Eine neue Studie auf Basis der Erfahrungen von Mitarbeitenden und Engagierten aus dem DRK, dem Paritätischen und der AWO zeigt: Anfeindungen gehören für viele haupt- und ehrenamtlich Mitarbeitende im Wohlfahrtsbereich inzwischen zum Alltag. Die Ergebnisse machen deutlich, dass es sich nicht um Einzelfälle handelt. Wer sich beruflich oder ehrenamtlich für andere Menschen einsetzt, braucht Schutz, Anerkennung und politischen Rückhalt.
Alle Bereiche der Freien Wohlfahrtspflege von Anfeindungen betroffen
Für die Studie wurden die Erfahrungen von 6.596 haupt- und ehrenamtlich Mitarbeitenden des DRK, des Paritätischen und der AWO ausgewertet. Das Ergebnis ist eindeutig: Rund 43 Prozent der Befragten waren bereits von Anfeindungen betroffen. Diese reichen von Beleidigungen und digitaler Hetze bis hin zu Bedrohungen und körperlichen Übergriffen.
Besonders betroffen sind die Bereiche Diversität (58,4 Prozent), Frauenarbeit (55,7 Prozent), politische Bildung (49,0 Prozent) sowie Migration und Flucht (48,5 Prozent). Die Studie zeigt jedoch zugleich, dass Anfeindungen in allen Bereichen der Freien Wohlfahrtspflege vorkommen. Es handelt sich nicht um ein Problem einzelner Arbeitsfelder, sondern ein strukturell relevantes Phänomen.
Anfeindungen setzen Organisationen und Engagement unter Druck
Die Folgen betreffen nicht nur Einzelne, sondern Organisationen insgesamt. Die Bindung von Mitarbeitenden, die Gewinnung neuer Fachkräfte, die Vielfalt der Angebote und die öffentliche Positionierung können unter Druck geraten. Auf individueller Ebene berichten Befragte zudem von Formen situativer Selbstbeschränkung. Themen werden in bestimmten Kontexten abgeschwächt oder ganz vermieden, um Eskalationen vorzubeugen.
Der Paritätische stärkt Mitgliedsorganisationen im Umgang
Der Paritätische unterstützt seine Mitgliedsorganisationen dabei, mit Anfeindungen und Bedrohungen umzugehen. Auf der Website Vielfalt ohne Alternative stehen Informationen, Handreichungen, Materialien und Hinweise auf Beratungsangebote zur Verfügung. Darüber hinaus bieten die Paritätischen Landesverbände sowie Paritätische Bildungswerke und Akademien Informationen und Qualifizierungsformate an.
Wohlfahrtspflege braucht politischen Rückhalt und Schutz
Wer den gesellschaftlichen Zusammenhalt stärken will, muss auch diejenigen schützen, die ihn jeden Tag praktisch gestalten. Umso wichtiger ist es, dass Politik und Behörden die Bedrohungslage ernst nehmen und für wirksamen Schutz sorgen. Dazu gehören verlässliche finanzielle Mittel für Beratungs-, Qualifizierungs- und Schutzstrukturen.
Schutz bedeutet aber auch politische und gesellschaftliche Anerkennung. Wer Soziale Arbeit und den Sozialstaat vor allem als Kostenfaktor darstellt, trägt zu einem Klima bei, in dem die Arbeit sozialer Organisationen an Wertschätzung verliert. Statt Kürzungen bei den Schwächsten braucht es eine starke soziale Infrastruktur und eine sachliche Debatte darüber, wie der Sozialstaat effizient und gerecht weiterentwickelt werden kann.