Bäume statt Blumen und Eistorte statt Waffeln

Beim Vernetzungsworkshop „Klimaanpassung in sozialen Einrichtungen und Diensten“ kamen Paritätische Mitglieder und Teilnehmende aus Kollegialverbänden in Frankfurt zusammen, um sich zu den Herausforderungen und praktischen Lösungen im Handlungsfeld Klimaanpassung auszutauschen. Es wurden erste Schritte im Bereich Klimaanpassung behandelt, langfristige Perspektiven besprochen und kreative Maßnahmen aufgezeigt.

Der Vernetzungsworkshop in Frankfurt am Main, der vom Paritätischen Gesamtverband gemeinsam mit dem Paritätische Landesverband Hessen ausgerichtet wurde, diente dem fachlichen Austausch, der Qualifizierung und der Vernetzung von Vertreter*innen sozialer Einrichtungen, Verwaltung und Fachverbänden. Ziel war es, Träger der Sozialen Arbeit für die Auswirkungen von Extremwetterereignissen zu sensibilisieren und praxisnahe Ansätze für Klimaanpassungsmaßnahmen zu erarbeiten.

Nach einer Begrüßung und Einführung in das Thema durch Claudia Vortmann vom Paritätischen Hessen und Janina Yeung vom Paritätischen Gesamtverband startete der Workshop mit einem Input von Kirsten Duggan und Dr. Anette Christ von der Geschäftsstelle Gesundes Städte-Netzwerk im Gesundheitsamt Frankfurt am Main. Unter dem Titel „Auswirkungen der Klimakrise auf die menschliche Gesundheit und vulnerable Gruppen am Beispiel des KoGi-Projekts“ verdeutlichten sie die gesundheitlichen Folgen klimatischer Veränderungen, z.B. von Hitzewellen, insbesondere auf vulnerable Gruppen, etwa ältere Menschen, Kinder oder Personen mit Vorerkrankungen, aber auch Mitarbeitende in sozialen Einrichtungen.

Klimalots*innen unterwegs

Sie stellten die Frage, was die Kommune tun kann, um die Bevölkerungsgesundheit zu bewahren. Zu den Präventionsmaßnahmen, die der ÖGD bei Hitze durchführt, wie z.B. Infoveranstaltungen, Kühle Orte Karte, Hitzeberatung in den Hausarztpraxen, gehört jetzt auch der Einsatz von Klimalots*innen. Aufgaben der Klimalots*innen sind Aufklärung, Beratung und Risikokommunikation von vulnerablen Personengruppen mit verschiedenen Barrieren zum Gesundheitssystem. Ihre Einsatzorte sind Familienzentren, Gemeinschaftsunterkünfte, Moscheevereine, Kirchengemeinden, Krippen, Kitas, Grundschulen, Frauenhäuser, Kulturzentren, Selbsthilfegruppen, Spielplätze, Einkaufsläden, Seniorentreffs u.v.m..

Anschließend an dieses Input stellte Janina Yeung methodische Ansätze zur Betroffenheitsanalyse und Vulnerabilitätsprüfung vor. Diese sollen Einrichtungen helfen, ihre spezifischen Risiken systematisch zu erfassen und daraus passgenaue Maßnahmen abzuleiten. In der anschließenden Gruppenarbeit entwickelten die Teilnehmenden beispielhafte Personas, um die Perspektive verschiedener Zielgruppen – etwa von Klient*innen, Mitarbeitenden oder An- und Zugehörigen – besser zu verstehen und ihre jeweiligen Schutzbedarfe zu identifizieren.

Nach der Mittagspause gab Dr. Sigita Urdze vom Hessischen Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt, Weinbau, Forsten, Jagd und Heimat einen Einblick in die Klimaanpassungsstrategie des Landes Hessen. Das Land Hessen befindet sich derzeit in der Erarbeitung einer Klimaanpassungsstrategie. Derzeit befindet sich das Land bei der Klimarisikoanalyse und Analyse bereits eingetretener Auswirkungen des Klimawandels. Im ersten Quartal 2026 ist die Beteiligung der Öffentlichkeit geplant.

Klimakompetenz als Kernkompetenz 

Im Anschluss beleuchtete Lisa Dörfler vom Paritätischen Gesamtverband das Thema „Klimaanpassung in der Sozialen Arbeit: Anforderungen an die Profession“. Sie hob hervor, dass Klimawandel und soziale Gerechtigkeit eng miteinander verknüpft sind und Klimakompetenz künftig zu einer Kernkompetenz in der Sozialen Arbeit werden müsse. Dabei bezog sie sich auf die grundlegenden Prinzipien Sozialer Arbeit – soziale Gerechtigkeit, Menschenrechte und gemeinsame Verantwortung – und zeigte auf, dass diese auch im Kontext der Klimaanpassung leitend sind. Zu neuen Handlungsfelder zählte sie u.a. den Auftrag, im Katastrophenschutz Unterstützung leisten zu können, u.a. in der psychosozialen Versorgung der Betroffenen und Einsatzkräfte oder der Unterstützung bei der Beantragung von Hilfen.

Ein besonders anschauliches Praxisbeispiel präsentierten Corinna Bohr und Sarah Schöche vom Mütterzentrum Langen e.V.. Sie stellten ihr eigenes Klimaanpassungskonzept für das Mehrgenerationenhaus Zentrum für Jung und Alt vor, das Maßnahmen am und um das Gebäude, organisatorische Maßnahmen und Beteiligungsformate umfasst. Ihr Bericht machte deutlich, dass Klimaanpassung auch mit begrenzten Mitteln möglich ist, wenn Engagement und Kooperation vorhanden sind. So werden an heißen Tagen nur noch kalte Speisen angeboten, im Café werden keine Mitarbeitenden mehr hinter das Waffelweisen gestellt (jetzt gibt es Eistorte) und zum Jubiläum wünschte sich das Mütterzentrum Langen für die Außenanlagen Bäume zur Beschattung statt Blumen.

Nach einer kurzen Kaffeepause gab David Kienle von der KlimaKom gemeinnützige eG einen Einblick in die Erstellung von Klimaanpassungskonzepten für soziale Einrichtungen. Dabei legte er einen Fokus darauf, Prozesse partizipativ zu entwickeln und umzusetzen.

In der abschließenden Gruppenarbeitsphase arbeiteten die Teilnehmenden praxisorientiert an eigenen Ideen für konkrete Klimaanpassungsmaßnahmen. Diskutiert wurden unter anderem Hitzeschutzpläne, Monitoring und Sichtbarmachen von Maßnahmen, sicherheitsrelevante Maßnahmen und Anpassungen der Tagesabläufe.

Der Vernetzungsworkshop in Frankfurt zeigte eindrücklich, wie groß das Interesse und Engagement sozialer Träger beim Thema Klimaanpassung ist. Fachlich fundierte Inputs, praxisnahe Beispiele und der intensive kollegiale Austausch machten die Veranstaltung zu einem wichtigen Impuls für die Weiterentwicklung klimasensibler Strukturen in sozialen Einrichtungen und Diensten. Gleichzeitig wurden auch die Herausforderungen betont, insbesondere in der Finanzierung von Klimaanpassungsmaßnahmen. Hier ist die Politik gefragt, die Rahmenbedingungen zu verbessern, damit soziale Einrichtungen widerstandsfähiger gegenüber den Folgen der Klimakrise werden.

Veranstaltungshinweis:

Der letzte Vernetzungsworkshop in dieser Reihe findet am 19. November 2025 in Gelsenkirchen statt. Am nächsten Tag ist noch eine Exkursion zu einem Träger mit Klimaanpassungskonzept in Remscheid geplant. Hier geht es zur Anmeldung: https://www.der-paritaetische.de/termin-detailansicht/vernetzungsworkshop-klimaanpassung-nordrhein-westfalen/