16.12.2021

Armutsbericht des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes: Armutsrisiko in der Pandemie steigt auch in Hamburg – Maßnahmen wie Kurzarbeiter- und Überbrückungsgeld verhindern noch höhere Armutsquoten

Heute hat der Paritätische Gesamtverband in Berlin seinen Armutsbericht vorgestellt. Demnach liegt in Hamburg die Armutsrisikoquote bei 17,8 Prozent und damit über dem bundesweiten Niveau von 16,1 Prozent. Das Armutsrisiko stieg im Pandemiejahr 2020 in Hamburg wie fast überall in der Bundesrepublik an.

Aus methodischen Gründen lassen sich die Zahlen für 2020 jedoch nur eingeschränkt mit denen der Vorjahre – Datengrundlage ist jeweils der Mikrozensus – vergleichen.

Kristin Alheit, Geschäftsführerin des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes Hamburg, zu den Ergebnissen des Armutsberichts:

„Angesichts des wirtschaftlichen Einbruchs im Krisenjahr 2020 überrascht uns der Anstieg der Armutsquoten nicht. Dass die Zahlen nicht dramatischer gestiegen sind, liegt offensichtlich an den rasch vom Bund und Hamburger Senat ergriffenen Maßnahmen wie dem Kurzarbeiter- und dem Überbrückungsgeld. Viele Beschäftigte mussten zwar schmerzhafte Einkommenseinbußen hinnehmen, rutschten aber nicht in die Armut ab. Da die Pandemie allerdings noch längst nicht vorbei ist, ist wichtig, dass diese Maßnahmen auch 2022 fortgeführt werden.

Und leider helfen sie kaum denjenigen, die bereits in Armut leben. Ihre Not ist gewachsen, z.B. durch das Verschwinden von Pfandflaschen aus dem öffentlichen Raum und das stark eingeschränkte Angebot der Tafeln insbesondere zu Beginn der Pandemie. Dazu kamen pandemiebedingte Mehrkosten z.B. für Desinfektionsmittel und Masken. Hier ist mehr nötig als einmalige, punktuelle Hilfen.

Aus armutspolitischer Sicht erhoffen wir uns von der im Koalitionsvertrag festgelegten Erhöhung des Mindestlohns auf 12 Euro und der Einführung der Kindergrundsicherung durchaus positive Effekte auf die Armutsentwicklung. Gleichzeitig braucht es noch weitere Maßnahmen wie armutsfeste Hartz-IV-Regelsätze, eine Mindestrente, um die stetig zunehmende Altersarmut abzubremsen, und die Begrenzung von Mieterhöhungen, da die steigenden Mieten immer mehr zum Armutsrisiko werden.“

Besonders hoch ist gemäß Mikrozensus das Armutsrisiko – so wie in den Vorjahren – bei Familien mit drei und mehr Kindern (30,9 Prozent) sowie bei Alleinerziehenden (40,5 Prozent). Erwerbslose und Menschen mit niedrigen Bildungsabschlüssen sowie Migrationshintergrund sind ebenfalls stark überproportional betroffen.

Hintergrund: Die Armutsgefährdungsquoten im Armutsbericht des Paritätischen beziehen sich auf das Jahr 2020. Datengrundlage ist der Mikrozensus, eine jährliche Befragung der statistischen Ämter des Bundes und der Länder. Die Teilnahme am Mikrozensus ist gesetzlich verpflichtend. Für einzelne Hamburger Bezirke und Stadtteile liegen keine Armutsrisikoquoten vor.

Als armutsgefährdet gilt, wer weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens (Median) aller Haushalte zur Verfügung hat. Bei Einpersonenhaushalten betrug diese Armutsschwelle im Jahr 2020 1.126 Euro, bei einer Familie mit zwei Kindern unter 14 Jahren 2.364 Euro.

Für das Jahr 2020 gelten hinsichtlich des Mikrozensus einige Besonderheiten. So wurde für die Neugestaltung der Erhebung ein neues IT-System aufgebaut, das nach Auskunft des Statistischen Bundesamts von Problemen begleitet war. Hinzu kamen Schwierigkeiten, die sich aus der Pandemie ergaben: Wurden die Erhebungen zuvor persönlich vor Ort geführt, so schränkten die Kontaktbeschränkungen dieses Vorgehen stark ein. Zusätzlich wurde das Mahnwesen, das üblicherweise die Pflicht zur Teilnahme überwacht, angesichts der pandemiebedingten Belastungen weitgehend ausgesetzt. Entsprechend sank die Rücklaufquote gegenüber den Vorjahren deutlich.

Den vollständigen Armutsbericht des Paritätischen Gesamtverbandes mitsamt Pressemitteilung finden Sie hier: www.der-paritaetische.de/armutsbericht


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