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Migration ist unsere Chance

Laut dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) ist die Anzahl der Erstanträge auf Asyl im Vergleich zum Vorjahr in diesem Jahr um 67,5% gestiegen.[1] Und vor dem Hintergrund, dass bereits allein im Jahr 2022 mehr Geflüchtete nach Deutschland gekommen waren als in den Jahren 2015 und 2016 zusammen, wird deutlich, dass wir vor einer Herausforderung stehen.

Dabei lässt sich das soziale Klima in Deutschland hinsichtlich des Themas „Migration und Flucht“ derzeit als eher rau beschreiben. Die drückende Inflation, der Ukraine Konflikt und der politische Skandal um eine 60 Milliarden Euro Lücke im Bundeshaushalt, haben keine mildernde Wirkung auf die Stimmung in breiten Teilen der Bevölkerung. Vielmehr hallen in populären Medien Phrasen wider, die inhaltlich klarstellen, es sei „kein Platz mehr im Boot“.

Es sieht ziemlich düster aus für jene, die die Herausforderung annehmen wollen. Zumindest dann, wenn man außer Acht lässt, dass es zum Ende des Jahres auch einige gute Nachrichten für soziale Träger im Bereich Migration gab. Denn nachdem wir Anfang November mit angekündigten Kürzungen im Bundehaushalt noch mit dem Schlimmsten gerechnet hatten, durfte man zur Monatsmitte durch die Mitteilung der Ergebnisse der Bereinigungssitzung doch zumindest teilweise wieder Aufatmen: Es wird bei Mitteln, die die Freie Wohlfahrtspflege und die soziale Infrastruktur direkt betreffen, weniger gekürzt als geplant. Da hat sich die gemeinsame Lobbyarbeit doch gelohnt!

Aus politischer Sicht handelt es sich dabei dennoch schlicht und unaufgeregt um notwendige Sozialausgaben, die getätigt werden, weil es wirklich gewichtige Argumente dafür gibt. Das heißt, dass die Gelder verbraucht werden, ohne dass dabei etwas in die Wirtschaft zurückfließt. Und diese Definition ist auch legal stichfest. Dennoch lässt sie außer Acht, dass all das, was über diese Ausgaben an Anlaufstellen und Beratungsangeboten bspw. über die Migrationsberatung für erwachsene Zuwanderer (MBE) geleistet werden kann, dabei hilft, dass Menschen, die ganz neu hier ankommen, eine dringend notwendige Orientierung und Unterstützung finden, die ganz grundlegend ist, um Halt zu finden. Grundlegend auch dafür, dass Migration an sich, zu einem Wachstumsfaktor für unser Land wird. Denn die Menschen, die hier ankommen, - die Sprache lernen, ein Zuhause, eine Arbeit und eine Perspektive finden – diese Menschen, tragen dazu bei, dass sich unserer Gesellschaft weiterentwickelt. Sie werden dringend gebraucht, in einem Arbeitsmarkt, der unter einem besonders hohen Fachkräftemangel ächzt und in welchem sich auch perspektivisch (-ohne Zuwanderung), die Zahlen laut Prognosen weiter ins Negative entwickeln. Auch demographisch wird deutlich, dass unsere Bevölkerung dringend auf die Zuwanderung von jüngeren Menschen aus anderen Staaten angewiesen ist. Denn selbst wenn sich die Generation der heutigen Millenials auf wundersame Weise von heute auf morgen als überraschende Babyboomer Generation 2.0 entpuppen würde, dann würden die Kinder, die jetzt geboren werden, erst in ca. 30 Jahren den Effekt auf dem Arbeitsmarkt erzielen können, den wir so dringend brauchen.  

Die Devise lautet daher, ran an die Herausforderung! Ran, um Menschen bei ihrem Weg in unsere Gesellschaft zu unterstützen und um gemeinsam eine Gesellschaft zu schaffen in welcher viele Menschen, viele Chancen haben. Chancen sich einzubringen, selbst zu gestalten und ggf. selbst weitere Arbeitsplätze und neue Wirtschaftszweige zu schaffen. Denn das ist es, was Migration in der Menschheitsgeschichte bisher bewirkt hat: Das Entstehen und Wachsen von Metropolen, Wissenschafts- und Kulturstandorten.

Also – Glückauf! Heute ist ein Tag der Chancen und der Anerkennung! UN-Generaksekretär Antonio Guterres sagte hierzu: „Am (…) Internationalen Tag der Migrantinnen und Migranten würdigen wir die Beiträge, die diese Menschen überall in der Welt trotz der vielen Probleme leisten, mit denen sie zu kämpfen haben (…).[2]

Tamara Al-Keilani, Leiterin PARITÄTISCHES Kompetenzzentrum Migration (KomMig)

 


[1] Quelle: https://www.bamf.de/SharedDocs/Anlagen/DE/Statistik/AsylinZahlen/aktuelle-zahlen-oktober-2023.pdf?__blob=publicationFile&v=3 (Seite 3 von 17)

[2] Quelle: https://unric.org/de/un-generaksekretaer-guterres-botschaft-zum-internationalen-tag-der-migrantinnen-und-migranten-18-dezember-2021/