Was Corona mit den Kleinsten macht – Paritätischer Wohlfahrtsverband weist auf Probleme bei der Kita-Eingewöhnung hin und regt Nachbesserung an

In Hamburg gibt es schätzungsweise gut 40.000 Menschen, die das Leben ausschließlich mit Pandemie kennen – die ab März 2020 Geborenen. Für zahlreiche von ihnen beginnt zurzeit ein neuer Lebensabschnitt: der Krippenbesuch. Doch die Eingewöhnung dieser Kinder verläuft deutlich schwieriger und zeitaufwändiger als vor Corona.

Der Paritätische Wohlfahrtsverband Hamburg, dem als Dachverband 350 Einrichtungen und damit etwa ein Drittel der Hamburger Kitas angehören, erhält von seinen Mitgliedern zahlreiche beunruhigende Rückmeldungen zur Eingewöhnung in Pandemiezeiten und regt eine Nachbesserung beim Kita-Gutschein für diese Zeit an.

„Eine ordentliche Eingewöhnung ist in vielen Fällen zurzeit kaum möglich. Die Kinder haben durch die langen Lockdown- und Isolationszeiten viel weniger Erfahrung in sozialer Interaktion, sind deutlich stärker auf ihre Eltern fixiert und haben große Probleme, sich in größere Kindergemeinschaften einzufügen“, sagt Jan Gloystein, Referent für Frühe Bildung, Betreuung und Erziehung beim PARITÄTISCHEN.
Für viele junge Familien und Kinder sei die Kita der erste nennenswerte soziale Kontakt seit langem, Angebote wie Babyschwimmen, Pekip-Gruppen oder Eltern-Kind-Gruppen seien in den letzten zwei Jahren oftmals ausgefallen. „Somit ist der Krippenbesuch für die Kinder vielfach zunächst eine große Reizüberflutung, die sie schnell überfordert. Daher können die Kinder nur sehr langsam an längere Zeiten ohne Eltern, aber mit anderen Kindern gewöhnt werden.“

Hinzu käme, dass das Immunsystem dieser Kinder noch untrainierter sei als bei Kleinkindern üblich, was zu häufigeren Erkrankungen und damit zu häufigeren Unterbrechungen der Eingewöhnung führe. „Oftmals fängt man dann wieder von vorne an, die Kinder an die Gruppe und Fachkräfte zu gewöhnen“, fasst Gloystein die Erfahrungen aus den Mitglieds-Kitas zusammen.

Außerdem falle auf, dass die Eltern deutlich unsicherer seien und größere Schwierigkeiten hätten, sich emotional von ihrem Kind zu lösen. Diese Unsicherheit übertrage sich auf die Kinder, die in der Kita auch deshalb schwer eine neue Bezugsperson finden, weil Erzieher*innen pandemiebedingt immer wieder ausfallen.

„Regelhaft werden für die Eingewöhnung vier Wochen veranschlagt, wofür es einen entsprechenden Kita-Gutschein gibt. Doch damit kommen momentan immer weniger Familien aus, und das bringt Eltern, Kinder und Kitas in die Bredouille“, sagt Gloystein. „Daher regen wir an, dass der Eingewöhnungs-Kita-Gutschein auf acht, besser 12 Wochen verlängert wird. Nur so kann die Eingewöhnung, die den Grundstein für die nächsten drei bis fünf Jahre in der Entwicklung des Kindes legt, gut gelingen.“