19.08.2020

Die 160-Stunden-Qualifizierung: Interview mit einer Kita-Quereinsteigerin

Kind sitzt am Boden umgeben von vielen kleinen Spielsachen

Susanne Großkraumbach hat bei der PARITÄTISCHEN Akademie Nord die 160-Stunden-Qualifizierung zum Quereinstieg in der Kindertagesbetreuung absolviert. Seit Dezember 2017 arbeitet sie in der Integrativen Kindertagesstätte Wurzelkinder. Mit ihr spreche ich über den Quereinstieg, die 160-Stunden-Qualifizierung und warum dies das passende Modell für sie war. 

Frau Großkraumbach, in welchem Beruf haben Sie vorher gearbeitet? Warum wollten Sie in die Kindertagesbetreuung wechseln?

Ich habe als Ergotherapeutin in niedergelassenen Praxen gearbeitet, zuletzt acht Jahre lang in einer Praxis hier um die Ecke von der Kita. Daher kenne ich die Kita auch schon länger. Als Ergotherapeutin habe ich immer viel mit Kindern gearbeitet, 15 Jahre lang. Die Kinder, die in die Therapie kommen, bekommen den Eindruck, „mit mir stimmt was nicht“. Daran möchte ich arbeiten. Meine Motivation für den Quereinstieg war, dass ich mehr Zeit mit den Kindern verbringen wollte, als die kurzen 45 Minuten in der Therapie. Ich möchte ihnen vermitteln, dass sie gut so sind, wie sie sind, ihnen Selbstwertgefühl mit auf den Weg geben.

Warum haben Sie sich für die 160-Stunden-Qualifizierung entschieden?

Als ich mich über die Möglichkeiten des Quereinstiegs informiert habe, habe ich zufällig gehört, dass in der Kindertagesstätte Wurzelkinder eine Stelle frei ist. Der Stundenumfang war mir eigentlich zu hoch: Ich bin Mutter von zwei Kindern, meine Tochter war erst ein Jahr alt, als ich angefangen habe, hier in der Kita zu arbeiten, ihre Kita-Eingewöhnung hatte gerade angefangen. Die Leitung hat dann vorgeschlagen, dass ich mich über die 160-Stunden-Qualifizierung für die Arbeit in der Kita qualifiziere. Das hat für mich besser gepasst als etwa eine Ausbildung zur Erzieherin. Zuhause lernen und gleichzeitig meine kleinen Kinder betreuen, mein Mann arbeitet Vollzeit, das wäre zu viel gewesen. Die 160-Stunden-Qualifizierung war für mich der einfache, unbürokratische Weg.
Für die Fortbildungstermine wurde ich vom Dienst freigestellt. Ich konnte also in der Arbeitszeit meine Qualifizierung absolvieren und an den anderen Tagen normal arbeiten. Für die Kolleg*innen hat das gut gepasst – sie waren froh, jemanden für die Stelle gefunden zu haben. Noch dazu jemanden, den sie schon kannten.

Welchen Nutzen hatte die 160-Stunden-Qualifizierung für Sie?

Für die praktische Arbeit in der Kita war es sehr hilfreich, die theoretischen Grundlagen zu lernen. Neben den neuen Inhalten, dem vielen Input, hat mir besonders der Austausch mit Gleichgesinnten untereinander und mit den Dozent*innen geholfen. Der Beruf des*der Erziehers*in sieht von außen ganz einfach aus, so ein bisschen Kinder betreuen. Aber da ist viel mehr: Der Beruf hat sehr viel mit persönlicher Haltung zu tun, als Fachkraft muss man sich viel mit sich selbst auseinandersetzen. Außerdem der hohe Lärmpegel, es gibt eben vieles, was man von außen nicht so sieht. In der Qualifizierung konnten wir uns damit auseinandersetzen, uns austauschen, unsere Haltung und Erfahrungen reflektieren. Dort haben wir den theoretischen Bezug für die Praxis bekommen.

Was mir wirklich gut gefallen hat, war der Ablauf: Diese Momente, in denen man aus der Praxis rausgeht, um in die Theoriephase zu gehen. Die Theorie nimmt man dann mit in eine gute Phase Praxis, bevor es dann wieder in die Theorie geht. So hat man als Quereinsteiger*in beides: Theorie und Praxis.

Am spannendsten war für mich, dass wir uns bei den Fortbildungen mit anderen Quereinsteiger*innen, mit erfahreneren Erzieher*innen und anderen Fachkräften austauschen konnten. So konnten wir reflektieren, ob die Entscheidungen, die wir getroffen haben, richtig waren. Wir konnte uns austauschen und fragen: „Wie läuft es bei euch?“ oder „Wie gestaltet ihr die Eingewöhnung?“. Für mich hat das Gesamtpaket gepasst, die Grundlagen zu lernen, Themen wie Hygiene oder Rechtliches und wichtige Themen wie psychische Auffälligkeiten im Kindesalter zu behandeln.

Als Quereinsteiger*in in einer Hamburger Kita oder der Ganztagsbetreuung von Schulkindern arbeiten

Mit der 160-Stunden-Qualifizierung ist der Quereinstieg nicht nur in Hamburger Kitas, sondern auch in der Ganztagsbetreuung möglich. Informieren Sie sich über den Quereinstieg, die Voraussetzungen und den Ablauf auf den Seiten der PARITÄTISCHEN Akademie Nord.

Wir danken Frau Großkraumbach für das Interview. Das Interview führte Nora Just, Öffentlichkeitsarbeit, PARITÄTISCHE Akademie Nord.