Armutsbericht des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes: Armutsrisiko in Hamburg über dem Bundesdurchschnitt – deutlicher Anstieg bei Selbständigen und weiterer Anstieg bei Rentner*innen

Heute hat der PARITÄTISCHE Gesamtverband in Berlin seinen Armutsbericht vorgestellt. Demnach liegt in Hamburg die Armutsrisikoquote bei 17,3 Prozent und damit über dem bundesweiten Niveau von 16,6 Prozent. Entgegen dem Bundestrend ist das Armutsrisiko in Hamburg im Vergleich zum Vorjahr leicht gesunken, nur bei den Menschen über 65 Jahre stieg es an (von 17,3 auf 19,0 Prozent). Damit hat sich die Quote bei ihnen seit 2006 (6,7 Prozent) fast verdreifacht. Ebenfalls auffällig ist der Anstieg bei Selbständigen, hier wuchs die Quote um fast 30 Prozent auf 12,9 Prozent.

Kristin Alheit, Geschäftsführerin des PARITÄTISCHEN Wohlfahrtsverbandes Hamburg, zu den Ergebnissen des Armutsberichts:

„Hamburg hat sich im Bundesländerranking um zwei Plätze verbessert, was aber kein Grund ist, sich auszuruhen. Denn die Quote liegt über dem Bundesdurchschnitt und zeigt, dass weiterhin Erwerbslose, Alleinerziehende, kinderreiche Haushalte und Menschen mit Migrationshintergrund ein überdurchschnittliches Armutsrisiko haben. Auffallend ist der ungewöhnliche Zuwachs der Armut unter Selbständigen, die während der Pandemie in großer Zahl finanzielle Einbußen zu erleiden hatten. Besorgniserregend finde ich die Armutsentwicklung bei den Rentner*innen, die seit Jahren nur in eine Richtung geht – nach oben. Dass sie bei den bisherigen Entlastungsmaßnahmen außen vor gelassen wurden, ist nicht hinnehmbar, denn Inflation und Energiekrise treffen sie genau wie alle anderen Menschen. Seit Jahren steigt die Armutsquote bei ihnen an, ohne dass der Politik ein tragfähiges Mittel dagegen einfällt. Es braucht armutsfeste Hartz-IV-Regelsätze, eine Mindestrente und die Begrenzung von Mieterhöhungen, da die steigenden Mieten immer mehr zum Armutsrisiko werden. Auch die Kindergrundsicherung muss nun endlich eingeführt werden, damit Kinder leichter aus Armut herauswachsen können.”

Hintergrund: Die Armutsgefährdungsquoten im Armutsbericht des Paritätischen beziehen sich auf das Jahr 2021. Aus methodischen Gründen lassen sich die Zahlen nur eingeschränkt mit denen von vor 2020 vergleichen. Datengrundlage ist seit jeher jeweils der Mikrozensus, eine jährliche Befragung der statistischen Ämter des Bundes und der Länder. Die Teilnahme am Mikrozensus ist gesetzlich verpflichtend. Für einzelne Hamburger Bezirke und Stadtteile liegen keine Armutsrisikoquoten vor.
Als armutsgefährdet gilt, wer weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens (Median) aller Haushalte zur Verfügung hat. Bei Einpersonenhaushalten betrug diese Armutsschwelle im Jahr 2021 1.148 Euro, bei einer Familie mit zwei Kindern unter 14 Jahren 2.410 Euro.

Den vollständigen Armutsbericht des Paritätischen Gesamtverbandes mitsamt Pressemitteilung finden Sie hier: www.der-paritaetische.de/armutsbericht