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Schlaglicht: Warum wir über Ethik in pädagogischen Beziehungen nachdenken

zwei Hände halten einen geöffneten Taschenkompass

Unser Team im Fachbereich FBBE hat sich in den letzten Jahren immer wieder verändert. Wir haben Menschen verabschiedet, neu dazugewonnen und im Zuge dessen immer wieder unsere Strukturen hinterfragt. Auf der einen Seite haben wir verglichen, wer welche Aufgaben und Stärken hat, wo sie sich ähneln oder doppeln und wie wir bessere Synergien schaffen können. Auf der anderen Seite sind wir dabei, uns zunehmend kennenzulernen. Uns ist in den letzten Monaten immer wieder bewusst geworden, dass es mehr braucht als täglich miteinander zu sprechen, zu planen und Überlegungen anzustellen. Was jede*n Einzelne*n in unserem Team formt, sind die Werte, die Erfahrungen, die uns geprägt haben, und die Wünsche, die wir für eine Wohlfühlatmosphäre mit zur Arbeit bringen. Die Zusammenarbeit in einem Team beinhaltet meist einen Konsens, ein gemeinsames Ziel und Regeln, die eng oder lose gehandhabt werden, auf die man jedoch zurückgreifen kann, wenn man die Orientierung verliert. Alles steht und fällt mit der Art, wie wir miteinander umgehen und aufeinander eingehen.
 

Was verstehen wir unter Pädagogik?

Als Referent*innen und Fachberatungen sprechen wir häufig mit pädagogischen Fachkräften über die Gestaltung von Beziehungen. Wir orientieren uns alle an dem Schlüsselwort Pädagogik, wohl wissend, dass dieses Wort von uns selbst mit Inhalt gefüllt werden muss, damit es seine Wirkung entfalten kann. Obwohl es eine Definition für das Wort gibt, wird es doch in der Praxis unterschiedlich angewendet. Es gibt viele Haltungen dazu, was richtig und was falsch ist, wobei Gesetzgebungen wie Aufsichtspflicht oder Kinderschutz diesen Bereich einrahmen. Eine allgemeine Werteordnung, wie den Hippokratischen Eid in der Medizinethik, gibt es in diesem Sinne nicht. Allerdings könnte es sie geben. Auch in der Pädagogik kann der Begriff Ethik eine Leitlinie für uns alle sein.
 

Ethik als Leitlinie in der Pädagogik

Ethik in pädagogischen Beziehungen beschreibt, wie wir miteinander und insbesondere mit Kindern und Jugendlichen umgehen sollten, damit wertschätzende, gewinnbringende Beziehungen erlebt werden können. Daraus entsteht ein Wohlfühleffekt, der sich auf den Selbstwert auswirkt, was wiederum zuträglich zur Bildungskarriere und zum Gemeinschaftsgefühl ist. Dieser Effekt ist so erstrebenswert, dass es sich lohnt, Grundsätze der Pädagogikethik zu verinnerlichen, um stets ein Mensch der Zugewandtheit zu sein. Solche Grundsätze haben wir in den zehn Leitlinien der Reckahner Reflexionen entdeckt, die 2017 nach jahrelanger Zusammenarbeit zwischen Fachleuten und -disziplinen unter der Leitung von Prof. Dr. Annedore Prengel entstanden sind. Diese Arbeit stellt einen Beitrag zur gewaltbewussten Pädagogik dar, kann Veränderungen anstoßen und präventiv wirken.
In unserem Team haben die Reckahner Reflexionen viele ausgiebige Unterhaltungen angeregt. Unsere Lebensläufe sind alle unterschiedlich, unsere Erfahrungen mit Menschen, die unsere Bildung beeinflusst haben, jedoch manchmal gar nicht so sehr. Wir denken besonders gern an die Erwachsenen unserer Kindheit zurück, die uns zugetraut haben herauszufinden, was wir brauchen, um gut und gern zu lernen. An diejenigen, die uns im Sinne von Jesper Juul als ein kompetentes Kind angesehen haben. Als Team hat der Austausch über die Sinnhaftigkeit von einer Pädagogik, die ethischen Grundsätzen folgt, eine Sehnsucht und Motivation ausgelöst, in die wir alle gern mit Zeit, Herz und Hand investieren.
Wir haben festgestellt, dass es den schnellen, einfachen Weg hier nicht gibt. Wir können die Reckahner Reflexionen studieren und uns vornehmen, sie ab jetzt zu befolgen. Wir können uns, wie Laewen und Andres (2022), fragen, was es denn bedeutet, in einer Kita oder im Ganztag gut aufgehoben zu sein, Antworten für uns finden und diese mit Ihnen teilen, in der Hoffnung, dass Sie berührt sind und mit uns mitgehen möchten. Doch nach mehreren Monaten, in denen wir uns nahezu wöchentlich darüber ausgetauscht haben, wie Ethik in pädagogischen Beziehungen ein Normalzustand werden kann, stellen wir fest, dass es mehr als ein Konzept ist, an das wir uns halten wollen. Es ist eine Art Schalter des Denkens und Handelns, der nur umgelegt werden kann, wenn wir mit Menschen ins Gespräch gehen, etwas übereinander erfahren und gemeinsam umsetzbare Visionen für die Zukunft der uns anvertrauten Kinder und Jugendlichen entwickeln, die wir verwirklichen wollen.
 

Veranstaltungsreihe zu Ethik in der pädagogischen Arbeit

In diesem Jahr haben wir daher einen ersten Schritt gewagt und eine Veranstaltungsreihe für den Ganztag- und Kita-Bereich zusammengestellt. Bis in den November hinein wollen wir in fünf Online-Vorträgen mit anschließendem Austausch zusammen mit Ihnen erfahren, was zu Ethik in der pädagogischen Arbeit dazugehört, was es für die Umsetzung braucht und was wir als Erwachsene dazu beitragen können, dass unsere altersübergreifende Gemeinschaft trotz aller Herausforderungen eine von Vertrauen und Demokratie geprägte Zukunft hat. Weitere Infos zu den einzelnen Veranstaltungen finden Sie hier.

Lena Spiekermann, Fachberaterin FBBE