18.06.2019

Gesund leben: Hamburg fördert Gesundheitskompetenz von Patientinnen und Patienten

Mitglieder der Landeskonferenz Versorgung setzen Maßnahmen zur Verbesserung der Gesundheitskompetenz der Hamburger Bevölkerung um

+++ Pressemitteilung der Behörde für Gesundheit und Verbraucherschutz - mit einem Zitat von Christa Herrmann, Leiterin unserer Kontakt- und Informationsstellen für Selbsthilfegruppen (KISS Hamburg) +++

Gesundheitskompetenz ist die Fähigkeit, Gesundheitsinformationen zu finden, zu verstehen, zu beurteilen und anzuwenden, um im Alltag angemessene Entscheidungen zur Förderung der eigenen Gesundheit treffen zu können. Die Hälfte der Hamburgerinnen und Hamburgern sieht sich nach eigener Aussage nicht als umfassend gesundheitskompetent an. Dies kann negative Auswirkungen bei der Orientierung im Gesundheitswesen sowie beim Verständnis von Therapie- und Arzneimittelplänen haben und letztlich zu schlechterem Gesundheitsverhalten, vermindertem Behandlungserfolg und höheren Kosten im Gesundheitswesen führen. Dabei entscheidet häufig der soziale Status über den Umfang der Gesundheitskompetenz und hat letztlich auch Einfluss auf die Lebenserwartung. Vor diesem Hintergrund wollen die Behörde für Gesundheit und Verbraucherschutz (BGV) sowie die Akteure des Hamburger Gesundheitswesens konkrete Maßnahmen umsetzen, um die Gesundheitskompetenz der Hamburger Bevölkerung zu erhöhen.

Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks: „Angesichts des eindeutigen Einflusses der sozialen Lage auf die Gesundheit, der Zunahme chronischer Erkrankungen, der kulturellen Vielfalt unserer Gesellschaft sowie einer großen Informationsflut erlangt Gesundheitskompetenz immer mehr an Bedeutung. Dass viele Menschen nach eigener Aussage nur eingeschränkt gesundheitskompetent sind, liegt nicht allein an ihren mangelnden individuellen Fähigkeiten, sondern auch an der Art und Weise, wie Sachverhalte durch die Gesundheitsberufe vermittelt werden und auch an der Komplexität des Gesundheitssystems. Gesundheitskompetenz ist also nicht nur eine individuelle Angelegenheit. Der Staat und alle Akteure müssen dazu beitragen, dass unser Gesundheitswesen genauso verständlich ist wie einzelne Diagnosen und Behandlungen. Die Gesundheitskompetenz und die Prävention in allen Lebensbereichen zu stärken, ist also eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe.“

Die Behörde für Gesundheit und Verbraucherschutz hat deshalb der sektorenübergreifenden Landeskonferenz Versorgung im April 2018 vorgeschlagen, die Förderung der Gesundheitskompetenz zu ihrem Jahresthema zu machen. Die Hamburger Akteure des Gesundheitswesens erarbeiteten konkrete Maßnahmen, die nun umgesetzt werden:

  • Um Patientinnen und Patienten zu unterstützen, werden Notizblöcke für „3 Fragen zu Ihrer Gesundheit“ zur besseren Vor- und Nachbereitung von Arzt-Patienten-Kontakten sowie eine neue Internetseite zur Gesundheitskompetenz unter www.hamburg.de/gesundheitskompetenz bereitgestellt. Die Broschüren „Gesundheitsversorgung in Deutschland – einfach erklärt“, „Ich muss ins Krankenhaus“ und „Ihre Rechte als Patient und Patientin“ werden in einfacher Sprache herausgebracht und sollen Patienten bei der Orientierung im Gesundheitssystem helfen.
  • Moderne Informationsmedien der Institutionen der Landeskonferenz (z. B. Gesundheitsinformations-Apps) sollen verstärkt zur Ansprache bestimmter Zielgruppen genutzt werden. Informationsmaterialien sollen weitgehend in einfacher oder leichter Sprache und barrierefrei herausgegeben werden.
  • Auch die Zugänge des Öffentlichen Gesundheitsdienstes in Kindertagesstätten und Schulen sollen weiter ausgebaut werden, um die frühzeitige Vermittlung gesundheitsrelevanter Informationen und Verhaltensweisen zu fördern. In den Hamburger Bildungsvorgaben sind gesundheitsfördernde Maßnahmen fest verankert. Im Rahmen der Gesundheitsförderung werden in Absprache mit den zuständigen Institutionen Kindertagesstätten, Schulen und Berufsschulen bei Bedarf geeignete pädagogisch geschulte und/oder medizinische, psychotherapeutische und pharmazeutische Fachkräfte zur Verfügung gestellt, um Themen zum Gesundheitssystem, z. B. zur Körperpflege, zur Reanimation, zur Ersten Hilfe, zur seelischen Gesundheit und gesunden Ernährung zu behandeln. Als beispielhaft gelten hier die Prophylaxeprogramme und Unterrichtsaktivitäten der Landesgemeinschaft zur Förderung der Jugendzahnpflege in Hamburg e. V. (LAJH) zur Zahnpflege und zu zahngesunder Ernährung in KiTas und Schulen.
  • Das Projekt der Behörde für Gesundheit und Verbraucherschutz „MiMi – Migranten für Migranten“, das Kenntnisse von Migrantinnen und Migranten über das deutsche Gesundheitssystem verbessern hilft, soll mit Blick auf die deutschsprachige Bevölkerung ausgeweitet werden.
  • Die Akteure der Landeskonferenz Versorgung unterstützen alle Maßnahmen, bei denen im Rahmen der Ausbildung/des Studiums oder der Weiterbildung der medizinischen, pharmazeutischen, psychotherapeutischen und pflegerischen Fachkräfte der direkte Kontakt zwischen Studierenden/Auszubildenden und Nutzern des Gesundheits-/Pflegesystems zur Kommunikation und Interaktion hergestellt wird (z. B. Gesundheitsakademie des UKE). Im Rahmen der Fortbildungsangebote für medizinische, psychotherapeutische, pharmazeutische und pflegerische Fachkräfte sollen verstärkt Methoden der Gesprächsführung vermittelt werden.
  • Das Hamburger Netzwerk für Versorgungsforschung (HAM-NET) hat sich beim Bundesministerium für Bildung und Forschung um Fördermittel für das Projekt „Gesundheitskompetente Organisationen“ beworben. Hierbei sollen die Institutionen der Landeskonferenz überprüfen, inwieweit sie Maßstäbe einer guten Gesundheitskompetenz erfüllen und Ansätze für die Verbesserung erarbeiten.
  • Die Notfallversorgung wird in Kürze bundesrechtlich neu organisiert. Ambulante und stationäre Notfallversorgung sollen besser zusammenarbeiten. Wenn die Neuorganisation abgeschlossen ist, wird die Gesundheitsbehörde in Abstimmung mit der Landeskonferenz Versorgung eine Öffentlichkeitskampagne zur richtigen Nutzung unseres Notfallsystems auf den Weg bringen.


Dr. med. Pedram Emami, Präsident der Ärztekammer Hamburg, verweist auf die positiven Auswirkungen einer patientenorientierten Kommunikation der Gesundheitsprofessionen. „Wir wissen schon lange, dass sich Fachsprache, Zeitmangel und Sprachbarrieren negativ auf die Behandlung und die Patientensicherheit auswirken können. Patientinnen und Patienten, die nicht vollumfänglich verstehen, warum und wie eine Therapie erfolgen soll, können nicht aktiv am Gelingen mitwirken. Deshalb ist es den Ärztekammern ein Anliegen, die ärztliche Kommunikation so zu verbessern, dass die Beteiligten in die Lage versetzt werden, gemeinsam Entscheidungen in der Behandlungssituation zu treffen. Um gesundheitskompetent sein zu können, ist es hilfreich, dass Patientinnen und Patienten jederzeit einen Zugang zu den eigenen Gesundheitsdaten und Informationen haben, auf deren Basis sie angemessene Entscheidungen zur Förderungen der eigenen Gesundheit treffen können. Die elektronische Patientenakte ist hier ein wichtiger Ansatzpunkt. Voraussetzung bleibt dabei ein angemessener und ausreichender Datenschutz.“

„Wenn wir gemeinsam handeln, dann können wir dazu beitragen, dass gesundheitsrelevante Informationen besser gefunden, verstanden und sicherer bewertet werden“, so Kathrin Herbst, Leiterin der vdek-Landesvertretung Hamburg für die gesetzlichen Krankenkassen. „Zu wissen, was gesund hält und was krank macht – das ist von großer Bedeutung für die eigene Gesundheit und das Bewältigen von Krankheiten. Die Gesundheitskompetenz aller zu stärken, ist auch wichtig, um gesundheitliche Ungleichheit zu verringern. Hier sind nicht nur die Krankenkassen angesprochen, hier geht es um ein gesamtgesellschaftliches, verbindliches Vorgehen, hier sind alle gefragt.“

Patientenvertreterin Christa Herrmann, PARITÄTISCHER Hamburg/KISS Hamburg: "Das komplexe Gesundheitssystem erschließt sich nicht von selbst. Daher begrüßen wir jede Initiative, die dazu beiträgt, es für alle Menschen verständlicher und damit zugänglicher und barrierefreier zu machen. Denn nur dann haben alle die Chance, die zur Verfügung stehenden gesundheitlichen Versorgungsleistungen in Anspruch zu nehmen. Dazu bedarf es in erster Linie eines Gesundheitswesens, in dem Menschen arbeiten, die in der Lage sind, angemessen mit Patient*innen zu kommunizieren und die ihnen bei der Suche nach den richtigen Therapien behilflich sind. Der Erwerb von Gesundheitskompetenz ist keine Einbahnstraße zulasten der Patient*innen, sondern benötigt wechselseitige Lernprozesse zwischen ihnen und den Versorgungssystemen.“


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