19.11.2020

Armutsbericht des PARITÄTISCHEN Wohlfahrtsverbandes: Positive Entwicklung in Hamburg, aber alarmierende Zahlen bei den über 65-Jährigen

Heute hat der PARITÄTISCHE Gesamtverband in Berlin seinen Armutsbericht vorgestellt. Demnach sank das Armutsrisiko in Hamburg 2019 entgegen dem Bundestrend leicht auf 15,0 Prozent und liegt damit unter dem bundesweiten Niveau von 15.9 Prozent. Allerdings machte in Hamburg die Armutsgefährdungsquote bei Menschen über 65 Jahren einen Sprung auf 14,6 Prozent und stieg im Vergleich zum Vorjahr um über 20 Prozent.

Unter Erwerbslosen ist das Armutsrisiko mit 55,5 Prozent am größten (ein Anstieg um 4,5 Prozentpunkte), einen noch höheren Anstieg gab es bei Einpersonenhaushalten. Hier ist das Armutsrisiko im Vergleich zum Vorjahr um mehr als zehn Prozent auf 22,2 Prozent gestiegen. Fast unverändert hoch liegt die Quote bei Familien mit drei oder mehr Kindern (32,8%). Bei Alleinerziehenden ist sie mit 30,7 Prozent auf einen Tiefstand gesunken. Auch Menschen mit sog. Migrationshintergrund zählen gemäß Mikrozensus weiterhin zu den Hauptrisikogruppen, mit 26,5 Prozent weist ihr Armutsrisiko allerdings den geringsten Wert seit Jahren auf.

Dazu Kristin Alheit, Geschäftsführerin des PARITÄTISCHEn Hamburg:

„Diese Zahlen geben einerseits Grund zu leiser Hoffnung, da bei einigen Hauptrisikogruppen das hohe Armutsrisiko der vergangenen Jahre gesunken ist. Andererseits dürfen wir die Augen nicht davor verschließen, dass drei stark gefährdete Gruppen – Senior*innen, kinderreiche Familien und Langzeiterwerbslose – oftmals kaum Chancen haben, aus eigener Kraft ihre finanzielle Situation zu verbessern.

Besonders alarmierend: Seit  Jahren steigt das Armutsrisiko für Menschen über 65 deutlich, so stark wie bei keiner anderen Bevölkerungsgruppe. Es hat sich seit 2006 mehr als verdoppelt. Und es wird weiter steigen, wenn die Weichen nicht neu gestellt werden. Dafür müssen einerseits auf Bundesebene dringend Reformen durchgesetzt werden. Andererseits muss Hamburg mehr tun, um Altersarmut schon im Keim zu ersticken. Dazu gehören beispielsweise mehr öffentlich geförderte Beschäftigungsangebote für Langzeitarbeitslose und die stärkere Förderung bezahlbaren Wohnraums. Zudem müssen Quartiere mit sehr hohen Armutsquoten gestärkt und besonders Alleinerziehende und Mehr-Kind-Familien unterstützt werden.

Mehr als jede*r siebte Hamburger*in ist von Armut bedroht, und ich fürchte, dass die Auswirkungen der Corona-Pandemie die zarte positive Entwicklung wieder zunichtemachen werden. Wer nicht möchte, dass diese Zahlen in Zukunft wieder ansteigen, muss jetzt handeln.“

Hintergrund: Die Armutsgefährdungsquoten im Armutsbericht des Paritätischen beziehen sich auf das Jahr 2019. Datengrundlage ist der Mikrozensus, eine jährliche Befragung der statistischen Ämter des Bundes und der Länder. Die Teilnahme am Mikrozensus ist gesetzlich verpflichtend. Für einzelne Hamburger Bezirke und Stadtteile liegen keine Armutsrisikoquoten vor.

Als armutsgefährdet gilt, wer weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens (Median) aller Haushalte zur Verfügung hat. Bei Einpersonenhaushalten betrug diese Armutsschwelle im Jahr 2019 1.074 Euro, bei einer Familie mit zwei Kindern unter 14 Jahren 2.256 Euro.

Den vollständigen Armutsbericht des PARITÄTISCHEN Gesamtverbandes mitsamt Pressemitteilung finden Sie hier: http://www.der-paritaetische.de/schwerpunkte/armutsbericht/.


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