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Bargeld muss bleiben!

Gemeinsamer Appell von Verbraucherschutz-, Sozial-, Wohlfahrts-, und Wirtschaftsverbänden an die Bundesregierung.

Für Verbraucher*innen in Deutschland wird es immer schwieriger, mit Bargeld zu bezahlen und überhaupt Zugang zu Bargeld zu erhalten. An Selbstbedienungskassen ist oft nur Kartenzahlung möglich, manche Geschäfte lehnen Bargeld sogar vollständig ab. Wichtige Angebote wie Bahnfahrkarten und Schwimmbadtickets können zum Teil nicht mehr oder nur unter erhöhtem Aufwand bar erworben werden. Gleichzeitig werden das Abheben und Einzahlen von Bargeld immer aufwendiger. 

Dabei legen Verbraucher*innen großen Wert darauf, bar zahlen zu können. Für viele Erwachsene und insbesondere auch Kinder ist Bargeld sogar die einzige mögliche Zahlungsform – etwa bei fehlendem Zugang zu digitalen Zahlungsmethoden aufgrund eines SCHUFA-Eintrags oder weil sie kein Konto haben. Eigentlich hat jede*r Erwachsene das Recht auf ein Basiskonto, aber in der Praxis verweigern Banken dieses häufig. Besonders Menschen in schwierigen Lebenslagen, wie wohnungslose Menschen, stehen dadurch oft ohne digitale Zahlungsmöglichkeit dar.

Für den Handel und das Handwerk steigen die Kosten für die Annahme von Bargeldzahlungen und das Bereithalten von Wechselgeld. Das Einzahlen von Bargeldeinnahmen wird erheblich schwieriger und teurer, weil Banken die Zahl an Geldautomaten und Bankfilialen reduzieren. Die Anzahl der Bankfilialen hat sich in den vergangenen 23 Jahren mehr als halbiert, auch die Zahl der Geldautomaten sinkt kontinuierlich. Alternative Ein- und Auszahlungsmöglichkeiten etwa über den Einzelhandel sind weder flächendeckend noch überall kostenfrei verfügbar. In ländlichen Regionen müssen Verbraucher*innen weitere Wege zurücklegen, um Bargeld zu erhalten. Zudem schafft die Postbank die Möglichkeit ab, Sozialleistungen per Scheck in bar auszuzahlen (Zahlungsanweisung zur Verrechnung, ZzV) – ein gravierendes Problem für armutsbetroffene Menschen ohne Konto.

Diese Probleme verstärken sich gegenseitig: Weniger Zugangsmöglichkeiten zu Bargeld steigern die Hürden für Verbraucher*innen und führen zu sinkender Nutzung, was wiederum das Angebot weiter einschränkt. Setzt sich diese Entwicklung fort, könnte Bargeld bald für Verbraucher*innen und Unternehmen nicht mehr als Zahlungsmittel nutzbar sein und ein aufwendiger Wiederaufbau der Bargeldinfrastruktur notwendig werden, wie es gegenwärtig in skandinavischen Ländern wie Schweden zu beobachten ist. Das gilt es zu verhindern!

Deshalb fordert der Paritätische Gesamtverband im Bündnis mit Verbraucherschutz-, Sozial-, Wohlfahrts-, und Wirtschaftsverbänden die Bundesregierung dazu auf, sicherzustellen, dass Bargeld grundsätzlich als Zahlungsmittel akzeptiert wird und alle Menschen kostenfrei und barrierefrei in angemessener Nähe Zugang zu Bargeld haben – sei es über Geldautomaten oder andere Lösungen. 

Der Appell in voller Länge ist hier abrufbar.