07.04.2020

Die Arbeit der Koordinierungsstelle in Corona-Zeiten

In der Koordinierungsstelle Individuelle Hilfen (die sich hauptsächlich mit sogenannten Systemsprenger*innen und dem Helfersystem vefasst) versuchen wir weiterhin telefonisch und per Mail, den ASD und das Helfersystem dabei zu unterstützen, den gemeinsamen roten Faden zu behalten, im Austausch zu bleiben und Hilfen zu stabilisieren. Das ist nicht immer einfach, denn gerade in Krisenzeiten neigen wir ja alle besonders schnell dazu, schnelle Entscheidungen zu treffen und treffen zu müssen – dabei vergessen wird oft, andere für den Fallverlauf wichtige Personen zu informieren, sich abzustimmen oder sich vor der Umsetzung einer Entscheidung sich doch noch einmal kurz zu beraten.

Aus diesem Grunde fragen wir nun mindestens einmal in der Woche den aktuellen Sachstand bezüglich der Fallverläufe bei allen Fallbeteiligten ab, bündeln den Informationsstand für alle und regen den Austausch untereinander an.

Unsere Fallberatungssitzungen mit dem Trägerverbund und dem ASD, die sonst in großer Runde bei uns im Haus stattfinden, haben jetzt ein neues Gewand erhalten, wir haben dafür ein schriftliches Format gewählt. Das hat viele Nachteile, aber es bietet auch einen entscheidenden Vorteil: Dadurch, dass alles aufgeschrieben werden muss, alles auch gelesen werden muss, entsteht eine andere, fokussiertere Form der Beschäftigung mit den Biographien der Kinder und Jugendlichen, es entsteht mehr Raum, sich alleine und konzentriert Gedanken zu machen, um sich dann telefonisch auszutauschen. Dieses wirkt wie eine Entschleunigung, und gerade die ist bei dem Prozess des Fallverstehend unabdingbar.

Besonders dann, wenn es jetzt in Wohngruppen mit einem Kind oder Jugendlichen kriselt und der Abbruch einer Hilfe droht, müssen wir alle Anstrengungen unternehmen, die Hilfe dort möglichst wieder zu stabilisieren, denn Neuaufnahmen in andere Wohngruppen sind aktuell so gut wie unmöglich – es gibt also aktuell für die jungen Menschen keine Alternativen, außer die Inobhutnahme in den Kinder- und Jugendnotdienst .
Wir nehmen wahr, dass viele Kinder und Jugendliche zusätzlich zu allen bereits vorhandenen Belastungfsaktoren jetzt noch mit der Angst, die die Corona Pandemie macht, belastet sind. Bei einigen verstärken sich dadurch psychische Auffälligkeiten so sehr, dass sie einen klinischen Bedarf zeigen – dieses stellt dann wiederum das Helfersystem vor große Herausforderungen. Alle im Feld tätigen Kolleg*innen leisten zurzeit Unglaubliches, denn sie müssen der Fels in der Brandung sein und ihre eigenen Ängste und Verunsicherungen zurück nehmen. So erleben wir aktuell, dass wir uns teilweise noch viel intensiver mit Kolleg*innen austauschen und wir alle, trotz social distancing, kollegial näher zusammen rücken.

Umso mehr müssen wir selbst darauf achten, auch mit uns achtsam umzugehen, jede*r mit sich, aber auch im Team. Es ist wichtig, gerade jetzt sich auch gegenseitig Anerkennung und Wertschätzung zu geben für das, was aktuell geleistet wird.
Wir müssen gerade im dem Bereich von Hilfen zur Erziehung, wo es um professionelle Nähe geht, erfinderisch sein, diese Nähe trotz social distancing aufrecht zu erhalten. Lieber einmal mehr als einmal weniger telefonieren, ob mit Kolleg*innen oder Klient*innen.

Wir sollten nachsichtig sein mit unseren Klient*innen, mehr als sonst – sie haben die gleichen Ängste und Sorgen wie wir, aber oft nicht die Ressourcen zur Bewältigung wie wir, weder im sozialen, materiellen und oft auch nicht im kognitiven Bereich. Es geht im Moment nicht darum, Ziele zu erreichen, es geht darum, zusammen zu halten, menschliche, professionelle Wärme und Hoffnung zu geben.


Fortbildungen

Die PARITÄTISCHE Akademie Nord bietet Fortbildungen für

Pflegefachkräfte,
Erzieher/-innen,
Sozialpädagoginnen und -pädagogen,
Führungskräfte,
Personalverantwortliche,
Kita-Leitungen,
Fachkräfte der psychiatrischen Arbeit und v.m.

aus vielen Bereichen der Sozialen Arbeit, zum Beispiel der Altenhilfe, Behindertenhilfe, Hilfe für Geflüchtete, Kinder- und Jugendhilfe.