23.02.2016

Armutsbericht des Paritätischen - „Kein Grund zur Entwarnung“: Armutsrisiko in Hamburg sinkt auf 15,6 Prozent – Armutsrisiko im Alter steigt auf neuen Höchststand

Nachdem im vergangenen Jahr die Armutsrisikoquote in Hamburg mit 16,9 Prozent einen neuen Rekordwert erreicht hatte, ist die Armutsquote nun auf 15,6 Prozent gesunken.
Sie liegt damit knapp über der bundesweiten Armutsquote von 15,4 Prozent. Das geht aus dem Armutsbericht des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes hervor, der heute in Berlin vorgestellt wurde. Alarmierend sei die Entwicklung insbesondere bei Rentnern in Hamburg, so der Paritätische. Trotz sinkender Armutsquoten in allen anderen Bereichen sei hier die Armutsquote auf 13,3 Prozent und somit auf einen neuen Höchststand gestiegen. Die Quote der altersarmen Rentner habe sich seit 2006 mehr als verdoppelt.

„Das Alter wird in Hamburg immer stärker zum Armutsrisiko“, sagt Joachim Speicher, Geschäftsführer des Paritätischen Hamburg, „die Zahl der Betroffenen steigt jedes Jahr, unabhängig von der allgemeinen Armutsentwicklung.“ Diese negative Entwicklung werde sich in den nächsten Jahren weiter fortsetzen, warnt der Verband. Grund dafür seien v.a. unterbrochene Erwerbsbiografien, hohe Teilzeitarbeitsquoten und niedrige Löhne bei hohen Mieten und Lebenshaltungskosten.

Erfreulich sei, dass das Armutsrisiko bei den Hauptrisikogruppen nach dem starken Anstieg im Vorjahr wieder gesunken sei. Nach wie vor haben in Hamburg Erwerbslose (51,2 Prozent), Alleinerziehende (32,6 Prozent), Familien mit drei und mehr Kindern (34,7 Prozent) sowie Hamburger mit Migrationsgeschichte (29,4 Prozent) das höchste Armutsrisiko. „Von einer Entwarnung kann allerdings keine Rede sein, wenn nach wie vor mehr als jeder sechste Hamburger von Armut bedroht ist“, so Joachim Speicher. Als Gründe für die positive Entwicklung sieht der Paritätische u.a. die Einführung des Mindestlohns, den Ausbau der Ganztagsbetreuung und die Einführung der beitragsfreien fünfstündigen Kita-Betreuung, die nicht nur Alleinerziehenden – hier sank die Armutsquote von 39,8 auf 32,6 Prozent um 18 Prozent – eine Möglichkeit zum beruflichen Wiedereinstieg biete. Die Erhöhung der Erwerbsbeteiligung, insbesondere von Frauen, sei auch ein wichtiger Schritt, um Armut im Alter zu begegnen, so der Verband.

Darüber hinaus sei v.a. der Bund gefragt, z.B. durch Rentenreformen und Reformen auf dem Arbeitsmarkt Altersarmut zu reduzieren. Aber auch Hamburg könne mit dem Ausbau öffentlich geförderter Beschäftigung für Langzeitarbeitslose, von sozialen Betreuungs- und Beratungsangeboten in den Bezirken und des sozialen Wohnungsmarktes seinen aktiven Beitrag leisten.

Hintergrund:
Die Armutsquoten im Armutsbericht beziehen sich auf das Jahr 2014. Datengrundlage ist der Mikrozensus, eine Befragung von ca. 370.000 Haushalten mit etwa 830.000 Personen. Die Teilnahme am Mikrozensus ist gesetzlich verpflichtend. Als armutsgefährdet gelten Menschen, deren Einkommen weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens (Median) aller Haushalte beträgt – bei  Einpersonenhaushalten betrug diese Armutsschwelle im Jahr 2014 917 Euro, bei Familien mit zwei Kindern 1.926 Euro.
Wie wirken sich die aktuellen Flüchtlingszahlen auf die Armutsquote aus? Erst einmal gar nicht, selbst wenn diese Menschen arm sind. Die Einkommen von Flüchtlingen finden genauso wenig in der Einkommensstatistik des Mikrozensus Berücksichtigung, wie die von Wohnungslosen, Bewohnern von Pflegeheimen, Studenten in Wohnheimen oder Strafgefangenen. Sie werden erst mitgezählt, wenn sie einen eigenen Haushalt haben und nicht mehr in Erstaufnahme- oder anderen Gemeinschaftsunterkünften leben (Quelle: Armutsbericht des Paritätischen Gesamtverbandes).

Den Bericht finden Sie im Internet unter www.der-paritaetische.de/armutsbericht.



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