22.01.2019

Hamburgs Jugendhilfe muss sich verändern

Die Enquete-Kommission Kinderschutz und Kinderrechte weiter stärken hat eine sehr gute Arbeit abgeliefert, für die wir ihr dankbar sind. Kinderschutz weiterentwickeln, Kinderrechte stärken, Kinderpartizipation fördern sind dabei wichtige Punkte, die die Kommission herausgreift. Sie spricht 70 sehr praxisnahe Empfehlungen aus. Die meisten angesprochenen Aspekte halten viele Akteure in der Jugendhilfe allerdings schon seit Jahren für verbesserungswürdig.

So muss nicht nur aus unserer Sicht der ASD mit mehr fachlich hochqualifizierten Mitarbeitenden ausgestattet werden. Die Belastung für ASD-Mitarbeitende ist sehr hoch, die Fallzahlen zu groß, die Anerkennung zu niedrig, und somit steigt die Gefahr, Fehler zu machen und dafür in der Kritik zu stehen. Bisher gab es in den Behörden zu wenig Reflektion darüber, warum die Mitarbeiterfluktuation so hoch ist. Die Mitarbeitenden müssen gefragt und gehört werden, was aus ihrer Sicht nötig ist, damit sie gut arbeiten können. Denn sie sind eine zentrale Säule der Jugendhilfe in Hamburg, die jedoch in den vergangenen Jahren sträflich vernachlässigt wurde.

Außerdem muss es Strukturen geben, in denen eine gute Zusammenarbeit alle Akteure wirklich möglich ist. Es braucht klare Regeln, Zuständigkeiten und Verantwortlichkeiten, damit der Kinderschutz gewährleistet werden kann. Das gilt ganz besonders, je größer die Krise ist, in der sich eine Familie befindet. Denn nur wenn das Hilfesystem verbindlich zusammenarbeitet, kann ein tragfähiges Hilfesetting erarbeitet werden. Unsere Erfahrung aus fast fünf Jahren Koordinierungsstelle Individuelle Hilfen ist allerdings oftmals eine andere. Wir erleben leider immer wieder, dass verschiedene Ebenen der freien und öffentlichen Jugendhilfe nicht genug miteinander sprechen und zu selten eine gemeinsame Haltung, auch von Anerkennung  und Wertschätzung gegenüber anderen Akteuren der Jugendhilfe, entwickeln. Die Leidtragenden sind die Kinder und Jugendlichen, deren Bedürfnisse zu oft im Klein-Klein des Behördenalltags untergehen. Und das fängt nicht erst bei Todesfällen an, die zum Glück nur einen sehr kleinen Teil ausmachen. Doch sie sind gleichsam die Spitze des Eisberges, vieles liegt schon viel früher im Argen und verhindert die positive Entwicklung der betreuten Kinder und Jugendlichen. Nun haben wir die Chance, daran gemeinsam etwas zu ändern.

Es ist wichtig, dass nun endlich gehandelt wird. Wir fordern den Senat daher auf, sich den Bericht zu Herzen zu nehmen und ihn nicht zu einem Papiertiger verkommen zu lassen. Es sollte nun ein Mitbestimmungsverfahren starten, in dem nicht die Behörden ganz allein entscheiden, welche der Empfehlungen sie als erstes umsetzen werden. Die freie Jugendhilfe steht für diesen Prozess bereit. Paragraf 4 SGB VIII besagt, dass die freie und öffentliche Jugendhilfe partnerschaftlich zusammenarbeiten. Wir hoffen, dass das in Hamburg nun endlich Realität wird.

Den 639 Seiten langen Berich der Enquete-Kommission können Sie hier herunterladen.

Carolin Becker, Referentin Kinder- und Jugendhilfe


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