Mehr als 430.000 Kita-Plätze und 114.000 Kita-Fachkräfte fehlen – Bertelsmann Stiftung empfiehlt in neuer Studie u. a. die vorübergehende Absenkung der Betreuungszeiten

Im aktuellen "Fachkräfte-Radar für KiTa und Grundschule" der Bertelsmann-Stiftung wird untersucht, wie sich das Angebot und der Bedarf an Fachkräften in der Kindertagesbetreuung in den Bundesländern in den kommenden Jahren entwickelt und wie sich das auf die Kita-Situation auswirken könnte.

Neben den strategischen Langzeitzielen des Platzausbaus, der vermehrten Ausbildung von Fachkräften, Schaffung attraktiver Beschäftigungsverhältnisse zur Bindung der Fachkräfte und einer gesicherten und kontinuierlichen Finanzierung auch durch den Bund, gibt die Studie drei Empfehlungen aus, um die akute Situation zwischen Betreuungsplatz- und Fachkräftemangel in der Kindertagesbetreuung anzugehen:

  • Pädagogische Fachkräfte sollen durch mehr Hauswirtschafts- und Verwaltungskräfte entlastet werden.
  • Quereinstiege sollen vermehrt bei gleichzeitiger Absicherung der pädagogischen Qualifizierung ermöglicht werden.
  • Die Betreuungs- und Öffnungszeiten sollten auf 6 bzw. 7 Stunden am Tag vorübergehend eingeschränkt werden.

Die Studie zeigt vor allem auf, wie regional unterschiedlich sich die Bedarfe in den Bundesländern darstellen. Nicht überraschend ist nach wie vor die Unterschiedlichkeit in Platzangebot und Personalschlüssel zwischen den Ost- und Westbundesländern.

Hier geht es zum Fachkräfte-Radar Kita und Grundschule 2023 der Bertelsmann Stiftung.

Der Paritätische Gesamtverband weist in diesem Zusammenhang erneut in der aktuellen Expertise „Maßnahmen der Länder zum Abbau von Benachteiligungen in der Kindertagesbetreuung“ (Link: https://www.der-paritaetische.de/alle-meldungen/neue-paritaetische-expertise-massnahmen-der-laender-zum-abbau-von-benachteiligungen-in-der-kindertagesbetreuung/) darauf hin, dass fehlende Betreuungsplätze, zu wenige Fachkräfte und insbesondere eingeschränkte Betreuungszeiten insbesondere zu Lasten benachteiligter Kinder gehen. In der öffentlichen Wahrnehmung stehen die Betreuungs-und Bildungsaspekte der Kindertagesbetreuung vielfach im Vordergrund. Dabei ist der Abbau von Benachteiligungen ebenfalls ein zentraler gesetzlicher Auftrag der Kindertagesbetreuung, der in § 1 Abs. 3 Nr. 1 SGB VIII grundsätzlich für die gesamte Kinder- und Jugendhilfe als Handlungsprinzip festgehalten ist. Es lässt sich u. a. feststellen, dass Kindertageseinrichtungen mit einem hohen Anteil von benachteiligten Kindern oft weniger finanzielle und personelle Ressourcen zur Verfügung haben als vergleichbare Einrichtungen mit einem geringeren Anteil benachteiligter Kinder. Bestätigt wird dies auch durch die Ergebnisse einer Umfrage des Paritätischen Gesamtverbandes unter Kindertageseinrichtungen, die zeigen, dass Einrichtungen mit einem hohen Anteil von sozioökonomisch benachteiligten Kindern deutlich schlechtere Rahmenbedingungen haben als Einrichtungen mit einem hohen Anteil privilegierter Kinder. Das bedeutet, dass diese Einrichtungen derzeit schlechter als vergleichbare Einrichtungen ausgestattet sind, obwohl sie eigentlich besser ausgestattet sein sollten. In der empirischen Fachliteratur finden sich genügend Hinweise, dass es qualitätssteigernd ist, in Fachkraft-Kind- Relationen in Einrichtungen/Gruppen mit besonderen Herausforderungen (überdurchschnittliche Anteile von sozioökonomisch belasteten Familien und/oder Kindern, deren Herkunftssprache nicht die Bildungssprache Deutsch ist) zu investieren.

Der Paritätische empfiehlt daher, Maßnahmen in Bezug auf die Kindertagesbetreuung abhängig zum Sozialraum zu ergreifen und dabei insbesondere die benachteiligten Kinder im Blick zu behalten. Beispielsweise ist die Personalausstattung in Einrichtungen in benachteiligten Sozialräumen deutlich zu verbessern und dies landesrechtlich verbindlich festzulegen. Wissenschaftlich empfohlen ist eine Verbesserung des Fachkraft-Kind-Schlüssels für Kinder in benachteiligenden Lebenssituationen um den Faktor 1,4. (Link:

https://www.der-paritaetische.de/alle-meldungen/stellungnahme-zur-anhoerung-im-familienausschuss-zum-kita-qualitaetsgesetz/)

 

 

 

Bild oben Foto von Japheth Mast auf Unsplash.