14.12.2020

Was ist eine „Digitale Schule“?

Als bundesweit erste Fachschule für Sozialpädagogik hat der Campus29 den Titel „Digitale Schule“ bekommen. Die Schule bildet Erzieher*innen aus und gehört zur Flachsland Zukunftsschulen gGmbH, einer Mitgliedsorganisation des PARITÄTISCHEN.
Mit dem Signet will die Initiative „MINT Zukunft schaffen!“ das Engagement von Schulleitungen und Lehrkräften würdigen und sie bestärken, sich für eine zeitgemäße Bildung in der digitalen Welt stark zu machen. Die Initiative will Schulen motivieren, ihr digitales Profil weiter zu schärfen und informatische Inhalte verstärkt in den Unterricht zu bringen.
Die Digitalen Schulen beweisen sich in fünf Modulen: Pädagogik & Lernkulturen, Qualifizierung der Lehrkräfte, Regionale Vernetzung, Konzept und Verstetigung, Technik und Ausstattung. Die Module wurden von Expert*innen und Wissenschaft-ler*innen beteiligter Verbände entwickelt und orientieren sich an der KMK-Strategie „Bildung in der digitalen Welt“.

Die Ehrung der „MINT-freundlichen Schulen“ in Hamburg steht unter der Schirmherrschaft des Schulsenators Ties Rabe und der Kultusministerkonferenz (KMK) und fand in diesem Jahr, pandemisch bedingt, als Online-Event statt.

Wir sprechen mit Campus29-Schulleiter Stefan Hierholzer, der sich über die Auszeichnung seiner Schule freut. Schon zu Beginn seiner beruflichen Laufbahn hat sich Hierholzer für die Digitalisierung des Unterrichts eingesetzt. Gemeinsam mit der Schulleitung etablierte er an der BBS1 in Gifhorn die Lernplattform moodle und machte damit einen bedeutenden ersten Schritt in Richtung Digitalisierung der berufsschulischen Ausbildung.

Hallo Herr Hierholzer, wir gratulieren herzlich zur Auszeichnung „Digitale Schule“. Was hat Sie motiviert, sich für den Titel zu bewerben?

Die Nutzung von digitaler Technik im und für den Unterricht war mir schon immer ein wichtiges Anliegen. Die stetige Frage, wie sich Analoges und Digitales zukunftsfähig verbinden lässt, ist meine Motivation.
Als Fachschule für Sozialpädagogik haben wir zudem eine politische Funktion. Die Menschen, die wir zu Erzieher*innen ausbilden, sind Multiplikatoren, nicht nur für Kinder in den Kitas, sondern für alle Kinder und Jugendliche im Alter von 0 bis 26 Jahren. Ihre Aufgabe ist es, Kinder und Jugendliche zu mündigen und kritischen Bürger*innen zu erziehen. In dieser Rolle prägen sie die Werte in der Gesellschaft entscheidend mit. Wir brauchen eine klare Haltung zu Informationstechnologie, dafür müssen wir sie verstehen und anwenden können.

Wir sind in einem Berufsfeld tätig, das nicht dafür bekannt ist, besonders technikaffin zu sein. Von vielen Erzieher*innen weiß ich, dass sie Kinder vor Technik schützen wollen. Das ist in unserem Zeitalter der Transformation problematisch. Es geht nicht darum, zwischen einem Walderlebnis und einer Begegnung mit Technik zu wählen. Beide Erfahrungen sind für Kinder wichtig und schließen sich nicht aus, sondern sollten in wechselseitiger Beziehung stehen. Die Wahl, wie ihre Welt sein wird, ist jedoch längst entschieden. Die Kinder werden heute auf eine Welt los-gelassen, die vollgestopft ist mit digitaler Technik, darauf müssen wir sie vorbereiten, damit sie sich in ihr verantwortungsvoll bewegen können.
Das Thema ist bereits bei Kindergartenkindern angekommen. Erzieher*innen sollten in der Lage sein, mit Eltern professionell über die Mediennutzung ihrer Kinder debattieren zu können.

Welche Technik nutzen Sie in Ihrer Schule?

Der Campus29 verbindet mit seinem Konzept die achtsame und offene Haltung gegenüber Kindern und Jugendlichen mit Ökologie und Nachhaltigkeit, sozialer Gerechtigkeit und moderner Technik. Dabei setzen wir ganz bewusst auf Open-Source-Software wie „moodle“. Die Auszubildenden sollen ihr Lernen individuell nach ihren Bedürfnissen gestalten können. Es geht hierbei um selbstbestimmtes Lernen, aber auch um Teilhabe und den freien Zugang zu Bildungsinhalten, gerade wenn man in einem Feld arbeitet, wo finanzielle Mittel begrenzt sind.

Open-Source Software kann dazu beitragen, Bildungsinhalte für alle zugänglich zu halten, da sie ihre Quellcodes offen legt und damit Menschen ermöglicht, die Software selbstständig zu nutzen und auch weiter zu entwickeln.

Die Gutachter loben besonders die „Didaktische Durchdringung des Konzepts“. Was ist damit gemeint?

Das Digitale findet sich durchgängig in der gesamten Unterrichtsstruktur. Im ersten Semester gestalten die Schüler*innen analog ein Plakat zu einer Vernissage. Integrieren müssen sie einen QR-Code. Mit diesem können sie auf der digitalen Ebene Hürden abbauen, indem sich hinter dem Code beispielsweise eine Audio-Datei befindet, die Information für Nicht-Sehende gibt. Im zweiten Semester drehen die Schüler*innen einen Erklärfilm zu den Entwicklungstheorien. Ihre nächste Aufgabe ist die Entwicklung einer Yoga-App. Wir möchten hier an der Schule durchgängig digitales Wissen und Können vermitteln und damit eine Haltung schaffen, die Begeisterung für Digitalität bereit hält und vermitteln kann.

Wagen wir einen Blick in die Zukunft. Was werden die nächsten Aufgaben bei der Digitalisierung beruflicher Bildung sein?

Wir werden uns verstärkt mit den Möglichkeiten der Virtual Reality befassen. Über diese Technik werden bereits jetzt Lehrbuchinhalte in eine 3-D-animierte Welt transformiert. Das ist spannend.

Die Corona-Pandemie hat in deutschen Klassenzimmern viel bewegt. Trotzdem gibt es noch viel zu tun. Letztendlich wird jedoch keine Technik menschliche Interaktion im Klassenraum ersetzen können. Technik kann eine sinnvolle Ergänzung zum Zwischenmenschlichen sein aber niemals ein Ersatz. Aber wir sind froh, sie zu haben. So ist bei uns bisher keine Unterrichtsstunde wegen Corona ausgefallen.


Campus29 hat natürlich auch eine Website, auf der Interessierte weitere Informationen finden.

Petra Dohrendorf, Öffentlichkeitsarbeit