In Deutschland liegt der Pro-Kopf-Konsum von reinem Alkohol bei etwa 10,6 Litern pro Jahr – und damit rund 2 Liter über dem OECD-Durchschnitt von 8,5 Litern. Das hat verheerende Folgen für die gesamte Gesellschaft, warnen Expertinnen und Experten in einem jetzt veröffentlichten Positionspapier.
Schon lange ist wissenschaftlich erwiesen: Prävention hilft, Krankheiten vorzubeugen, Gesundheit zu erhalten, Kosten zu sparen, die Lebensqualität zu steigern, Risikofaktoren zu minimieren und die Gesellschaft zu entlasten. Dabei greifen nicht nur Maßnahmen, die individuell ansetzen und Menschen dabei unterstützen, gesundheitsschädliches Verhalten abzubauen (Verhaltensprävention), sondern insbesondere solche Maßnahmen, die äußere Bedingungen und das Umfeld gesundheitsförderlich gestalten wie beispielsweise: die Verfügbarkeit von Alkohol zu verringern, Preise für alkoholische Getränke zu erhöhen und Alkoholwerbung einzuschränken.
„Diese entscheidende Steuerungsmöglichkeit ist in Deutschland bislang kaum genutzt worden. Seit Jahrzehnten wird hier die Chance vertan, Kosten in Milliardenhöhe einzusparen und die Gesundheit von Menschen zu verbessern und Leid zu vermeiden“, sagt Prof. Dr. Hans-Jürgen Rumpf, Mitautor des Positionspapiers und Sprecher des Wissenschaftlichen Kuratoriums der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS), unter deren Federführung das Positionspapier veröffentlicht wurde.
Die Expertinnen und Experten aus Suchthilfe, Medizin, Psychologie, Sozialer Arbeit und Ökonomie benennen geeignete Maßnahmen zur wirksamen Prävention alkoholbezogener Schäden in Deutschland. Dabei orientieren sie sich an international anerkannten Strategien der Weltgesundheitsorganisation (WHO), die unter dem Begriff SAFER zusammengefasst werden:
- Verfügbarkeit von Alkohol wirksam begrenze
- Maßnahmen gegen Alkohol am Steuer konsequent ausbauen
- Frühintervention und Behandlung stärken (Screening und Kurzinterventionen)
- Alkoholmarketing einschränken oder verbieten
- Preiserhöhungen durch Steuern und Mindestpreise umsetzen
„Um den Alkoholkonsum in Deutschland zu reduzieren und die Gesundheit der Bevölkerung zu fördern, brauchen wir ein starkes Netzwerk engagierter Präventionskräfte“, betont Christina Rummel, Geschäftsführerin der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS). „Dabei wollen wir uns auch über nationale Grenzen hinaus vernetzen und uns an Aktivitäten in Europa und global beteiligen.“
Das Positionspapier „Erforderliche Maßnahmen zur Senkung der negativen Folgen des Alkoholkonsums“ steht auf dhs.de im Seitenbereich „Stellungnahmen“ zum Download bereit. Das Papier ist offen für weitere Mitzeichnungen!
Allianz Alkoholprävention
Die Allianz Alkoholprävention ist ein breites Bündnis unterschiedlichster Fachorganisationen aus den Bereichen Suchthilfe, Medizin, Psychologie, Sozialer Arbeit und Ökonomie, die sich unter Federführung der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) für bessere Maßnahmen im Bereich der Alkoholprävention einsetzen.
Der Paritätische ist Mitglied der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS). Ziel der DHS-Mitgliedsverbände ist es, ihre Fachkompetenz zu Fragen und Problemen der Suchtprävention und der Suchthilfe organisatorisch zu bündeln. Insofern steht die DHS für die Suchthilfe in Deutschland. Die Information und Hilfe für Konsumenten*innen, Missbraucher*innen, Abhängige und deren Angehörige wird in den unterschiedlichen Einrichtungen der Mitgliedsverbände und im Kontakt mit deren Mitarbeiter*innen angeboten und umgesetzt. Direkt zum Internetangebot der DHS.
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