Expertenrat Seelische Gesundheit

Der Expertenrat Seelische Gesundheit ist ein Zusammenschluss von Psychiatrie-erfahrenen Menschen. Er fordert die Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK) auch im Bereich der Psychiatrie und möchte die Sicht der Selbsthilfe in psychiatriepolitische Entscheidungen in Hamburg stärker einbringen.
Er wurde nach einiger Vorbereitungszeit im April 2016 im PARITÄTISCHEN Hamburg gegründet. Der PARITÄTISCHE und sein Geschäftsführender Vorstand Joachim Speicher wollen so die Selbsthilfekräfte bündeln und ihnen mehr Gewicht verschaffen.

 

Der Expertenrat hat einen Jahresbericht veröffentlicht, der über die Tätigkeit im Jahr 2016 informiert. 

 

Die Gründungs- und stimmberechtigten Mitglieder des Expertenrats sind:

  • Aktionskreis 71 für Soziale Psychiatrie-Selbsthilfe e.V. (AK 71),
  • Landesverband der Angehörigen psychisch Kranker e.V. (LApK) und
  • Landesverband Psychiatrie-Erfahrener e.V. (LPE).

Außerdem gibt es einige beratende Mitglieder: Selbsthilfegruppen, die kein Mitglied im PARITÄTISCHEN sind, oder Vereinigungen, die keine reinen Selbsthilfeverbände, wie die Unabhängige Beschwerdestelle für Menschen mit Psychiatrieerfahrung e.V. (U.B.).

Leistungen insbesondere für psychisch kranke Menschen mit komplexem  Unterstützungsbedarf müssen dringend verbessert und neu strukturiert werden.
Die Selbsthilfeorganisationen können als „Experten in eigener Sache“ durch persönliche
Erfahrungsberichte auf die Mängel und Missstände hinweisen und auch auf Basis ihrer Erfahrungen Lösungsvorschläge vorbringen. Sie sind eine sinnvolle Ergänzung für professionelle Fachleute.

Die größten „Baustellen“ im Bereich der seelischen Gesundheit sind der fehlende Krisendienst und fehlende aufsuchende Hilfen insbesondere für Menschen mit komplexem Unterstützungsbedarf. Dazu kommen die Herausforderungen der Eingliederungshilfe bzw. in der Ambulanten Sozialpsychiatrie in Verbindung mit dem neuen Bundesteilhabegesetz sowie das Thema Zwang und Gewalt in der stationären Psychiatrie im Zusammenhang mit der Umsetzung der UN-BRK.

Aktuell beschäftigt sich der Expertenrat insbesondere mit dem angestrebten Psychiatriebericht und der Psychiatrieplanung in Hamburg sowie dem Thema trialogische Besetzung der Aufsichtskommission nach dem Hamburgischen Gesetz über Hilfen und Schutzmaßnahmen bei psychischen Krankheiten (Hamb.Psych KG). Er findet es problematisch, dass die Behörde für Gesundheit und Verbraucherschutz die Forderung von Psychiatrie-Erfahrenen, an der Aufsichtskommission gleichberechtigt beteiligt zu sein, ablehnt. Zwar wäre es vorübergehend schon jetzt möglich, im Rahmen des geltenden Hamb.Psych.KG  Psychiatrie-Erfahrene an der Aufsichtskommission zu beteiligen. Aber der Expertenrat sieht eine entsprechende Novellierung des PsychKG mit einer verbindlichen Festschreibung der trialogischen Besetzung als unbedingt notwendig an.

Es ist noch zu früh zu sagen, ob der Expertenrat Seelische Gesundheit im Kreis der professionellen Hilfestrukturen anerkannt wird, aber die Mitglieder des Expertenrats wollen sich durch ihr Engagement diese Anerkennung erarbeiten.
Der Expertenrat kann sich durch Bündelung der Selbsthilfekräfte mehr Gehör bei Politik, Verwaltung und psychosozialen Institutionen verschaffen und dadurch möglicherweise die psychiatriepolitischen Entscheidungen im Interesse von Selbstbetroffenen und ihren Angehörigen günstig beeinflussen.

Für den Expertenrat seelische Gesundheit:

Jurand Daszkowski, Sprecher des Expertenrats
Hinrich Niebuhr, stellvertretender Sprecher des Expertenrats