04.05.2021

LuKuLuLe: Lust an Kunst, Lust am Leben

Wir sprachen mit Anna Hennecke, Projekt- und Kulturmanagement bei unsere Mitglied Lukulule e.V. über Ziele, Inhalte und Erfolge der Vereinsarbeit, die sich hauptsächlich an benachteiligte Jugendliche und Kinder richtet.


Wofür steht LUKULULE (als Name und inhaltlich)?

LuKuLuLe steht für Lust an Kunst, Lust am Leben. In unserer Präambel heißt es: „Wir möchten durch die Lust an Kunst die Lust am Leben fördern.“ So wurde Lukulule geboren.
Darüber hinaus steht Lukulule für Heimat, für Kunst und Kultur, für Familie und Freund*innenschaft, Lukulule steht für Selbstwirksamkeit und Empowerment, Lukulule steht für Spaß und Verständnis füreinander, für eine Kultur der Neugier, der Fehlerfreundlichkeit, des Füreinanderdaseins und des gemeinsamen Kreativseins.

Unsere Werte sind:
Creativity
Art
Respect
Empowerment

 

Wie viele Projekte haben Sie zurzeit, wie viele Kinder/Jugendliche sind involviert?

Wir haben derzeit acht aktive Kurse und über zehn Projekte. Insgesamt sind bis zu 250 Kinder und Jugendliche an unseren Projekten und Kursen beteiligt.
 

Welches ist Ihr Herzensprojekt?

Das ist schwer zu sagen. Wirklich alle unsere Projekte sind einzigartig und toll und liegen mir am Herzen. Das sage ich nicht, um Werbung zu machen, oder weil ich hier arbeite, sondern ich arbeite hier, weil ich wirklich hinter jedem Projekt stehe und weil alle Projekte besonders sind.

Ich versuche mal ein paar anstehende Projekte zu skizzieren: Wir planen ein großes Sommerferien Programm im Oberhafen. Unter dem Motto #Hamburg ist auch schön! machen wir es uns in unserem Heimathafen so schön wie möglich. Die meisten Familien werden in diesem Sommer nicht wegfahren können und somit wollen wir ihnen ein fettes Programm bieten, damit dieses Jahr der Urlaub in Hamburg stattfinden kann. Den gesamten Juli wird es im Oberhafen Workshops für Kinder und Jugendliche geben: Singen und bewegen mit den Piccolinos, unseren kleinsten Teilnehmenden (2-6 Jahre), Beats bauen mit Musik-Apps für 10-14-Jährige, einen Tanzkurs für Kinder und ihre Eltern/Bezugspersonen und den beliebten Shea Butter Loves Me Kurs, wo Kinder ab 10 Jahre ihre eigenen Cremes herstellen können, und viele weitere Workshops sind geplant. Gekrönt wird das Ganze mit einem grandiosen Kinderfestival (2-14 Jahre) mit Kinderbuchlesung, Puppentheater und Werkschauen aus den Workshops in der Materialverwaltung: hafen(b)engel - das 72H Kinderfestival. Das genaue Programm werden wir bald auf lukulule.de veröffentlichen, also freut euch auf einen heißen Sommer!

Ein weiteres aufregendes Projekt ist der Snipped!Bus. Ein charmanter Oldtimer-Bus, der zu einem mobilen Tonstudio ausgebaut wird. Die Planungen für den Innenausbau laufen auf Hochtouren. Wenn die jungen Menschen (pandemiebedingt oder aus anderen Gründen) nicht zu uns kommen können, kommen wir eben zu ihnen. Mit diesem ausgebauten Bus als Tonstudio, Bühne und Ort um kreativ zu werden, können wir mit Jugendhäusern, Schulen und anderen Jugendeinrichtungen kooperieren. Wir können in ihre Stadtteile fahren und ein bisschen Luku:Spirit zu ihnen bringen.

Außerdem freue ich mich diesen Sommer wieder besonders auf die 3. Ausgabe des multidisziplinären Jugendkulturfestival FORMATION**NOW! Mit Auftaktveranstaltungen im August wird das junge Kurator*innenteam von FORMATION**NOW für den September wieder aufregende Theaterstücke, Performances, Shows, Diskussionen und Workshops vorbereitet haben. Dieses radikal diverse Programm soll besonders die junge kreative Generation unserer pulsierenden Stadt ansprechen. (Festivalwebsite formationnow.de). Und aus ganz aktuellem Anlass: Im MARKK wurde gerade die Ausstellung „Hey Hamburg! Kennst du Duala Manga Bell“ eröffnet mit spannenden Beiträgen von unserer Crew von „Immer.Wieder.Widerstand“: markk-hamburg.de/ausstellungen/hey-hamburg.

Ich könnte noch ewig weiter erzählen, von unserem Bandcoaching Kurs, unserem Humble Voice Chor, der Voguing Class, den HopTeenz und immer wieder von unseren Kleinsten, den Piccolinos 1 & 2…
 

Erzählen Sie doch mal eine Begebenheit, wie sich Ihr Angebot konkret auf eine*n Jugendliche*n und dessen Entwicklung auswirkt.

Dafür gibt es bei Lukulule tatsächlich unglaublich viele Beispiele. Lukulule gibt es seit 21 Jahren. Viele Menschen haben den Verein geprägt und zum Zusammenhalt und der Philosophie enorm viel beigetragen. Kinder sind jetzt groß, Menschen gehen, Nachwuchs kommt: Zum Beispiel unsere künstlerische Leiterin und Mitglied im Vorstand von Lukulule, Mable Preach. Mable fing mit 19 Jahren im offenen Luku:Chor an. Heute ist sie Mitte 30 und erfolgreiche Regisseurin, Dramaturgin und Choreografin. Doch genauso sind Sidney, Tamika oder Naomi strahlende Beispiele dafür wie die Freiheit sich in frühen Jahren künstlerisch auszuprobieren, auf junge Menschen auswirkt. Sidney ist erfolgreicher Musiker, Tamika und Naomi Schauspielerinnen, Künstlerinnen und Autorinnen. Alle drei sind mit Mitte 20 Kurator*innen des Formation**Now Festivals. Bei Lukulule begannen sie zum Teil mit 5 Jahren.

Doch auch die leisen Erfolge sollen hier benannt werden. Kinder oder Jugendliche, die in einen unserer Kurse kamen und sich kaum trauten, laut zu sprechen, stehen heute singend und tanzend auf der Bühne. Kinder, die gelernt haben, für ihre Rechte einzustehen, ihre Meinung zu verteidigen oder eben genau das Gegenteil: Kinder, die gelernt haben, auf andere Rücksicht zu nehmen und andere Perspektiven, Gefühle und Verletzungen in ihre Überlegungen mit einzubeziehen.

Natürlich ist Lukulule keine Wunderfabrik für kleine Stars und die Entwicklung der beschriebenen Personen ist nicht einzig und allein Lukulule zu verdanken. Aber darum geht es uns auch nicht: Wir wollen Kinder und Jugendliche in ihrem Werdegang da unterstützen, wo wir können. Wir versuchen für jede, jeden und jedes die individuelle Formel zur Selbstwirksamkeit zu finden. Für manche sind es eher die kleinen Dinge im Hintergrund, die sie glücklich machen und in ihrer Entwicklung stärken, für andere ist es aber vielleicht auch die große Show, die ihnen Bestätigung und Selbstvertrauen schenkt. Wichtig ist, dass hier alle genauso sein dürfen, wie sie sind!

Wie hinderlich oder auch kreativitätsfördernd ist die Corona-Zeit für LUKULULE?

Ich glaube, das lässt sich nicht so pauschal beantworten. Wir haben während der ganzen Zeit weitergearbeitet und die Projektideen gehen unseren Künstler*innen nicht aus. Manche wurden angesichts einer weltweiten Pandemie enorm kreativ, anderen fehlte aber bestimmt auch der Austausch, die Inspiration oder die Möglichkeit, einfach mal zu machen. Wir haben versucht, fast alle Kurse und Projekte aufrecht zu erhalten. Die Kinder und Jugendlichen wurden kreativ, die Teamer*innen entdeckten ungeahnte YouTube-Talente und entwarfen Lehrvideos oder neue Unterrichtsmethoden via Zoom. Zu Weihnachten gab es ein digitales Zusammenkommen mit verschicktem Tee und Grußkarte, doch ersetzen kann das den realen Austausch nicht. Es ist ein Vehikel, mit dem wir in Zeiten der Krise erstaunlich gut arbeiten konnten und bewiesen haben, dass wir uns von nichts davon abhalten lassen, kreativ zu werden. Trotzdem konnten wir natürlich nur sehr bedingt neue Mitglieder werben und unsere Message nach außen tragen. Die Bühnen fehlten, die Diskussion und das Zusammenkommen fehlten. Wir entwickeln gerade Strategien, wie wir dieses Zusammenkommen in diesem Sommer draußen unter Corona-Bedingungen stattfinden lassen können, denn wir sind ausgehungert nach Begegnung, nach realen Austausch, nach Räumen des Zusammenkommens!
 

Wie finanzieren sich die Angebote? Offenbar sehr viel über Stiftungen, Spenden.  Was sind die Knackpunkte, warum Sie da so erfolgreich sind?

Ja, wir finanzieren uns fast ausschließlich über Projektförderungen, Spenden und punktuelle Möglichkeiten von struktureller Förderung. Ich denke, viele Punkte tragen zu dem Erfolg bei: Ein enorm großes Netzwerk, welches sich Lukulule in den 21 Jahren erarbeitet hat, man kennt uns, man vertraut uns und weiß um die Qualität unserer Angebote. Aber auch viel Expertise in der Geschäftsstelle über Antragsmöglichkeiten, netzwerken und vielfältige Kooperationen. Gleichzeitig haben wir einen pulsierenden Pool von jungen kreativen Leuten, die einfach gute Projekte machen, und ich glaube, auch der Zusammenhalt und die gegenseitige Unterstützung innerhalb der Luku:Community leistet da einen starken Beitrag.