffnung, positive Neubewertung von Situationen, die Akzeptanz von Gefühlen, Vertrauen in andere Menschen und Institutionen, Selbstwirksamkeitserfahrungen, Naturerlebnisse sowie die Orientierung an persönlichen Werten. Dieses Zusammenspiel ermögliche es, sich sowohl gut zu fühlen als auch aktiv zu bleiben.

Im Zusammenhang mit Klimaresilienz stellte van Bronswijk das Konzept des „Sense of Coherence“ vor. Menschen seien besonders resilient, wenn sie Herausforderungen verstehen, einen Sinn in ihrem Handeln erkennen und das Gefühl haben, Situationen bewältigen zu können. Gleichzeitig machte sie deutlich, dass Resilienz nicht allein eine individuelle Eigenschaft ist. Zwar können persönliche Faktoren wie die Fähigkeit zur Selbstfürsorge oder soziale Unterstützung die Widerstandskraft stärken. Individuelle Resilienz stößt jedoch dort an Grenzen, wo gesellschaftliche Rahmenbedingungen fehlen.

Deshalb brauche es zusätzlich kollektive Resilienz. Dazu zählen funktionierende Versorgungsstrukturen, Bildungsangebote, Nachbarschaftshilfen, resiliente Stadtplanung, Beteiligungsmöglichkeiten sowie transparente Kommunikation über Krisen, Risiken und Schutzmaßnahmen. Resilienzförderung müsse daher immer die individuelle und die gesellschaftliche Ebene gleichermaßen in den Blick nehmen.

Resilienz als Organisationsaufgabe

Im zweiten Impulsvortrag widmete sich Dr. Josefa Kny vom betterplace lab der Frage, wie Organisationen selbst resilienter werden können. Unter dem Titel „Kollektive Resilienz stärken – Resiliente Strukturen in Organisationen“ stellte sie Forschungsergebnisse zur Resilienz in der Zivilgesellschaft vor.

Ausgangspunkt war die Beobachtung, dass zivilgesellschaftliche Organisationen in Krisenzeiten eine doppelte Rolle einnehmen: Sie sind wichtige Krisenreaktionsressourcen und begleiten gesellschaftliche Transformationsprozesse, zugleich sind sie selbst von Krisen betroffen.

Kny definierte Krisen als ungeplante Veränderungen, die die Funktionsfähigkeit von Systemen gefährden und erhebliche Unsicherheit erzeugen. Dabei seien Krisen häufig miteinander verflochten. Persönliche Krisen einzelner Mitarbeitender könnten organisationale Krisen auslösen, die wiederum gesellschaftliche Auswirkungen nach sich ziehen.

Resilienz beschrieb sie als die Fähigkeit eines Systems, angemessen auf Rückschläge zu reagieren und sich an neue Rahmenbedingungen anzupassen. Für Organisationen sei Resilienz keine feste Eigenschaft, sondern eine erlernbare Kompetenz.

Besonders wichtig sei die Erkenntnis, dass organisationale Resilienz nicht einfach die Summe individueller Resilienzen darstellt. Vielmehr entstehe sie aus dem Zusammenspiel individueller, zwischenmenschlicher und struktureller Faktoren.

Anhand von Selbsteinschätzungen verschiedener Organisationen zeigte Kny, dass viele Einrichtungen bereits gut darin sind, akute Krisen zu bewältigen. Deutlich weniger ausgeprägt seien jedoch Strukturen zur Vorbereitung auf Krisen oder zur systematischen Nachbereitung von Krisenerfahrungen.

Im Mittelpunkt des Vortrags standen fünf zentrale Ressourcencluster organisationaler Resilienz:

Erstens Sinn und Werte. Gemeinsame Visionen, Optimismus, Selbstwirksamkeit und Lösungsorientierung schaffen Orientierung und fördern die Fähigkeit, auch in schwierigen Situationen handlungsfähig zu bleiben.

Zweitens soziale Bindungen. Vertrauen, respektvolle Zusammenarbeit, Solidarität und gute Kommunikationsstrukturen stärken den Zusammenhalt innerhalb von Teams und Organisationen. Ebenso wichtig ist die Vernetzung mit anderen Akteur*innen und Organisationen.

Drittens Führung und Struktur. Adaptive Führung, dezentrale Entscheidungsprozesse, Eigenverantwortung, psychologische Sicherheit und Diversität ermöglichen flexible und angemessene Reaktionen auf neue Herausforderungen.

Viertens Antizipation und Lernkultur. Veränderungsoffenheit, Unsicherheitstoleranz, Fehlerfreundlichkeit und Zukunftsorientierung helfen Organisationen, sich frühzeitig auf Veränderungen einzustellen und aus Erfahrungen zu lernen.

Fünftens materielle Ressourcen. Finanzielle Stabilität, geeignete Infrastruktur und vorausschauende Investitionen bilden die Grundlage dafür, Krisen überhaupt bewältigen zu können.

In der anschließenden Diskussion wurde insbesondere die ungleiche Verteilung materieller Ressourcen innerhalb der Zivilgesellschaft thematisiert. Gleichzeitig wurde deutlich, dass Organisationen an unterschiedlichen Punkten ansetzen können, um ihre Resilienz systematisch weiterzuentwickeln. Als praktische Anregung wurde vorgeschlagen, die verschiedenen Ressourcencluster regelmäßig gemeinsam im Team zu reflektieren und gezielt Entwicklungsbedarfe zu identifizieren. Gerade in Krisensituationen sei es entscheidend, Zuständigkeiten, Kompetenzen und Ansprechpartner*innen bereits im Vorfeld zu kennen.

Praxisworkshops

Am Nachmittag konnten die Teilnehmenden das Veranstaltungsthema in drei parallel stattfindenden Praxisworkshops vertiefen. Im Mittelpunkt standen individuelle Resilienz und Selbstwirksamkeit, mentale Gesundheit in Organisationen sowie die Stärkung von Resilienz durch Beteiligung von Zielgruppen.

Workshop 1: Gemeinsam Resilienz stärken – für Selbstwirksamkeit und Handlungsfähigkeit

Im Workshop „Gemeinsam Resilienz stärken – für Selbstwirksamkeit und Handlungsfähigkeit“ führte Hannah Monnin vom wandelwerk e.V. die Teilnehmenden tiefer in die umweltpsychologischen Aspekte von Resilienz und Engagement im Kontext der Klimakrise ein. Aufbauend auf den Impulsen des Vormittags standen insbesondere Klimagefühle, persönliche Resilienzfaktoren und die Reflexion des eigenen Umgangs mit Belastungen im Mittelpunkt.

Durch verschiedene Selbstreflexionsübungen, Journaling-Methoden und ein Gefühls-Mapping setzten sich die Teilnehmenden mit ihren Gedanken, Emotionen und Erfahrungen im Umgang mit aktuellen gesellschaftlichen und ökologischen Krisen auseinander. Dabei wurde deutlich, wie unterschiedlich Menschen auf die Herausforderungen der Klimakrise reagieren und welche Bedeutung der bewusste Umgang mit den eigenen Gefühlen für die psychische Gesundheit und langfristige Handlungsfähigkeit hat.

Ein besonderer Schwerpunkt lag auf dem sogenannten „Burnout-Activist-Dilemma“. Anhand umweltpsychologischer Erkenntnisse wurde aufgezeigt, dass gerade jene Faktoren, die Menschen zu Engagement motivieren, zugleich Risiken für Überforderung und Erschöpfung bergen können. Dazu zählen etwa eine starke Identifikation mit den eigenen Zielen, das Erleben von Selbstwirksamkeit oder ein ausgeprägtes Gemeinschaftsgefühl innerhalb engagierter Gruppen. Fehlen gleichzeitig ausreichende Erholungsphasen oder Möglichkeiten zur Abgrenzung, kann aus motivierendem Engagement langfristig Überlastung entstehen.

Wie solche Dynamiken im Alltag wirken, konnten die Teilnehmenden in einem interaktiven „Ja-Nein“-Spiel unmittelbar erfahren. Die Übung verdeutlichte, welche Folgen es haben kann, immer mehr Aufgaben zu übernehmen, ohne eigene Grenzen ausreichend zu berücksichtigen, oder umgekehrt zu wenig Unterstützung bei den eigenen Aufgaben zu erhalten. Mechanismen von Belastung, Verantwortung und Unterstützung wurden dadurch anschaulich und emotional nachvollziehbar.

Der Workshop bot den Teilnehmenden die Möglichkeit, den Blick auf die eigenen Ressourcen zu richten und persönliche Strategien für einen nachhaltigen Umgang mit Engagement zu entwickeln. Die Verbindung von fachlichem Input, praktischen Übungen und Austausch in der Gruppe machte deutlich, dass Resilienz nicht bedeutet, Belastungen auszuhalten, sondern die eigenen Grenzen wahrzunehmen, Ressourcen bewusst zu nutzen und langfristig handlungsfähig zu bleiben.

Workshop 2: Gemeinsam hinschauen – Wie wir in Organisationen mental gesund bleiben

Im Workshop „Gemeinsam hinschauen – Wie wir in Organisationen mental gesund bleiben“, gestaltet von Annalena Hartmann und Cindy Steinhöfel von KLUG, stand die Frage im Mittelpunkt, wie gemeinnützige Organisationen und ihre Mitarbeitenden angesichts der Klimakrise langfristig gesund und handlungsfähig bleiben können. Der Workshop verdeutlichte, dass die mentale Gesundheit von Mitarbeitenden und die Resilienz von Organisationen eng miteinander verbunden sind und sich gegenseitig beeinflussen.

Die Teilnehmenden diskutierten, welche Voraussetzungen es braucht, damit Organisationen auch unter den Bedingungen zunehmender ökologischer und gesellschaftlicher Krisen handlungsfähig bleiben. Dabei wurde deutlich, dass Resilienz auf einem tragfähigen Fundament aus gemeinsamen Werten, Vertrauen, Transparenz und glaubwürdigem Handeln aufbaut. Eine resiliente Organisationskultur entsteht dort, wo Mitarbeitende sich ernst genommen fühlen, Verantwortung geteilt wird und Herausforderungen gemeinsam bewältigt werden.

Ebenso wichtig sind klare Strukturen und Prozesse innerhalb der Organisation. Dazu gehören transparente Verantwortlichkeiten, verlässliche Kommunikationswege sowie eine konstruktive Fehler- und Feedbackkultur, die Lernen und Weiterentwicklung ermöglicht. Räume für Austausch, Beteiligung und gemeinsames Lernen wurden als wesentliche Voraussetzungen benannt, um Unsicherheiten gemeinsam zu bewältigen und die Handlungsfähigkeit in Krisenzeiten zu stärken.

Besonders hervorgehoben wurde die Bedeutung einer offenen Kommunikation. Sie trägt dazu bei, Belastungen frühzeitig wahrzunehmen, Unterstützungsbedarfe sichtbar zu machen und gemeinsam nach Lösungen zu suchen. Gleichzeitig stärkt sie das Vertrauen innerhalb von Teams und fördert die Zusammenarbeit in herausfordernden Situationen.

Als zentrale Schutzfaktoren für resiliente Organisationen identifizierten die Teilnehmenden langfristige Visionen, präventive Maßnahmen und Strategien zur Klimaanpassung. Organisationen benötigen einen gemeinsamen Blick in die Zukunft und die Bereitschaft, sich frühzeitig auf veränderte Rahmenbedingungen einzustellen, anstatt erst in akuten Krisensituationen zu reagieren.

Ein weiterer Schwerpunkt des Workshops lag auf der Bedeutung von Allianzen und Kooperationen. Die Herausforderungen der Klimakrise können von einzelnen Organisationen nicht allein bewältigt werden. Vernetzung, gegenseitige Unterstützung sowie das Bündeln von Ressourcen und Expertise schaffen Entlastung und stärken die kollektive Handlungsfähigkeit. Kooperationen ermöglichen es, voneinander zu lernen, Synergien zu nutzen und gemeinsam tragfähige Antworten auf die komplexen Herausforderungen der Klimakrise zu entwickeln.

Workshop 3: Zielgruppen im Fokus – Resilienz durch Beteiligung

Der Workshop „Zielgruppen im Fokus – Resilienz durch Beteiligung“ wurde von Lisa Dörfler, Referentin für Klimaschutz und Nachhaltigkeit beim Paritätischen Gesamtverband, und Yan Ugodnikov vom Forum Gemeinsam für Integration (GEMI e.V.) gestaltet. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie die Resilienz von Zielgruppen sozialer Einrichtungen im Kontext der ökologischen Krisen gestärkt werden kann und welche Rolle Beteiligung und Selbstwirksamkeit dabei spielen.

Lisa Dörfler definierte Resilienz zu Beginn des Workshops als die Fähigkeit, Belastungen nicht nur zu bewältigen, sondern auch produktiv und proaktiv auf Krisen zu reagieren und sich an veränderte Bedingungen anzupassen. Im pädagogischen Verständnis steht dabei insbesondere die Förderung vorhandener Ressourcen und Stärken des Individuums und seines Umfelds im Vordergrund. Klimaresilienz beschreibt darüber hinaus die Fähigkeit, mit den spezifischen Herausforderungen des Klimawandels umzugehen und trotz anhaltender Krisen handlungsfähig zu bleiben.

Dabei weist Klimaresilienz einige Besonderheiten auf. Dazu gehört der Umgang mit Gefühlen wie Scham und Schuld, die im Zusammenhang mit der Klimakrise häufig auftreten, ebenso wie das Erkennen von Bewältigungsstrategien wie Verdrängung, Resignation oder Aktionismus. Entscheidend ist die Balance zwischen Akzeptanz und Selbstwirksamkeit: Niemand kann die Klimakrise allein lösen, dennoch ist es wichtig, aktiv zu bleiben und eigene Handlungsmöglichkeiten zu erkennen. Ebenso bedeutsam sind die Wahrnehmung persönlicher Grenzen und die Fähigkeit zur Selbstfürsorge.

Anschließend wurden unterschiedliche Ebenen der Resilienzförderung vorgestellt. Schutzfaktoren können auf der individuellen Ebene liegen, beispielsweise in Form von Problemlösefähigkeiten, sozialem Verhalten oder Selbstwirksamkeitserfahrungen. Ebenso wichtig sind familiäre Schutzfaktoren wie sichere Bindungen und emotionale Unterstützung sowie Ressourcen im sozialen Umfeld, etwa Freundschaften, Anerkennung und unterstützende Gemeinschaften.

Einen besonderen Schwerpunkt bildete das Thema Selbstwirksamkeit und die Frage, wie Menschen die Erfahrung machen können, dass ihr Handeln einen Unterschied macht. Anhand des Selbstwirksamkeitskonzepts von Albert Bandura wurden vier zentrale Quellen von Selbstwirksamkeit vorgestellt: eigene Erfolgserlebnisse, das Beobachten erfolgreicher Vorbilder, ermutigender Zuspruch sowie positive Erfahrungen in herausfordernden Situationen.

Konkrete Beispiele verdeutlichten, wie Selbstwirksamkeit im Kontext der Klimakrise gestärkt werden kann. So können Klient*innen beispielsweise selbst Hitzeschutzmaßnahmen organisieren, Trinkwasser bereitstellen oder Schattenplätze schaffen. Werden solche Aktivitäten gemeinsam umgesetzt, stärken sie nicht nur die individuelle, sondern auch die kollektive Selbstwirksamkeit. Denn das Vertrauen in die Handlungsfähigkeit einer Gruppe und die Überzeugung, gemeinsam etwas bewirken zu können, fördern sich gegenseitig. Positiv Selbstwirksamkeitserfahrungen wirken sich nachweislich auf das Wohlbefinden aus. Sie trägt zu geringeren Stressreaktionen, einer besseren Bewältigung belastender Lebensereignisse, einer geringeren Anfälligkeit für Angststörungen und Depressionen sowie zu stabileren sozialen Beziehungen bei.

Im zweiten Teil des Workshops stellte Yan Ugodnikov verschiedene Praxisbeispiele aus der Arbeit von GEMI e.V. vor. Das Spektrum reichte von Tauschbörsen und Stadtteilaktionen über Klimafestivals, Baumpflanzaktionen und Müllsammelinitiativen bis hin zu Projekten wie „Sevengardens“ oder Workshops zum Energiesparen. Ein zentrales Anliegen der Arbeit von GEMI e.V. ist es, Menschen zur aktiven Mitgestaltung einzuladen und Teilhabe niedrigschwellig zu ermöglichen. Der Verein versteht sich als „Mitmachverein“, in dem Beteiligung, Gemeinschaft und ein herrschaftsfreier Ansatz im Vordergrund stehen.

Besonders hervorgehoben wurden die Bedeutung von Mehrsprachigkeit, kultureller Sensibilität und der Einsatz von Sprachmittler*innen, um unterschiedliche Zielgruppen zu erreichen und Brücken zwischen Menschen zu bauen. Anhand der Erfahrungen aus der Corona-Pandemie wurde deutlich, wie wichtig vertrauensvolle, mehrsprachige Aufklärungsarbeit und die Einbindung von Ehrenamtlichen für die Erreichbarkeit und Beteiligung unterschiedlicher Bevölkerungsgruppen sind.

In der anschließenden Gruppenarbeit arbeiteten die Teilnehmenden mit der „Vier-Felder-Tafel zur Resilienzentwicklung“ der Psychologists for Future. Die Gruppen beschäftigten sich mit den Bereichen individuelle und kollektive Resilienz sowie den Zielrichtungen Anpassung und Transformation und entwickelten gemeinsam Ideen für die Praxis.

Als positive Beispiele wurden unter anderem der Hamburger Zukunftsentscheid genannt, bei dem individuelles und kollektives Engagement ineinandergreifen. Für die Förderung kollektiver Resilienz wurden Formate diskutiert, die das gemeinsame Sprechen über Emotionen ermöglichen oder Rückzugsräume schaffen. Darüber hinaus wurde die Bedeutung von Kooperationen zwischen Verwaltung, Wissenschaft, Pflege und Zivilgesellschaft hervorgehoben. Begegnungsräume und gemeinschaftliches Handeln stärken nicht nur die Resilienz, sondern schaffen auch neue Perspektiven für gesellschaftliche Transformation.

Ein Gedanke zog sich durch die Diskussionen des Workshops: Gemeinschaft ermöglicht Veränderung. Fehler dürfen gemacht werden, Lernen ist ein fortlaufender Prozess – doch Nichtstun ist angesichts der Herausforderungen der Klimakrise keine Option. Die Stärkung von Selbstwirksamkeit und Beteiligung eröffnet Menschen die Möglichkeit, sich nicht als passive Betroffene, sondern als aktive Gestalter*innen einer resilienten und solidarischen Gesellschaft zu erleben.

Poetischer Abschluss

Den Abschluss der Veranstaltung gestaltete die Poetin, Moderatorin und Trainerin Dominique Macri mit einem Live-Poetic-Recording. In ihrer künstlerischen Zusammenfassung griff sie zentrale Gedanken, Emotionen und Erkenntnisse des Tages auf und verband sie zu einem eindrucksvollen Gesamtbild. Dadurch wurden die vielfältigen Perspektiven auf Klimakrise, psychische Gesundheit und Resilienz noch einmal verdichtet und auf besondere Weise erfahrbar gemacht.

Fazit

Die Veranstaltung machte deutlich, dass die Klimakrise nicht nur eine ökologische, soziale und politische Herausforderung ist, sondern auch eine psychische. Gleichzeitig zeigte sie auf, dass Resilienz mehr ist als individuelle Widerstandskraft. Sie entsteht dort, wo Menschen sich gegenseitig unterstützen, Organisationen lernfähig und anpassungsfähig werden und gesellschaftliche Strukturen geschaffen werden, die Sicherheit, Beteiligung und Handlungsfähigkeit ermöglichen. Die Förderung psychischer Gesundheit und kollektiver Resilienz wird damit zu einer zentralen Zukunftsaufgabe für soziale Organisationen und die Gesellschaft insgesamt.